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  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • Seitenzahl: 480
  • ISBN-13: 3596174244
  • 10,95 €

 

Inhalt

Im Kongo, diesem endlosen Meer von Bäumen, geschehen seltsame Dinge. Was bedeutet das unheimliche Kreischen aus der Tiefe? Sind das die Klänge der afrikanischen Nacht? Tommy Thomson ist Ghostwriter und erhält den Auftrag, Marcus` Geschichte aufzuschreiben. Das Buch soll dessen Unschuld beweisen. Angeblich hat Marcus im Kongo die Brüder Craver, britische Aristokraten und Goldgräber, ermordet. Die Suche nach der Wahrheit führt Tommy immer tiefer in Afrikas Mitte: undurchdringliche Vegetation, emotionale Verstrickungen und ein Netz endloser Lüge.

 

Unsere Wertung

Bereits mit seinem Werk "Im Rausch der Stille" hat der spanische Schriftsteller Albert Sánchez Piñol bewiesen, dass er aus der Masse hervorstechen kann - mit einem sauberen Erzählstil und einer sehr interessanten und abstrakten Handlung, die man nicht in 08/15-Werken vorfinden wird. Und wenn man bedenkt, dass der Anthropologe den Kontinent Afrika und in einem besonderen Fall die Mbuti-Pygmäen aus dem Ostkongo in den Fokus seiner Forschungen gelegt hat, so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch der Roman "Pandora im Kongo" in eben jenem Land und auf eben jenem Kontinent spielt. Sánchez Piñol teilt sein Buch in eine Rahmen-, und eine Binnenhandlung auf. Den Rahmen bildet die Geschichte um den jungen Ghostwriter Tommy Thomson, der in London weilt und dem Anwalt Norton unter die Arme zu greifen versucht, in dem er die Erlebnisse von Marcus Garvey aufschreibt, der im Kongo bei einer Expedition zwei Aristokraten ermordet haben soll. Und Marcus´Geschichte wiederum markiert die Binnenhandlung, die wir jeweils im Wechsel mit der Rahmenhandlung als Leser mitverfolgen dürfen. Einmal mehr besticht der flüssige Schreibstil des Schriftstellers, aber noch mehr gelungen sind die herrlich abstrakten Einfälle Sánchez Piñols wie beispielsweise die Tektoner, die manch einem SciFi-Kenner vielleicht ein wenig an die Kultur aus der Serie "Earth 2" erinnern könnten, aber dennoch  gerade in der Kongo-Geschichte absolut fremdartig und faszinierend wirken. Die Handlungsstruktur ist  nahezu perfekt gewählt und der Leser wird nicht nur am Ende des Romans den einen oder anderen großen Überraschungsmoment erleben. Zwischendurch gibt es immer wieder Schmunzler, wenn der Protagonist Tommy Thomson über sein Dasein als Ghostwriter nachdenkt. Oder der berühmte "Champagner"-Flaschenwurf von einem Baum, der gen Ende des Buches behandelt und in herrlicher Weise instrumentalisiert wird, wenn Tommy erzählt, was einige Verleger verschiedener Epochen alles da hinein interpretiert haben. Die Charaktere sind ziemlich ambivalent aufgebaut - man weiss nach einer Weile nie wirklich,  welcher Charakter denn nun "echt" ist und welcher einem etwas vorspielt, lügt oder einen ganz anderen Charakter eigentlich in sich birgt. Albert Sánchez Piñol zeigt mit diesem Schritt die Nachteile von Perspektiven auf; wenn wir als Leser etwas erzählt bekommen von einem Charakter, sind wir nahezu verdammt das erst einmal zu glauben, weil wir keine andere Sichtweise haben. "Pandora im Kongo" bietet letztendlich alles, was ein gutes Buch ausmacht. Einen schönen Schreibstil, passende Handlungsstruktur sowie eine sehr interessante Geschichte, die gekonnt umgesetzt und klug erwzählt wird. Eine klare Empfehlung.

4,5 von 5 Punkten

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