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(Foto: Detlev Müller)


Liebe Frau Ebert, stellen Sie sich unseren Lesern, die Sie vielleicht noch nicht kennen, doch bitte kurz vor. Wer sind Sie und was schreiben Sie?

Ich bin in Aschersleben in Sachsen-Anhalt geboren, in Berlin aufgewachsen, absolvierte mein journalistisches Volontariat in Magdeburg, studierte Sprachwissenschaften in Rostock und zog nach dem Studium nach Freiberg, um dort als Journalistin zu arbeiten. Ich lebe immer noch in der sächsischen Silberstadt und habe zwei mittlerweile erwachsene Kinder, die in Hamburg bzw. Braunschweig studieren.

Ihre Romane um die Hebamme Marthe waren sozusagen „Überraschungserfolge“, wie Sie auf Ihrer Homepage schreiben. Hatten Sie trotzdem jemals auf einen solchen Erfolg gehofft oder macht man sich über so etwas gar keine Gedanken?

Natürlich hofft man beim Schreiben, dass das Buch viele Leser findet und gut ankommt. Aber einen solchen Erfolg hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Ich bin eigentlich immer noch ziemlich sprachlos darüber. Geschrieben habe ich nicht mit Blick auf die Bestsellerlisten, sondern weil ich unbedingt diese Geschichte erzählen wollte.

Manche Autoren suchen jahrelang nach einem Verlag. Wie schwierig war es für Sie, einen geeigneten Verlag zu finden, der das Manuskript annimmt?

Ich hatte etwa ein Dutzend Verlage angeschrieben und ihnen Exposé und Probekapitel geschickt. Von den meisten habe ich nie wieder gehört oder ich bekam mit einer kurzen Antwort meine Proebetexte zurück, die offenkundig nie jemand auch nur aus der Schutzhülle genommen hatte. Knaur jedoch reagierte sofort und hat das auch nicht bereut, vermute ich.

Wieso gerade das Mittelalter? Was macht den Reiz dieser Epoche für Sie aus?

Das Mittelalter als Handlungsrahmen hat sich einfach dadurch ergeben, dass sich die Siedlerzüge in den Osten und die ersten Silberfunde im Erzgebirge in jener Zeit ereigneten. Ich hatte nicht gezielt nach einem mittelalterlichen Stoff gesucht, sondern ließ mich von der Geschichte meiner Wahlheimat inspirieren.

Wie sieht bei Ihnen die Recherchearbeit aus? Recherchieren Sie praktisch oder mehr in der Bibliothek? Sprechen Sie auch mal mit Historikern oder anderen Experten?

Am Anfang der Recherche stehen immer Geschichtsbücher, Urkunden und diverse andere Quellen, die ich mir aus Archiven oder über Fernleihe in der Freiberger Universitätsbibliothek zusammensuche. Doch man kommt bald an den Punkt, wo die Bücher mehr Fragen aufwerfen als Antworten geben. Dann spreche ich mit Historikern und Spezialisten für die verschiedensten Gebiete, sei es nun das Münzwesen, Bergbaugeschichte oder mitelalterliche Kampftechniken, um nur einige zu nennen.

Wie bereitwillig arbeiten Historiker mit Ihnen zusammen? Sind sie einer Romanautorin gegenüber aufgeschlossen oder eher skeptisch, da Sie ja historische Fakten mit Fiktion verweben?

Ich habe das große Glück, dass ich durch meine journalistische Tätigkeit genug Fachleute kenne, die mich sehr großzügig mit ihrem Wissen unterstützen. Ohne sie wären meine Bücher nie so detailreich geworden - und vielleicht nicht einmal zu Ende geschrieben.

Bedeutet es eine extreme Gratwanderung, sich zwischen diesen historischen Fakten und der Fiktion zu bewegen? Wie wichtig ist Ihnen, dass Sie die Dinge „richtig“ erzählen, also nicht zu viel erfinden?

Es ist für mich Grundvoraussetzung beim Schreiben, mich genau an die historischen Fakten zu halten, soweit sie uns überliefert sind. Alles andere muss sich unterordnen. Was ich erfinde, weil es nicht belegt ist, muss unbedingt in den Kontext der Zeit passen und sich logisch in die Fakten einpassen. Das ist macht sie Sache sehr schwierig und kostet viel Denkarbeit und akribische Recherche. Aber sonst hätte diese Arbeit für mich keinen Reiz; dann würde ich vielleicht lieber Krimis oder Science Fiction schreiben.

Sie stehen in Kontakt mit Interessengemeinschaften, die sich aktiv mit dem Mittelalter befassen und haben bei einem solchen Treffen auch schon eines Ihrer Bücher vorgestellt. Hatten Sie auch schon vor dem Erfolg Ihrer Bücher zum Beispiel Mittelaltermärkte besucht und sich mit diesem „Trend“ auseinander gesetzt?

Mittelaltermärkte und Mittelaltergruppen sind oft zwei ganz verschiedene Punkte. Zu den Mittelaltergruppen bin ich erst durch Fanpost nach Erscheinen des ersten Romans in Verbindung gekommen. Aber das war eine sehr glückliche Fügung. Daraus sind Freundschaften gewachsen, und ich lerne von diesen Leuten sehr viel, was die praktischen Aspekte des mittelalterlichen Lebens angeht. So viel Detailwissen und -treue können Mittelaltermärkte in der Regel nicht bieten, weil sie eher zur Unterhaltung eines breiten Publikums gedacht sind.

Was lesen Sie selbst gerne? Haben Sie einen Buchtipp für unsere Leser?

Ich selbst lese gern Fantasy, Science Fiction und Krimis. Aber vorgeben möchte ich Ihren Lesern nichts. Jeder soll selbst auswählen, was er mag.

Könnten Sie sich vorstellen, auch mal in einer anderen Epoche unterwegs zu sein?

Wieso nicht? Wenn der Stoff spannend ist ...

Was planen Sie für die Zukunft? 2010 soll der vierte Band Ihrer Buchreihe über Marthe veröffentlicht werden – worauf können sich Ihre Leser danach freuen?

Nach Band 4, der Ende 2010 erscheint, und Band 5, für den noch kein genauer Veröffentlichungstermin feststeht, ist ein weiterer historischer Stoff geplant. Und dann werden wir sehen, was die Zukunft bringt.


Frau Ebert, wir danken Ihnen herzlich für das Interview!

 

 

Dieses Interview führte Vanessa Lellig für Legimus. Alle Rechte vorbehalten.

 

Rezension zum Hörbuch "Blut und Silber"

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