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Interview mit Michael T. Bhatty

Taborea − eine Welt der Mythen und Legenden, des Schwertes und der Magie, eine Welt der Wagemutigen und Abenteurer... Bedauerlicherweise hält Shareenas Stiefvater, Vorarbeiter der Minen in den Heulenden Bergen, nicht viel von Abenteuern und leitet die Hochzeit des forschen Pioniermädchens mit einem Händlerfürsten aus Varanas in die Wege. Doch ihr Verlobter entpuppt sich als Handlanger der Zurhidon, einer fanatischen Sekte von Dämonenanbetern. Als Shareena den ruchlosen Neffen ihres Verlobten tötet, muss sie aus ihrer Heimat fliehen. Mit seltsamen magischen Runen in ihrem Besitz führt sie ihr Weg durch die Wälder Silberquells, zu den Piraten an der Küste von Rabenfeld und bis ins eisige Hochland von Ystra. Mit Schwert und Bogen sucht sie ihre wahre Bestimmung, stets begleitet von ihren Gefährten, dem alten Ritter Fantur, dem Magier Samuel, der Priesterin Asiya und natürlich Jonesy, ihrem räuberischen Frettchen.

Fangen wir direkt mit dem Roman an. Es wird um eine Heldin namens Shareena gehen. Welcher Klasse gehört sie eigentlich an?

Die Heldin Shareena ist im Sinne des dualen Klassensystems eine Mischung aus Kriegerin und Kundschafterin. Als Pioniermädchen (also eigentlich als NPC ;-) träumt sie von einer Karriere als Kundschafterin, muss dann jedoch der harten Realität ins Auge gucken und wird dann erst im Umgang mit dem Schwert ausgebildet.

Werden wir eine klassische „Gruppenqueste“ als Leser erleben dürfen – Shareena und einige Mitgefährten?

Oh ja, der MMORPG-Charakter war mir sehr wichtig beim Schreiben. Bei Kämpfen wird der geneigte Leser dies bemerken, welche Taktiken meine Helden dann anwenden (oder auch nicht und dann die Quittung dafür kriegen;-)
Die Rahmenhandlung führt Shareena dazu, verschiedene Gruppenmitglieder um sich zu versammeln, um die verschiedensten Ereignisse und Regionen zu erleben. Handel, Exploration, Rettungsaktionen und auch das Auffinden von besonderen Gegenständen wird es in der ein oder anderen Form geben.

„Runes of Magic“ bietet sehr viele Orte, Landschaften und Gebiete. Darunter berühmtberüchtigte Areale wie die „Abtei“ oder auch „Varanas“. Welche werden wir als Leser in „Shareena“ besuchen dürfen?

Alle, die ich auch tatsächlich mit meinen Charakteren besucht habe. Besondern geliebt habe ich Ystra und die Minotauren, aber auch Varanas, die Piraten von Rabenfeld... die Obsidianfeste...

Wird es auch bekannte Protagonisten aus dem Rollenspiel geben, denen wir begegnen?

Aber sicher. Ich beginne in der Pioniersiedlung und viele Figuren, die wir als NPC kennen, sind mit dabei. In Varanas finden wir z.B. Ratpräsident Berol, in den Heulenden Bergen Sharlin und in der Obsidianfeste auch einen Lajos Halka.

Das Spiel bietet zudem ja dynamische Inhalte, da immer etwas Neues erscheint – wo siedelt sich der Roman zeitlich an?

Zeitlich spielt das Ganze vor dem zweiten Akt, wobei es hier schon erste Anzeichen auf  Elfen, Naga etc. gibt.

Du spielst ja selbst RoM. Welche Klassen sind denn deine Lieblinge und warum?

Lieblinge sind schwer zu sagen. Ich mag es, direkt mit dem Schwert zu Kämpfen, habe aber gerade durch „Runes of Magic“ eine Liebe zu Zaubern und Magie entdeckt. Und bei einigen Gegnern habe ich zudem eine echte Liebe für den Distanzkampf mit Pfeil und Bogen entwickelt (was man in einigen Passagen auch sicherlich erkennen wird).

Wird „Shareena“ der Anfang einer Romanreihe und wenn ja, auf wie viele Bände können sich RoM-Spieler freuen?

Auf viele, hoffe ich! Das Ganze passiert natürlich immer in Abstimmung mit den Publisher, wann und wo welche neuen Inhalte für das Game veröffentlicht werden. Der Roman „Runes of Magic - Shareena“ führt den Leser ja in das besondere Universum von „Runes of Magic“ ein und stellt Zug um Zug mehr von der Welt, den Charakteren und der besonderen Magie vor.
Weiterführende Ideen sind also da – deswegen habe ich auch die einen oder anderen Querverbindungen schon vorbereitet.

Mike, du bist im Gamesroman-Sektor ja kein unbeschriebenes Blatt mehr. Mit „FarCry“ hast du Erfahrungen gesammelt, wie kam es eigentlich zum Auftrag für „Runes of Magic“?

Chefredakteur Jo Löffler von Panini rief mich an, weil er weiß, dass Fantasy meine Leidenschaft ist und er auch wohl meinen Stil mag. Und da „Runes of Magic“ natürlich auch als Buch verschiedene Game-Inhalte berücksichtigen soll, brauchte er einen Autoren, der Gameplay mit literarischen Mechanismen interpretieren kann.

„Runes of Magic“ bietet Hunderte von Questen, viele Klassen, eine geradezu gigantische Spielwelt. Wie fängt man mit so einem Projekt überhaupt an?

Mit Recherche. Ich habe von Mike „Silberfuchs“ Kiefer (bekannt aus dem RoM-Forum) eine Führung durch die Welt erhalten. Ich hatte Zugriff auf die internen Testserver, interne Entwicklungsdokumente und Weltenbeschreibungen und natürlich über Kommunikation mit den Jungs von Frogster und Runewaker.

Wie frei konntest du eigentlich arbeiten
– gab es bestimmte Vorgaben seitens Frogster a la „Dieses Gebiet ist tabu“ oder „Der Charakter soll nicht vorkommen im Buch“?

Natürlich gibt es verschiedene Sachen, die man berücksichtigen musste, weil ich ja keine Spoiler für kommende Inhalte preisgeben möchte. So habe ich bestimmte Sachen nur angedeutet, weil zum Zeitpunkt des Schreibens ja Kapitel 2 in Vorbereitung war. Die Informationen hatte ich, aber diese waren „Top Secret“. Somit konnte ich erste Querverbindungen zu den Elfen aber schon herstellen. Die neuen Regionen waren bedingt tabu. Ich erwähne sie zwar im Roman, aber benutze sie nicht explizit. Aber als Aufhänger für kommende Dinge ist dies natürliche eine nette Vorbereitung.

Wie lange hast du an dem Roman gearbeitet?

Mehrere Monate. Im Sommer 2009 hatte ich angefangen und dann bis in den Herbst 2009. Danach durchlief das Buch halt den üblichen Weg des Lektorierens, Drucks etc.

Als Lead Game Designer hast du für das Action-RPG „Sacred“ die Geschichte und Welt erschaffen. In wie fern unterscheidet sich deiner Meinung nach ein Online-RPG wie „Runes of Magic“ von einem Action-RPG wie „Sacred“, das größtenteils auf den Einzelspielermodus setzt?

Bei SACRED (2004) habe ich die Geschichte und die Welt dramaturgisch von Anfang an aufeinander abgestimmt, um die Story für Singleplayer- und den „einfachen“ Multiplayer-Modus erfahrbar werden zu lassen. MMORPG waren damals ja etwas Neues.
Beim MMOG „Runes of Magic“ hatte ich nun die Ehre, mich auf einem Spielplatz von Frogster/ Runewaker austoben zu dürfen, was eine andere Herangehensweise erfordert, da hier alle Spieler und Entwickler gemeinsam eine Geschichte vorantreiben.
Für „Runes of Magic – Shareena“ verlief die Recherche in enger Zusammenarbeit mit den Enticklern und Publishern, um Einblicke in all das zu erhalten, was ihnen wichtig war. Wir haben hier ein MMORPG und somit führe ich den Leser dramaturgisch im Laufe der Erzählung vom Einzelspieler-Verhalten hin zum freien Spiel in der Gruppe. Auch ins Forum habe ich immer wieder geguckt, um zu wissen, was es für Geschichten und Annekdoten gab.

Konntest du anhand deiner eigenen Spielerlebnisse die wichtigsten Fakten (Orte, Kulissen etc.) recherchieren, die du für „Shareena“ gebraucht hattest oder hast du da eher mit Frogster zusammengearbeitet?

Beides. Zum einen hatte ich ja Zugriff auf Technologie, Codes und Dokumente, zum anderen habe ich natürlch viele virtuelle Reisen durch die Welt selbst getätigt. Ein Hauptwerkzeug war dabei eine Screenshottour, bei ich von Silberquell bis zum Staubteufelcanyon, von den Heulenden Bergen bis zu der Rabenfelder Küste wirklich alles „fotografiert“ habe. Als folge davon sind viele Szenen an Orten entstanden, die es im Spiel auch wirklich gibt.

Gibt es eigentlich auch einen Shareena-Account im Spiel auf den Servern oder handelt es sich hierbei um eine reine Romanfigur?

Ja, es gibt Shareena, Fantur, Asiya und Samuel, wobei ich einige Namen leicht verändert habe. Da „Samuel“ natürlich nicht mehr verfpügbar war, hieß er dann „DaSamuel“ oder die erste Shareena (da gibt es mehr) hieß „Shandreena“.

Du hast ja bereits einige Auftragsarbeiten verfasst. Kommt von dir vielleicht auch ein Roman, der rein auf deinen Ideen beruht? Wäre das etwas für dich?

Natürlich! Wie viele Autoren habe ich noch einiges in der Schublade und arbeite auch immer wieder an der ein oder anderen Geschichte. Sword-&-Sorcery-Fantasy ist nun mal meine Leidenschaft, sei es bei SACRED, Runes of Magic oder eben auch bei meinen ganz eigenen Szenarien. Ich werde euch auf dem Laufenden halten. :-)

Mike, ich danke einmal mehr für deine Zeit!

 

 

Das Interview führte David Richter für Legimus. Alle Rechte vorbehalten.

 

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