Sonntag, den 28. November 2010 um 15:51 Uhr
Interview: Michael Peinkofer
Michael, zunächst würden wir dich um eine kleine Vorstellung bitten. Wer ist und was schreibt Michael Peinkofer?
Gerne. Also: Der Peinkofer wurde anno '69 geboren, ist also als Kind der 70er und 80er aufgewachsen mit allem, was so dazugehört.
Der Wunsch zu schreiben bzw. Geschichten zu erzählen, kam schon während der Schulzeit und hat sich irgendwie durchgezogen. In München habe ich Germanistik, Geschichte und Kommunikationswissenschaft studiert und währenddessen bereits erste Sachen veröffentlicht. Danach dann 12 Jahre Mitarbeiter der "Moviestar"-Redaktion und an diversen Romanheftserien unter diversen Pseudonymen. 2004 dann mit dem historischen Roman "Die Bruderschaft der Runen" (Lübbe) die erste Veröffentlichung unter meinem Namen, ein Jahr später die erste Fantasy mit "Die Rückkehr der Orks" (Piper). Diesen Genres bin ich bis heute treu geblieben - mit den "Sarah Kincaid"-Romanen bei Lübbe und den "Zauberern" bei Piper. Darüber hinaus arbeite ich auch an Jugendbuch- und Hörspielprojekten wie "Team X-treme".
Woran arbeitest du zur Zeit?
An einem neuen großen historischen Roman für Lübbe, der im nächsten Jahr erscheinen wird. Mehr darf ich darüber noch nicht sagen.
Bist du ein Autor, der sich täglich ein Schreibpensum setzt oder wie sieht die Schreibarbeit bei dir aus?
Natürlich gibt es eine gewisse Tagesleistung, die man erbringen sollte, sonst wäre es ja unmöglich, einen Abgabetermin einzuhalten. Es ist aber, denke ich, ziemlich sinnlos, sich eine feste Seitenzahl pro Tag vorzugeben, schon weil z.B. Dialoge sehr viel flüssiger zu schreiben sind als beschreibende Passagen. Wichtig ist, dass man am Ende der neu verfassten Passage ein gutes Gefühl hat, was die Sprache und den Inhalt betrifft.
Hast du Vorbilder in der Literatur?
Na klar - auf die Fantasy bezogen sind es Tolkien, Howard und Burroughs. Unglaublich, was die an Pionierarbeit geleistet haben. Ein wenig wie Karl May in Deutschland, den ich durchaus auch zu meinen Vorbildern zähle.
In den letzten Jahren wurden Werke und Reihen wie "Harry Potter", "Herr der Ringe" oder auch "Twilight" erfolgreich verfilmt. Glaubst du, dass mal auch deutsche Werke (erfolgreich) verfilmt werden?
Möglich wäre das durchaus - die "Wanderhure" hat kürzlich ja bewiesen, dass so etwas sowohl handwerklich gut gemacht als auch außerordentlich erfolgreich sein kann, und da stammte die Romanvorlage ja aus Deutschland. Bei Fantasy-Romanen ist es natürlich noch etwas schwieriger, weil meist noch eine Menge Trickeffekte dazukommen, die das Budget in die Höhe treiben. CGI hat da zwar manches möglich gemacht, das noch vor 20 Jahren undenkbar aus, aber wenn Computertricks wirklich gut aussehen sollen, sind sie auch nicht gerade billig. Letzten Endes ist es also wohl eher eine Frage der Risikobereitschaft der Produzenten, nicht der Qualität der Vorlagen.
Die "Geschöpfereihen", wenn man sie mal so nennen will, mit Elfen, Orks, Drachen, Zwergen und eben auch Zauberern sind ziemlich beliebt bei den Lesern. Wie erklärst du dir diesen Erfolg?
Ich glaube, dass viele Leser sehr gerne klassische Fantasy im tolkienesken Stil mögen, auch High Fantasy genannt. Und die genannten Reihen bieten dem Leser genau das - wobei sich die meisten dieser Romane bemühen, durchaus ihren eigenen Blickwinkel zu entwickeln. Auch tummeln sich gerne doppelbödige oder gar abgründige Charaktere in diesen Gefilden, wie etwa bei meinen "Orks" oder Markus Heitz' "Albae", was das Subgenre auf interessante Weise erweitert. Interessant ist übrigens auch, dass die "Geschöpfreihen" auch außerhalb Deutschlands sehr erfolgreich sind, z.B. in Italien und in Holland, wo sie als Fantasy made in Germany verkauft werden.
Vor den "Zauberern" hast du dich den "Orks" gewidmet. Warum gerade diese Wesen?
Naja, Bösewichter haben natürlich immer auch etwas Faszinierendes an sich. Bei den "Orks" war es so, dass ich sie im "Herr der Ringe" ein wenig ungerecht behandelt fand. Tolkien hat herrlisch verschrobene Ork-Charaktere entworfen, das aber nicht weiter verfolgt. Das war mein Ansatzpunkt - und natürlich wollte ich die Jungs humoristisch brechen.
Wenn man das Wort "Ork" hört, stellt man sich einen ungehobelten Klotz vor, der vor allem für den Kampf lebt. Hattest du Bedenken den richtigen Stil vielleicht nicht zu treffen, da doch viele Leser sicher ein festes, eigenes Bild von den Orks haben?
Darüber habe ich mir im Vorfeld keine Gedanken gemacht - ich hatte von Beginn an eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie meine Orks sein sollten, gerade der Humor war mir wichtig, ohne dabei die Geschichte selbst ins Lächerliche zu ziehen. Das hätte natürlich auch nach hinten losgehen können, aber ich glaube, man muss den Lesern da auch etwas zutrauen - die meisten haben ja doch sehr begeistert auf diese etwas anderen Orks reagiert.
Michael, du hast dich dann entschieden den Zauberern eine eigene Reihe zu widmen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Eigenlich schon sehr früh. Während der Arbeit am ersten Orks-Band "Die Rückkehr der Orks" habe ich mir bereits erste Notizen zum Zweiten Krieg und zum Bündnis zwischen Menschen und Orks gemacht. Im Lauf der beiden nächsten Bände hat sich das dann immer mehr konkretisiert, bis mir irgendwann klar wurde, dass das ein idealer Stoff für eine weitere Fantasy-Trilogie aus Erdwelt wäre. Den Fokus auf die Zauberer zu legen, war nur konsequent, da sie zu dieser Zeit ja noch eine bedeutende Macht in Erdwelt waren und ich die Vorgeschichte von Granock. Aldur und Alannah erzählen wollte.
Granock, Aldur und Alannah sind das ungleiche Trio, die Helden des Romans sozusagen. Hattest du diese Idee der drei Gefährten, die anfangs keine sind, von Anfang an oder hat sich dies erst im Laufe der Zeit entwickelt?
Es hat sich wie gesagt entwickelt. Als ich am zweiten Orks-Band "Der Schwur der Orks" arbeitete, ging es darum, eine Vergangenheit für Alannah zu erarbeiten, und da kamen dann einige Dinge ans Licht, die nach Erklärung verlangten, z.B. ihre offenkundig magische Begabung. So kam dann eins zum anderen. Als ich den abschließenden Band "Das Gesetz der Orks" schrieb, stand die Vorgeschichte bereits fest.
Hast du bei den "Zauberern" freie Hand, was Länge und Handlung angeht oder gibt es Vorgaben seitens des Verlages? Sprich, sagt da wer "Der Charakter muss am Leben bleiben und nicht mehr als 600 Seiten bitte!"?
Nein, das sagt zum Glück niemand. Natürlich gibt es grobe Vorgaben, was die Länge des Romans betrifft, aber was den Inhalt betrifft, da entscheide ich ganz frei.
Erst Orks, dann Zauberer - wird es von dir vielleicht eine dritte Reihe dieser Art geben?
Nach sechs Abenteuern in Erdwelt werde ich mich zunächst einmal anderen Gefilden zuwenden und meine Leser in eine ganz andere Fantasywelt entführen, die man in dieser Art vielleicht gar nicht von mir erwartet. Aber ich habe fest vor, nach Erdwelt zurückzukehren, Balbok und Rammar zwingen mich ja fast dazu...
Wir wollen mal Orakel spielen. Hast du Sorge, dass der (High)-Fantasy Bereich nach den vielen erfolgreichen Jahren vielleicht in eine Art Nischendasein a la Science-Fiction fallen könnte oder siehst du eher zuversichtlich in die Zukunft?
Ich denke, dass die High Fantasy immer einen festen Platz in der Phantastik haben wird, und natürlich hat sie sich durch den Erfolg der "Herr der Ringe"-Filme und alles, was danach kam, einen festen Platz bei den Lesern erobert. Inwiefern das auf lange Sicht so bleiben wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Natürlich entwickeln sich Leser weiter - aber Autoren durchaus auch.
Wo kann man dich in nächster Zeit "live" vor Ort erleben? (Lesungen, Events, etc.)
Nach der Buchmesse war ich im Oktober auf Lesetour und konzentriere mich derzeit ganz auf mein aktuelles Romanprojekt.
Bekommst du eigentlich auch direktes Feedback zu deinen Büchern von den Lesern selbst?
Natürlich, und das ist auch jederzeit willkommen. Zu erreichen bin ich über meine Homepage www.michael-peinkofer.de oder auf Facebook.
Bei einer Anmerkung zu "Der Schatten von Thot" schreibst du, dass dich das viktorianische Zeitalter fasziniert. Darf man dich auch einen Steampunk-Fan nennen?
Ja! Und ich kann schon jetzt sagen, dass ich mich diesem Thema demnächst ein bisschen ausführlicher widmen werde.
Wie sehen die Recherchen für so einen Roman (Schatten von Thot) aus, der ja nicht in einer erdachten Welt spielt?
Der Hauptunterschied ist, dass man nicht bei sich selber recherchiert wie man das macht, wenn man eine Fantasy-Welt entworfen hat, sondern in Geschichtsbüchern, Bibliotheken, Archiven, Internet etc. - eben die ganze Palette der klassischen Recherche. Besuche vor Ort tragen immer zur Schilderung der Atmosphäre bei, aber natürlich ist man bei historischen Romanen immer auch auf die Fantasie verwiesen - denn das London von 2010 hat mit dem von 1884 nicht mehr allzu viel gemein.
Michael Peinkofer, ich danke vielmals für dieses Interview!
Gern geschehen.
Dieses Interview führte David Richter für Legimus. Alle Rechte vorbehalten.



