Mittwoch, den 10. Februar 2010 um 21:28 Uhr

U Books
12 x 18 cm, 164 Seiten
ISBN 978-3-86608-132-1
9,95 Euro
Inhalt
Neue Geschichten vom Autor von «Das verdammte Glück», dem Meister der skurrilen Überraschung und des absurden Wortwitzes. Zwei harte Kerle jagen ein kompliziertes Fremdwort im Wald und binden es als Trophäe auf die Motorhaube ihres Lasters. Gott läutet an der Tür, aber keiner hat Lust aufzumachen. Eine junge Frau tötet ihren reichen alten Gatten, nur weil sie glaubt, vor ihm sterben zu müssen.
Die Figuren in diesem weitgespannten Kosmos sind allesamt Getriebene, Suchende, Irrende, und sie nehmen den Leser in absurdeste Welten mit, die plötzlich ganz plausibel scheinen. Da kann es geschehen, dass einem das schallende Lachen im Halse stecken bleibt.
Unsere Wertung
Die Inhaltsangabe lässt bereits erahnen, in welche Richtung es gehen soll. Hier wird die Gesellschaft in ihren schrägsten Weise auf den Präsentierteller gelegt. Andreas Kurz lässt ein wahres Feuerwerk an skurrilen und ideenreichen Kurzgeschichten los, die alle relevanten Bereiche des Lebens in einer eigenwilligen Weise erreichen und der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Ob Öko-, Gottes-, oder Konsumwahn - jede Schicht und jede Klasse kriegt ihr Fett weg. Nicht fehlen darf natürlich die Kategorien "Beziehungskiste" und auch unser Bürokratiedschungel, der zum Beispiel herrlich in der Story "Der Becher-Mann" persifliert wird, muss sich dem Rundumschlag stellen, den der Schriftsteller schonungslos und knallhart ausführt. Und dieses bunte Wechselspiel verschiedener Lebensbereiche macht dieses Buch auch so lesenswert. Ohne ein süffisantes Schmunzeln kommt der Leser nicht rum. Allerdings kann jenes Schmunzeln auch aus dem Gesicht gewischt werden, wenn man in einer stillen Minute des Nachdenkens darüber sinniert, wie weit die Gesellschaft tatsächlich noch von zumindest einigen dieser Szenarien entfernt. Die Charaktere spielen in den Kurzgeschichten eine eher untergeordnete Rolle und dienen vor allem der Handlungsführung, doch gerade dieser Schritt erweist sich im Hinblick auf den relativ knappen Rahmen der Stories als der einzig Richtige. Zudem stechen einige Protagonisten wie der recht symphathische Ich-Erzähler aus "Singlemesse" hervor, aber wer am symphatischsten oder interessantesten ist, soll natürlich der geneigte Leser nach der Lektüre selbst entscheiden. Mit knapp über 150 Seiten gehört die KG-Sammlung von Andreas Kurz nun nicht gerade zu der Sorte Bücher, die manch einer als "dicken Schinken" bezeichnen würde, doch für die berühmtberüchtigte Fahrt in der Bahn oder einen gemütlichen Leseabend zu Hause, ist diese Lektüre genau das Richtige. Wer auf der Suche nach Lesestoff ist, der kein 08/15-Gebrabbel in sich vereinigt und der kontroverse Themen mit Offenheit, Charme und Wortwitz präsentiert, muss einen Halt bei der "Nachttankstelle" machen. Von uns gibt es eine Kaufempfehlung.
4 von 5 Punkten




Wir danken Ubooks für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.




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