Sonntag, den 09. August 2009 um 08:13 Uhr
Interview mit Theresa Schenkel, vorablesen.de
Frau Schenkel, erzählen Sie unseren Lesern ein wenig von „Vorablesen“. Wie kam es zur Idee zu diesem Projekt, wer hat es angeregt?
Wir hatten schon länger im Verlag überlegt, wie man das sogenannte Web 2.0 sinnvoll mit Büchern zusammen bringen kann, schließlich konnten wir an allen Ecken und Ende beobachten, dass es sich nicht ausschließt, gerne zu lesen und auch gerne online zu sein.
Also haben wir überlegt, was ein Aspekt sein könnte, der tragfähig genug ist, um eine ganze Plattform darauf aufzubauen, und als wir den VORAB-Aspekt als solchen identifiziert hatten, haben wir alles andere drumherum gebaut.
Was versprechen sich die einzelnen Verlage von „Vorablesen“?
Die Verlage versprechen sind vor allem eine breite Rückmeldung von den Lesern. Zum Teil haben wir unter den Vorablesern ja richtige Experten, z.B. zum Thema Fantasy oder Spannung und deren Meinung zu erfahren ist für die Lektorate ein unglaublicher Wert. Auch für die Autoren ist es spannend, zu lesen, wie das eigene Buch ankommt. Ich weiß, dass fast alle deutschen Autoren, deren Bücher wir auf vorablesen platziert haben, regelmäßig die Rezensionen und Leseeindrücke anschauen und das Feedback sehr ernst nehmen.
Werben Sie die Verlage für „Vorablesen“ an oder treten diese auf Sie zu?
Wir hatten das Glück, dass wir durch unsere Gruppenzugehörigkeit zu Bonnier schon viele gute Verlage mit im Boot hatten (Piper, Pendo, Carlsen z.B.), und dann hat vorablesen.de so schnell und so gut funktioniert, dass wir nicht groß Werbung machen mussten und andere Verlage schon wenige Woche nach dem Launch direkt auf uns zugekommen sind.
„Vorablesen“ stellt seit dieser Woche pro Woche zwei Leseproben online. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Ganz einfach: Wir haben viel mehr tolle Bücher angeboten bekommen, als wir beim vorherigen, wöchentlichen Rhythmus hätten platzieren können. Viele Verlage liefern ja nicht das ganze Jahr Neuerscheinungen aus, sondern nur im Frühjahr und Herbst. Deswegen haben wir beschlossen, in diesen Stoßzeiten zwei Leseproben pro Woche anzubieten, auch, um die Plattform noch attraktiver für die User zu gestalten.
Ist es schon einmal vorgekommen, dass Sie Bücher von Verlagen abgelehnt haben, weil sie für „Vorablesen“ nicht in Frage kamen oder kommen prinzipiell alle Bücher dafür in Frage?
Prinzipiell kommen alle Bücher in Frage. Allerdings haben wir festgestellt, dass Sachbücher nur selten gut ankommen bei den Vorableserinnen und –lesern und dass es besonderes Interesse für Spannung, Historische Romane, Fantasy und Frauenunterhaltung gibt. Bislang mussten wir Bücher vor allem deshalb ablehnen, weil wir keine freien Platzierungen anbieten konnten, das ist dann natürlich sehr schade!
Lesen Sie selbst auch die Bücher, die bei „Vorablesen“ vorgestellt werden?
Na klar! Die Bücher aus dem eigenen Haus (Ullstein) muss ich ja sowieso gelesen haben, weil ich neben vorablesen.de auch noch andere Projekte im Verlag betreue, aber gleichzeitig bin ich selbst einfach ein absoluter Bücherwurm und freue mich jede Woche über neuen Input. Genauso, wie die Vorableser auch, entdecke ich dann manchmal Bücher, die ich mir niemals „freiwillig“ angeschaut hätte und bin dann oft sehr positiv überrascht und entdecke so neue Autoren und neue Genres für mich.
Erhalten Sie direktes Feedback von den Nutzern? Versuchen Sie, Verbesserungsvorschläge direkt umzusetzen?
Ja, wir bekommen sehr viel Feedback, und lesen auch regelmäßig im Forum mit, auch hier sitzen echte Experten und deren Meinung ist uns sehr wichtig und bringt uns oft sehr viel weiter. Wir versuchen dann, Verbesserungsvorschläge so schnell wie möglich zu prüfen und umzusetzen, allerdings warten wir oft, bis ein paar Sachen zusammengekommen sind und setzen dann alles gemeinsam um. Als nächstes nehmen wir uns die Forenstruktur vor.
Was halten sie persönlich von e-Books? Können Sie sich dieses Medium für „Vorablesen“ vorstellen?
Das Thema Ebook werden wir auch bei vorablesen nicht ignorieren können, aber ist jetzt auch noch nicht völlig akut. Wir warten ab, wie sich die Verlage zu dem Thema verhalten und dann werden wir sehen, was wir damit machen, vorstellbar wäre ja durchaus, dass wir einen Teil der Bücher als Ebooks verlosen, aber das ist absolute Zukunftsmusik!
Welche Pläne gibt es für „Vorablesen“? Haben Sie schon neue Verlage für das Projekt gewinnen können?
Aktuell sind Hanser, Fischer, dtv, Klett-Cott und jetzt neu auch Rowohlt neben uns „Bonnier Schwestern“ mit im Boot. Wir führen Gespräche mit einer Reihe von weiteren, z.T. kleineren Verlagen, die ebenfalls Interesse haben, an vorablesen.de mitzuwirken. Wir beobachten jetzt, wie die Doppelplatzierung läuft und werden uns verstärkt darauf konzentrieren, die Usergemeinde zu erweitern. Verschiedenen Neuerungen sind bereits angedacht, aber leider noch nicht spruchreif.
Werden Sie auf der Frankfurter Buchmesse vertreten sein?
Wir werden dieses Jahr keinen eigenen Stand haben, da wir mit der Platzierung bei „Books & Bytes“ 2008 nicht besonders zufrieden waren und ansonsten auch noch keinen echten „Platz“ für uns gefunden haben.
Selbstverständlich bin ich persönlich aber am Ullstein Stand zu Gange und stehe für die Vorableserinnen und Vorableser zum Austausch bereit. Für mich ist das auch immer spannend, die ganzen virtuellen Kritiker mal „in Echt“ zu sehen und so ein noch direkteres Feedback zu bekommen.
Frau Schenkel, wir danken herzlich für dieses Interview!
Vorablesen findet ihr unter dem folgenden Link: Vorablesen.de
Dieses Interview führte Vanessa Lellig für Legimus. Alle Rechte vorbehalten.




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