Samstag, den 12. September 2009 um 18:43 Uhr
Interview: Tanja Heitmann
Frau Heitmann, erzählen Sie unseren Lesern doch bitte ein wenig von sich. Wer sind Sie und was schreiben Sie?
Hallo, die Frage, wer man ist und was man so schreibt, finde ich immer am Schwierigsten zu beantworten. Also, eigentlich tue ich den ganzen Tag lang nichts anderes als Lesen, Schreiben oder über Romane reden – meine Leidenschaft für Bücher habe ich nämlich zum Beruf gemacht: Ich bin Literaturagentin. Das Schreiben kommt mir dagegen wie Urlaub vom Alltag.
Wie sind Sie zum Schreiben gekommen? War es ein lang gehegter Wunsch oder sind Sie eher zufällig dazu gekommen?
Ich habe erst vor ein paar Jahren mit dem Schreiben angefangen, vorher habe ich mich das schlicht nicht getraut. Wenn man Literatur studiert, kann das ganz schön einschüchternd wirken. Meine Zurückhaltung habe ich erst abgelegt, nachdem ich schon eine Zeit lang deutschsprachige Autoren betreut habe. Da musste ich mich nicht nur intensiv mit dem Handwerkszeug auseinandersetzen, das man zum Schreiben benötigt, sondern konnte mich auch von den hohen Idealen der Studienzeit lösen. Privat bin ich immer schon eine Leserin von fantastischer Literatur gewesen, also war es nur natürlich, dass auch meine eigene Geschichten in diese Richtung gingen.
Auf Ihrer Homepage schreiben Sie, dass ihr erstes selbst gekauftes Buch „Die unendliche Geschichte“ war und dass Sie u.a. gerne Stephen King lesen – wie wichtig sind andere Autoren und Werke für Ihr eigenes Werk? Lassen Sie sich so sehr inspirieren, dass sich andere Werke in Ihrem eigenen wiederfinden?
Die meisten Autoren sind große Leser und vermutlich oft auch begeisterte Fans. Das finde ich auch wichtig, denn Schreiben ist zum einen Handwerk, und zum anderen reiht sich jeder neue Roman in einen Kanon ein. Denn in der Regel sind die Ideen nicht neu, sondern werden nur neu erzählt. Liebe, Hass, Intrigen ... alles schon einmal dagewesen, genau wie Vampire, Werwölfe & Co. Das ist auch gar nicht weiter wild, weil jeder Autor seine eigene Erzählstimme mitbringt und den alten Themen dadurch etwas Neues abgewinnt. Außerdem ist es natürlich ein beliebtes Spiel, sich auf die Arbeiten der Kollegen zu beziehen, oftmals ist das als Kompliment gedacht.
In meinem Fall würde ich ganz klar sagen, dass die Bücher meiner Kinder- und Jugendzeit mich beim Schreiben am meisten beeinflussen. Ich habe ein ganzes Buchfach voll mit Stephen King, manche Titel sogar in verschiedenen Ausgaben. Ich glaube, dieser Herr hat mich beim Schreiben am meisten beeinflusst, vor allem durch seine Vielseitigkeit. Das erste, was ich von ihm gelesen habe, war allerdings eine Novelle, die die Geschichte von vier Freunden erzählt – später bekannt geworden durch den Kinofilm „Stand by me“. Ich fand es immer faszinierend, welche Freiheiten er sich genommen hat. Man kann ihn einfach nicht festlegen, er spielt in ganz verschiedenen Lagern, kann Alltagswelten aufregend erzählen, komplexe fantastische Welten schaffen oder erzählt eine seiner Geschichten unter einem Pseudonym einfach neu. Stephen King hat übrigens auch ein großartiges Buch übers Schreiben verfasst, kann ich nur weiterempfehlen. In „Morgenrot“ gibt es ja einige Verweise auf andere Vampir-Romane, eben auch auf Kings „Brennen muss Salem“. Wobei „Der Bibliothekspolizist“ eigentlich meine Lieblingsvampir-Story von ihm ist.
Wieso haben Sie die Fantasy- und SciFi-Literatur für sich behalten und sie verborgen, wie Sie es auf Ihrer Homepage schreiben? War Fantasyliteratur wohl früher nicht so „in“?
Dass ich meinem Faible für Fantasy und SciFi als Jugendliche lieber im stillen Kämmerlein ausgelebt habe, hing sicherlich mit meinem Umfeld zusammen: meine Freundinnen konnten mit den ehernen Gesetzen für Roboter genau so wenig anfangen wie mit meiner Behauptung, dass Ronja Räubertochter ein tolles Vorbild sei. Und die Jungen, die mir gefielen ... tja, die schleppten eher zerfledderte Ausgaben von Charles Bukowski durch die Gegend oder wollten über Karl Marx reden. Dabei waren Bücher in meinem Freundeskreis immer eines der Top-Themen, aber wenn man als einzige die Fantasy-Fahne hochhält und niemand anderes mitmachen möchte, dann macht man das irgendwann mit sich alleine aus.
Neulich sprach ich mit einer Freundin aus der Schulzeit darüber - die heute übrigens ein großer Tolkien-Fan ist – und sie konnte sich rückblickend kaum erklären, warum sie meine Douglas Adams-Bücher nicht einmal mit spitzen Fingern angepackt hätte. Vermutlich war sie einfach ein zu cooles Mädchen, um sich mit manisch depressiven Robotern zu beschäftigen. Glücklicherweise hat der Wirbel um „Harry Potter“ dieses Stirnrunzeln gegenüber Fantasy-Literatur vollkommen verändert. Dem jungen Herrn mit der Brille verdanke ich übrigens auch einiges, denn seinetwegen konnte ich meine Begeisterung das erste Mal mit anderen teilen. Dieses gemeinsame Fiebern auf den nächsten Band und die ellenlangen Diskussionen am Telefon, wie es wohl weitergehen könnte, habe ich dann mit Mitte Zwanzig komplett nachgeholt. Das hat mich für vieles entschädigt. Noch heute zeigt mein Bildschirmschoner das Cover vom „Gefangenen von Askaban“. Jedes Mal, wenn ich in Versuchung gerate, ihn auszutauschen, ist es mir einfach unmöglich, weil ich so viel Schönes mit dieser Reihe verbinde.
Kennen Sie andere Autoren und Autorinnen aus dem Genre, in dem „Morgenrot“ und „Wintermond“ zuhause sind? Namen wie Stephenie Meyer oder auch Anne Rice bieten sich da an ... Lesen Sie selbst solche Romane?
Ob ich andere Vampir-Romane kenne? Mehr als das, ich sammle sie regelrecht, weil ich seit je her diesen Kreaturen der Nacht verfallen bin. Angefangen mit dem „Kleinen Vampir“ von Angela Sommer-Bodenburg, wobei ich Anna immer sehr viel lieber mochte als den knurrigen Rüdiger. Zurzeit ist das Feld allerdings leicht unübersichtlich geworden durch die vielen paranormal romance-Titel, die es mittlerweile ja in lustig, erotisch und klassisch gibt. Auch das Jugendbuch hat hier ja einige sehr spannende Titel zu bieten. Ich persönlich greife allerdings lieber zu Charlie Huston’s Joe Pitt-Reihe, weil ich als Leserin eher zu Spannung als zu Romantik neige - was man den Dämonen-Romanen wohl auch anmerkt: sicherlich geht es in „Morgenrot“ und „Wintermond“ auch um eine Liebesgeschichte, aber eine komplexe Hintergrundsstory und Spannung sind mir eigentlich genauso wichtig. Oder Romane wie „Der Historiker“ von Elizabeth Kostova, die an die Ursprünge des Genres erinnern.
Das es derartig verschiedene Seitenarme des Genres gibt, passt eigentlich auch ganz gut zum Vampir-Mythos, der ja von zwei Seiten lebt: auf der einen steht das bluttrinkende Monster, auf der anderen die leidende Kreatur, die von ihrem menschlichen Leben losgerissen wurde. Im Augenblick hat ja die romantische Seite Hochkonjunktur, die bereits beim Ur-Vampir der Literatur angelegt wurde: bei Bram Stokers „Dracula“. Auf diese innere Zerrissenheit beziehen sich die meisten Vampir-Romane bis heute.
Dem Werwolf, der Pate für „Wintermond“ stand, geht es da ganz ähnlich, wobei er die Figur viel deutlicher in Mensch und Bestie spaltet. Hier liegt der Haken also leicht anderes, denn wenn die Bestie kein Bewusstsein von ihren Taten hat. Der Mensch wacht ja in der Regel blutbeschmiert irgendwo im Wald auf und kann sich an die Geschehnisse der Nacht kaum erinnern. Der Werwolf ist nicht böse im Sinne von hinterhältig und sadistisch, sondern schlicht triebgesteuert. Der Menschen, der sich bei Vollmond verändert, kann seine Verwandelung nicht unterdrücken, trägt also keine Verantwortung für seine Taten als Wolf, auch wenn er mit dem Wissen leben muss, eine Bestie in sich zu tragen. Das Böse-Gut-Spiel fällt beim Wolf also viel komplizierter aus als beim Vampir, dafür ist seine Natur einfacher gestrickt: Wolf = Rudel, Jagen, Fressen. Die interessantesten Werwölfe gibt es, meiner Meinung nach, übrigens bei Patricia Briggs.
Bei ihrem Buch "Morgenrot" führt der Klappentext den geneigten Leser etwas in die Irre. Dort wird von einem Vampir gesprochen, obwohl Adam in diesem Sinne keiner ist. Haben sie darauf Einfluß?
Auch wenn Adam sich eher die Zunge abbeißen würde, ehe er sich selbst als Vampir bezeichnet, so ist er trotzdem einer – insofern ist der Slogan keineswegs irreführend. Adam ist unsterblich, kämpft gegen sein Verlangen nach Blut an und glaubt sich kaum noch als Mensch. Ich denke, diese Elemente stehen viel stärker für den Vampir als es spitze Eckzähne und Schlafen-im-Sarg tun. Jeder Autor versucht der Uralt-Figur Vampir doch etwas Eigenes abzuringen, ich erkläre es eben mit Dämonen-Befall. In anderen Romanen sind Außerirdische, Viren und missglückte Riten für den Vampirismus verantwortlich. Die gefallene Engel-Variante von Alan Campbell mag ich auch sehr gern. Der Vampirkosmos ist also ziemlich bunt, da ist auch Platz für meinen von einem Dämon heimgesuchten Adam.
Übrigens könnte man David und den anderen Wölfen aus „Wintermond“ so gesehen ebenfalls vorwerfen, dass sie keineswegs waschechte Werwölfe sind, weil ja nur der Dämon in ihnen an einen Wolf erinnert. Aber solche Platzverweise sollte es in der fantastischen Literatur eigentlich nicht geben.
Kurz zu der Frage, ob Autoren Klappentexte, Covergestaltung & Co. beeinflussen können: Sicherlich können sie das, aber es ist eben auch die Frage, ob das sinnvoll ist. Schließlich sitzen in den Verlagen die Profis, deren Aufgabe es ist, sich mit solchen Dingen zu beschäftigen. Ich habe von Marketing ungefähr genau so viel Ahnung wie von Raumfahrttechnik, also überlasse ich das dem Verlag und freue mich stattdessen über die schönen Cover, mit denen sie mich regelmäßig beglücken.
Wie kamen sie auf die Idee mit dem Dämon im Inneren des Menschen? Hatten Sie irgendwelche Mythen und Legenden im Hinterkopf, wurden Sie durch andere Autoren beeinflusst?
Ich würde sagen, nicht ich kam auf die Idee, sondern die Idee kam zu mir. Es gibt vielleicht Autoren, die sich mit dem Vorsatz an den Schreibtisch setzen, sich jetzt mal was einfallen zu lassen, aber zu der Sorte gehöre ich nicht. Ich wache eher um vier Uhr morgens mit einer Idee auf und stürze fast die Treppe hinab, weil ich vollkommen verschlafen auf der Suche nach einem Stück Papier bin. Adam war ganz plötzlich in meinem Kopf (man könnte sagen, er hat mich mit derselben Intensität heimgesucht, wie der Dämon ihn) und will da bis heute auch nicht wieder raus. Für seinen Einstand hat Adam ein Placebo-Lied während einer Autofahrt gewählt: ich hörte „Pure Morning“ (der ursprüngliche Titel, aus dem dann „Morgenrot“ geworden ist, weil „Der pure Morgen“ nicht sonderlich hübsch klingt) und plötzlich war Adam da, in Begleitung seines Dämons. Wer den Roman bereits kennt, weiß, dass Adam nicht einfach abzuschütteln ist, also habe ich mich brav hingesetzt und seine Geschichte aufgeschrieben. Nun ja, zumindest einen Teil davon, an dem nächsten arbeite ich bereits.
Von welchen Romanen und Autoren man beim Schreiben beeinflusst wird, lässt sich im Nachhinein übrigens gar nicht so leicht aufdröseln. Dafür habe ich dann doch schon zu viel gelesen und bin auch schon oft sehr begeistert gewesen. Bücher prägen einen, genau wie Musik oder Malerei – aber genau sagen, was wofür zur Inspiration getaugt hat? Schwierig, es sei denn, man macht es als bewussten Bezug auf einen anderen Roman. Nach dem Motto: seit „Dracula“ suchen Vampire schlafende Frau heim, weil sie ihnen nicht widerstehen können. Das ist dann quasi ein must have für jeden ordentlichen Vampir-Roman – genau wie ein Werwolf Haare haben sollte, auf die eine oder andere Art.
Ihr neuer Roman „Wintermond“ ist der zweite Teil einer Trilogie rund um Dämonen, im ersten Teil „Morgenrot“ ging es um einen Vampir, im zweiten um einen Wolf. Was erwartet die Leser im dritten Teil? Wann wird er erscheinen?
Nach „Wintermond“ unterbreche ich die Dämonen-Reihe für Adams Geschichte: im Herbst 2010 wird ein Roman erscheinen, der erzählt, wie Adam vom Dämon heimgesucht wurde (dieses Erlebnis will er in „Morgenrot“ ja nicht verraten) und wie er zu dem Mann geworden ist, der sich einerseits stark zu Lea hingezogen fühlt, sich andererseits aber auch nicht zu schade dafür ist, ihre Liebe seinen Racheplänen unterzuordnen.
Nach diesem „Umweg“ wird es dann den dritten Band aus der Welt der Dämonen geben, aber um welche Gestalt aus der fantastischen Literatur es sich handelt, möchte ich jetzt noch nicht verraten. Nur soviel: es wird eine Art böser Sommernachtstraum, allerdings ganz ohne Elfen. Falls mein Zeitplan nicht explodieren sollte, weil ich ihn zu vollgestopft habe, wird der Sommer-Dämon 2011 erscheinen.
Sie haben auch klassische Fantasyromane unter einem Pseudonym veröffentlicht, die „Maliande“-Reihe als Thea Lichtenstein. Worum geht es in den Büchern und wieso haben Sie die Bücher unter einem Pseudonym veröffentlicht?
Thea Lichtenstein (Thea steht übrigens für TH, also Tanja Heitmann, und Lichtenstein ist der Mädchenname meiner Mutter) ist mein Pseudonym für klassische Fantasy, die ich so von meinen Mystery-Romanen abgrenze. Außerdem macht so ein Pseudonym einfach Spaß, Thea hatte ursprünglich eine eigene Bio mit allem drum und dran. Der Goldmann-Verlag hat sich dann jedoch dagegen entschieden und gleich drauf verwiesen, dass es ein Pseudonym ist. Dabei habe ich mir Theas Leben in Hamburg immer gern vorgestellt.
„Maliande“ ist eine Fantasy-Trilogie, die die Geschichte von Nahim erzählt, der sich von seinem Orden lossagt, weil er sich in Lehen, einer Bauerstochter, verliebt. Allerdings kann Nahim sich seiner Verantwortung nicht entziehen, obwohl er das erst begreift, als es fast zu spät ist. Denn das Schicksal von Rokals Lande wird von einem geheimnisvollen Elixier, dem Maliande, bestimmt. Doch seine Wirkung beginnt sich zu wandeln: Orks schmieden plötzlich eigene Pläne und ein Elbe verlässt als erster seiner Art das Gebirge, auf der Suche nach einer Frau, die er nicht vergessen kann. Als das sich wandelnde Maliande einen Krieg heraufzubeschwören droht, finden sich Nahim und Lehen zwischen den Feindeslinien wieder. Ich wollte mit „Maliande“ eine waschechte Fantasy-Geschichte erzählen, in der es Drachenreiterinnen und Dämonenbeschwörer gibt, aber auch eine Liebesgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen.
Lassen Sie Familie oder Freunde Ihre Geschichten vorab lesen? Wie gehen Sie mit negativer Kritik um?
Bei dieser Frage kommt automatisch die Literaturagentin in mir durch, die an folgende Regel glaubt: Lob gibt es von Familie und Freunden, Unterstützung beim Agenten oder Autorenkollegen und professionelle Kritik, die wirklich weiterhilft, leistet das Lektorat. Wenn ein Autor noch mehr Feedback möchte, unterhält er sich besser nach einer Lesung mit den Zuhörern, dann haben die Kritiker auch ein Gesicht. Wenn es um Kritik geht, sollte man sich als Autor vorab also sehr genau überlegen, mit wessen Meinung man sich auseinandersetzen will. Ich habe schon häufiger die Erfahrung gemacht, dass ein Übermaß an Fremdmeinungen – ob nun positiv oder negativ – Autoren irritiert. Da schreibt jemand irgendwo im Netz drei Zeilen und die arme Autorenseele liegt deshalb die halbe Nacht lang wach. Wenn die Neugier einen trotz besseren Wissens quält, ist es gut, einen Puffer zu haben, z.B. eine Freundin, die sich mal für einen umschaut. Ansonsten hilft nur locker bleiben.
Wie ist das Leben als Autorin und das damit verbundene Medieninteresse für Sie, ist es manchmal anstrengend oder freuen Sie sich immer noch darüber? Ist es für Sie ein Zeichen von Erfolg, wenn man im Gespräch ist?
Ehrlich gesagt, bekommt man als Autorin weder ein sonderliches Medieninteresse zu spüren, noch fallen die Leute auf der Straße über einen her. Stephenie Meyer ist vielleicht ein Popstar, aber von den meisten Mitgliedern unserer Zunft kennt man doch kaum die Gesichter. Man - oder eher frau - redet über Bücher. Die Personen, die sie geschrieben haben, stehen selten im Rampenlicht. Manchmal finden nicht einmal Romane ein öffentliches Interesse, obwohl sie sich schwindelerregend oft verkaufen. Gerade das Internet kann hier auch einen verzerrenden Eindruck herstellen: nur weil ein Buch nirgends besprochen wird, heißt das noch lange nicht, dass es keine Leser gefunden hat; sondern einfach nur, dass die Leserschaft kein Interesse am Chatten hat, sondern lieber beim Teetrinken mit Freunden übers Gelesene spricht.
Was heißt außerdem Erfolg bei einem Buch? Gut, die Verkaufszahlen sprechen eine klare Sprache. Aber auf der anderen Seite würde doch jeder Leser unterschreiben, dass Bücher für sie dann etwas Besonderes sind, wenn sie die Geschichte und ihre Figuren nicht wieder vergessen können. Das muss nicht unbedingt der Krimi von der Bestsellerliste sein, den man nach Feierabend wegliest. Ich würde übrigens darauf tippen, dass für die meisten Autoren auch Erfolg bedeutet, wenn Leser ihnen schreiben, sie hätten den Roman sofort ein zweites Mal gelesen, und dass sie eine Lieblingsstelle haben, die sie einfach nicht wieder loslässt. So wenig, wie man willentlich einen Bestseller schreiben kann, lässt sich der Erfolg eines Romans rein nach dem Verkaufsergebnis beurteilen. Das Buch ist halt ein eigensinniges Produkt.
Welche Pläne für die kommenden Monate haben Sie? Werden Sie auf Lesereise gehen?
Im Augenblick zirkuliere ich etwas, weil ich mein erstes Jugendbuch fertig geschrieben habe, der abschließende Band meiner „Maliande“-Trilogie in den letzten Zügen liegt und Adam mit seiner Vorgeschichte nicht länger warten möchte. Außerdem steht tatsächlich eine Lesereise für „Wintermond“ an, auf die ich sehr gespannt bin ... besonders auf die Klopfer, die ich mir jedes Mal beim Signieren leiste. Das Blut pocht einem vor Aufregung in den Ohren, so dass man kaum etwas versteht, und zu allem Überfluss weiß man plötzlich nicht mehr, wie sich „Anna“ schreibt. Also bestehen meine Pläne für die nächsten Monate aus Schreiben und das Geschriebene vorlesen. Nebenbei verbringe ich Zeit damit, mit einem flauen Gefühl im Bauch vor meinem Kalender zu stehen und den stets wieder aufkommenden Fluchtgedanken zu verdrängen. Die Lesungstermine stehen übrigens auf meiner Homepage: www.tanja-heitmann.de
Tanja Heitmann, wir danken Ihnen für dieses Interview!
Dieses Interview führte Vanessa Lellig für Legimus. Fragen von Jana Quade und Vanessa Lellig. Alle Rechte vorbehalten.
Die Rezension zu „Wintermond“ findet ihr unter dem folgenden Link: Wintermond (Rezension)
Die Rezension zu "Morgenrot" findet ihr unter dem folgenden Link: Morgenrot (Rezension)




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