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Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.
Johann Wolfgang von Goethe

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  • 30.01., 21.00 Uhr, HR: "Commissario Laurenti: Die Toten von Karst" (Veit Heinichen)
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  • 01.02., 22.55 Uhr, WDR: "Kommissar Wallander: Eiskalt in den Tod" (Henning Mankell)
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Goldmann
Taschenbuch,  320 Seiten
ISBN: 978-3-442-47106-5
8,95 €




Ein kurzer Einblick

Die 16-jährige Tessa hat Leukämie, und die Ärzte machen ihr nur noch wenig Hoffnung. Aber Tessa will leben, wenigstens in der Zeit, die ihr noch bleibt. Sie schreibt an ihre Zimmerwand zehn Dinge, die sie tun will, bevor sie stirbt: Sex haben, Drogen nehmen, für einen Tag berühmt sein, etwas Verbotenes tun ... Und dann trifft sie Adam, und er ist der Erste, der sie versteht. Tessa spürt, dass sie etwas mit Adam verbindet, doch sie wehrt sich dagegen. Und dann begreift sie, dass sie zum ersten Mal verliebt ist. Aber darf man lieben, wenn man stirbt?



Unsere Bewertung

„Bevor ich sterbe“ lässt den Leser sprachlos und verändert zurück. Man beginnt, über das Leben, seinen Sinn und über das nachzudenken, was wichtig ist. Man fragt sich: Wieso habe ich mich letztens wieder über so etwas unwichtiges aufgeregt? Oder: Wieso halte ich mir nicht öfters vor Augen, wie gut es mir geht, dass ich geliebt werde, dass ich jemanden habe, der für mich da ist? Wieso sage ich den Menschen, die mich lieben, nicht öfters, wie sehr ich sie liebe?
Und man denkt über Tessa nach, man fühlt sich in sie ein, ganz besonders als sie verstummt und nichts mehr zu ihrer Familie sagen kann, weil sie nicht mehr die Kraft dazu hat – und doch noch zum Leser spricht. Gedankenfragmente bleiben übrig, ihr Geist verlischt ganz langsam. Es ist nicht zu viel verraten, wenn man sagt, dass Tessa sterben wird. Sie ist krank, sie hat Krebs und ist sechszehn Jahre alt. Ihre Liste hat sie größtenteils abgearbeitet und auch wenn sie anfangs sehr naiv wirkt und man teils genervt von ihr ist – denn man denkt: Glaubt sie denn wirklich, es gäbe nichts wichtigeres als das – macht sie eine Entwicklung durch hin zum wirklich Wichtigen. Sie begreift, dass selbst der Sonnenschein etwas schönes ist, dass man sich daran erfreuen sollte. Dass nicht die großen, außergewöhnlichen Dinge unser Leben bestimmen, sondern die kleinen Töne, die Menschen das wirklich Wichtige sind.

Tessas Geschichte ist sehr ergreifend und man bleibt nachdenklich zurück. Natürlich unterhält das Buch auch, es ist gut geschrieben, man liest es in einem Rutsch weg – aber das entscheidende sind die beinahe schon philosophischen Gedanken, die es aufwirft.
Die Tessa, die einen vielleicht am Anfang noch genervt hat, gibt es am Ende nicht mehr, sie hat sich verändert, ihre Krankheit hat ihr einen Blick auf das Leben ermöglicht, den sie sonst nicht erhalten hätte. Und sie wächst einem beim Lesen immer mehr ans Herz, doch dann muss man sie gehen lassen – im doppelten Sinne.



5 von 5 Punkten

 

 

Wir danken dem Goldmann Verlag für das uns zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

 

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