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Alexandra Reinwarth
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Weisheiten

Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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Liebe Frau Reinwarth, schön, dass Sie Zeit für ein Interview mit uns gefunden haben. Stellen Sie sich unseren Lesern doch bitte kurz vor. Wer sind Sie und was machen Sie so?

Ich heiße Alexandra Reinwarth, genannt Alex, bin 37 Jahre alt und esse gerne Meeresfrüchte. Ich lebe in der Nähe von Barcelona auf dem Land und schreibe lustige Bücher. Und selbst?


Ihr Buch „Das Glücksprojekt“ schildert den Versuch, „der glücklichste Mensch der Welt zu werden“. Können Sie mit etwas mehr zeitlichem Abstand heute sagen, dass das Projekt Sie weitergebracht hat?

Hat es. Wenn auch oft ganz anders als ich es mir erwartet hatte. Zum Beispiel, als ich eine sinnvolle Aufgabe suchte. Da hielt ich in meinen Gedanken schon ein niedliches Waisenkind auf dem Arm, das mir vor Dankbarkeit ein Küsschen auf die Backe drückt. Tatsächlich bekam ich aber einen mürrischen, alten Onkel. Der fordert genau das von mir, was mir am schwersten fällt (und nicht, was mir am liebsten wäre), nämlich: Geduld zu haben. Und wissen Sie, was ganz komisch ist: Ich genieße das inzwischen richtig. Wenn ich bei ihm bin, bin ich mich für kurze Zeit endlich mal selbst-los.


Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Projekt? Haben Sie sich auch vorher schon viel mit diesem Thema beschäftigt?

Überhaupt nicht. Das Thema Glück war plötzlich überall präsent und alle Experten waren sich einig: Glück ist erlernbar! Da dachte ich mir: „Das wollen wir doch mal sehen“.
Ich war ja auch nicht besonders unglücklich. Aber ich habe mich schon manchmal gefragt, ob ich nicht viel glücklicher sein müsste. Besonders abends im Bett, wenn mal wieder ein Tag vergangen war, an dem ich irgendwie nur funktioniert habe. Gleichzeitig kam ich mir undankbar vor, weil viele Menschen froh wären, wenn sie überhaupt ein eigenes Bett hätten.


Sie haben so ziemlich alles ausprobiert was man tun kann, um glücklicher zu werden: Von Sport über Haustiere bis hin zum Wallfahren und Lachyoga. Wie sind Sie auf die Ideen zu diesen Versuchen gekommen?

Ich habe mich umgeguckt was der Glücksmarkt so hergibt. Gut, das Experiment ‚Mir etwas Luxuriöses gönnen’, um zu sehen wie glücklich mich das macht, das könnte eventuell auf dem Mist meiner persönlichen Wünschen gewachsen sein.


Manche Dinge haben nicht so wirklich bei Ihnen funktioniert, beispielsweise Sport treiben und den Kleiderschrank zu entrümpeln. Haben Sie solche „Misserfolge“ einfach hingenommen oder hatten Sie etwas länger daran zu knabbern?

Ich bin da ja eher pragmatisch, an einem Kleiderschrank knabbere ich nicht lang rum. Oft haben sich die Misserfolge aber schlussendlich doch als Erfolge rausgestellt, wenn auch anders als gedacht.


Welche Methode hat Ihnen persönlich am meisten etwas gebracht, sei es von der Erkenntnis her oder dem Mehrwert an Glück, und welche am wenigsten?

Am wichtigsten war vielleicht die Einsicht, dass es in Ordnung ist, nicht dem Bild von mir zu entsprechen, das ich selbst haben möchte. Ich hasse Sport, zum Beispiel. In meiner Vorstellung von Glück liege ich mit einer Decke und einem Buch auf der Couch. Wenn möglich, mit etwas Nougatschokolade in der Nähe. Ich gehe höchstens gern spazieren. Für das Glücksprojekt habe ich es trotzdem probiert. Vor meinem geistigen Auge joggte ich schon gut gelaunt durch den Park wie die Frauen in der Yogurette-Werbung. Allerdings erging es mir mit dem Joggen so wie mit einigen anderen Versuchen: ich musste einsehen, dass ich nun mal keine solche Frau bin. Ich bin keine dynamische Joggerin. Trotzdem war die Sportfrage eine wichtige Lektion für mein Projekt: Vergleiche dich nicht immer mit der Yogurette-Fraktion. Das nimmt mir nämlich den ganzen Spaß am Spazieren, weil ich mir denke: eigentlich müsste ich laufen.
Allerdings sitzt, während ich das hier schreibe, mein Hund neben mir, hat seinen Kopf auf mein Bein gelegt und sieht mich mit seinen schwarzen Hundeaugen nachdenklich an. Vergessen Sie, was ich gesagt habe, Tiere machen glücklich.

Über die Wirkung von Lachyoga allerdings könnte man sich streiten. Wenn auch nicht mit mir.



Wenden Sie weiterhin Dinge an, die Sie während dieses Jahres gelernt haben?

Ja. Gerade wenn es um etwas geht, das man tun muss, ‚achtsam sein’ zum Beispiel, wird man mit der Zeit auch immer besser.


Sie sind sogar zu den Pyramiden gefahren, sozusagen als eine Art Wallfahrt, um Ehrfurcht zu erfahren. Leider wurden Sie dann mehr von Verkäufern in Beschlag genommen als alles andere. Würden Sie so eine Fahrt noch einmal in Ihrem Leben machen wollen, diesmal zu einem anderen Ort oder haben Sie nach diesem Erlebnis keine Lust mehr dazu?

Oh ich würde das gerne wiederholen, zum Beispiel nach Jerusalem. Ein Erfolg ist es doch so und so: Entweder man kann tatsächlich die Geschichte (oder die Heiligkeit) eines Ortes spüren und wenn nicht – sei es nun wegen Touristen, einheimischen Souvenirverkäufern oder weil dieser Ort von einem 80er Jahre Radiosender beschallt wird – dann hat das ja auch etwas herrlich Tragisch-Komisches.


Wie hat Ihre Umwelt reagiert, wenn Sie preisgaben, dass Sie daran arbeiten, glücklicher werden zu wollen?

Die nahmen das relativ gelassen. Ich meine, davor habe ich ein Buch geschrieben, das hieß: „ Miss Sex: Wie ich auszog, die beste Liebhaberin der Welt zu werden“. Da hätten Sie sie mal sehen sollen, meine Umwelt.


An manchen Stellen zählen Sie Dinge auf, die Freunde und Bekannte glücklicher machen. Haben Sie auch daran gedacht, persönliche Tipps von Freunden umzusetzen?

Einen persönlichen Tipp habe ich erst vor kurzem umgesetzt: Kennen Sie diese Gemütlichkeit, wenn man im Bett liegt und draußen der Regen auf ein Blechdach prasselt? Bei mir ist das so eine Erinnerung an Kindertage. Ich habe jetzt unter mein Schlafzimmerfenster ein Stück Blech an die Außenwand geschraubt (gut, L. hat’s geschraubt). Das ist toll, wirklich.


Für sich und Ihren Freund L. haben Sie die „Döff-Tage“ eingeführt. Tage, an denen Sie beide nur das tun, worauf Sie Lust haben, um den Alltag auszuschalten. Denken Sie, dass viele Ehen schlicht am Alltagstrott scheitern?

Alltag ist praktisch, er vereinfacht Organisation und Zusammenleben und er vermittelt eine recht gemütliche Sicherheit. Er ist aber nur solange einer von den Guten, solange man ihn nicht alleine regieren lässt. Das Aufraffen, ihm nicht das Feld zu überlassen (zum Beispiel mit Döff-Tagen) ist das Schwierige. Geht aber.


Unter anderem haben Sie sich auch einen Hund angeschafft und ihn Schmitz genannt. Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimnis bei einem Hund, was macht so glücklich an Tieren?

Da kann man schlaue Dinge sagen über Oxytocin und Blutdruck und dass Tiere nichts infrage stellen. Tatsächlich geht einem aber doch einfach das Herz auf, wenn man sich mit Tieren beschäftigt. Das ist praktisch Instant-Glück. Hunde finden dich immer großartig, wer bejubelt sonst schon derartig deine Existenz? Katzen punkten mit – nun, mit wie eben Katzen sind. Ich habe inzwischen auch ein Pferd. Funktioniert auch.


Wie wichtig sind Freunde für unser Glück, sind sie vielleicht sogar wichtiger als eine Beziehung?

Das kommt auf die Beziehung an ?. Nein, im Ernst. Freunde sind sehr wichtig. Das kann auch nur eine/r sein. Hauptsache, man kann mit dieser Person die Gedanken- und Gefühlswelt teilen. Ich glaube, als Single und mit Freunden kann man leichter leben als mit Partner aber ohne einen Freund.


Laut Autorenbiografie leben Sie in Barcelona. Macht ein Land wie Spanien aufgrund seiner vermehrten Sonnentage automatisch glücklicher?

Ein Glücksprojekt kann man machen, egal wo man wohnt und wer mit sich unglücklich ist, wird das an jedem Ort der Welt sein. Aber Sonne ist schon viel toller als keine Sonne, keine Frage. Die Tage, die man missmutig mit dem Gedanken „Oh Mann was für ein Scheißwetter“ beginnt, sind hier weniger.


Was würden Sie Ihren Leserinnen und Lesern für ihre eigene Suche nach dem Glück raten?

Herausfinden, was einen wirklich glücklich macht und dann den Mut haben dazu zu stehen, falls das nicht zu dem passt, wie man gerne scheinen will. Oh, und das Glücksprojekt lesen, natürlich.


Welche Pläne haben Sie für die Zukunft, können wir uns auf weitere Projekte dieser Art freuen?

Ja! Ich werde auch so einen tollen Bikram-Yoga-Ayurveda-Pilates-Shanti-Workout-Kurs zu machen, ich bin anscheinend die Einzige, die so was nicht macht. Was aber was ist und ob nicht vielleicht doch ein Personal Trainer oder die Wii besser wäre, das alles werde ich gewohnt pragmatisch herausfinden. Ich werde alles probieren, was der Fitnessmarkt zu bieten hat und ich freu mich drauf. Nur vor dem Fitness Military Bootcamp mache ich mir fast in die Hosen.


Frau Reinwarth, wir danken Ihnen herzlich für das Interview und viele Grüße an L. und Schmitz!

Grüße zurück und vielen Dank der Nachfrage. Das war ein schönes Interview, anders als sonst: Sie haben das Buch ja wirklich gelesen! [Anmerkung von Legimus: Natürlich lesen wir immer die Bücher der Interviewpartner ;-)]







Dieses Interview führte Vanessa Lellig für Legimus. Alle Rechte vorbehalten

 


 



Autorinnenportrait auf der Verlagshomepage

Rezension von „Das Glücksprojekt“