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Spruch der Woche

Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.
Johann Wolfgang von Goethe

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Page & Turner
Gebunden, 384 Seiten mit S/W-Abbildungen
ISBN: 978-3-442-20333-8
17,95 €




Ein kurzer Einblick

Als Vicki Myron an einem kalten Januarmorgen die Tür der Stadtbücherei von Spencer, Iowa, aufschließt, nimmt sie ein sonderbares Geräusch wahr. Bei genauerem Hinhören glaubt sie ein Miauen zu erkennen, das aus dem Kasten für zurückgegebene Bücher dringt. Und tatsächlich findet die Bibliothekarin zu ihrer großen Überraschung zwischen Klassikern und Liebesromanen ein halb erfrorenes Katzenjunges mit struppigem Fell. Vicki und ihre Kollegen kümmern sich um das kleine Tier, wärmen es und geben ihm zu fressen. Damit ist das Kätzchen, das sich bald als Kater entpuppt und den Namen Dewey erhält, adoptiert. Dewey offenbart schon rasch seine ungewöhnliche Wirkung auf Menschen: Er tröstet verzweifelte Einwohner, er heitert die Angestellten auf, indem er mit ihnen Verstecken spielt, er bringt traurige Kinder zum Lachen. Schnell spricht sich die Geschichte des einfühlsamen Katers herum, bis schließlich Fernsehteams aus der ganzen Welt anreisen. Als Dewey im Winter 2006 im stolzen Katzenalter von 19 Jahren stirbt, ist er eine internationale Berühmtheit. Und die Begeisterung für den außergewöhnlichen Kater ist ungebrochen.



Unsere Bewertung

Dewey ist ein ganz besonderer Kater und doch wieder ein ganz normaler. Das, was ihn so besonders macht, zeichnet vielleicht auch viele andere Katzen auf der Welt aus – jedenfalls wenn es nach den Besitzern geht. Man darf sich keinen Wunderkater vorstellen, wenn man „Dewey und ich“ zur Hand nimmt, jedoch ist er für die Bewohner von Spencer etwas besonderes und vor allem für die Bibliothek, die vermehrt besucht wird und manchmal sogar nur wegen Dewey und manchmal sogar aus aller Welt.
Die Geschichten rund um Dewey sind nett zu lesen und sicherlich werden sich Katzenbesitzer darin wiederfinden, doch es sind vielmehr die Erinnerungen Vicki Myrons, man spürt teils eine Intimität, mit der nicht leicht umzugehen ist. Vieles ist für Außenstehende nicht ganz so nachvollziehbar, vieles unerklärlich – auch für diejenigen, die es miterlebt haben und dies zieht sich durch das gesamte Buch. Wieso geht Dewey ausgerechnet zu denjenigen, die am einsamsten oder am traurigsten sind und hat vielleicht nicht jede Katze oder gar jedes Tier solch einen Instinkt?

Vicki Myron schildert jedoch nicht nur Deweys Geschichte, sondern auch ihre eigene und die der Stadt Spencer und der Region. In Rückblicken erzählt sie sogar von wirtschaftlicher Entwicklung, mit der man aber weniger etwas anfangen kann.

Gegen Ende wird das Buch etwas konfus, von Deweys Berühmtheit scheint nur ein Teil durch und man fragt sich ab und an, wie sehr „weltweit“ in diesem Fall ist. Immer wieder tauchen Leute aus aller Welt auf, die Dewey sehen wollen – doch woher sie von ihm erfahren haben, kommt nur schwer durch.

Wertvoll sind jene Episoden, während derer Vicki Myron von ihrer persönlichen Beziehung zu Dewey erzählt. Hier wird es am persönlichsten und man kann sich hier am meisten identifizieren, denn fast jeder wird wohl nachvollziehen können, wie es ist, wenn ein Tier unser Herz eingefangen hat.



2 von 5 Punkten

 

 

Wir danken dem Page & Turner Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

 

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