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Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.
Johann Wolfgang von Goethe

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Almathea
Gebunden, 376 Seiten
ISBN: 978-3-85002-689-5
22,95 €



Ein kurzer Einblick

Es kann zu Verwicklungen kommen, wenn man versucht die deutsch-österreichisch-amerikanisch-schwedisch-britisch-persische Familie endlich einmal unter dem Christbaum zu versammeln oder "Nowrouz" - das persische Neujahrsfest zu Frühlingsbeginn - gemeinsam zu feiern. Es kann schon kompliziert werden, alle Cousins und Cousinen, Tanten und Onkel in den Sommerferien zu besuchen.
Es kommt aber definitiv zu einer globalen Katastrophe, wenn man den Tod des eigenen Vaters vor dessen Mutter geheim halten muss, weil die liebe Verwandtschaft befürchtet, dass Mamanbosorg, meine persische Omi, diesen Schock nicht überleben wird. Eine traurige Angelegenheit, die zu den absurdesten und komischsten Momenten in der Geschichte meiner Familie geführt hat.
Aber um eines muss ich Sie bitten: Meine Familie weiß nichts von diesem Buch und sie wären mir alle auch sehr böse, wenn sie wüssten, dass ich ihre instimsten Geheimnisse ausplaudere. Also, tun wir einfach so, als hätte ich die Geschichte erfunden!


Unsere Bewertung

Michael Niavarani ist einer der bekanntesten österreichischen Kabarettisten, der mit diesem Werk sein Romandebüt liefert – und man wird nicht enttäuscht. Man muss zwar kein Fan sein, um das Buch zu verstehen, aber man läuft durch die Lektüre schnell in Gefahr, zum Fan werden. Die Geschichte klingt so an den Haaren herbeigezogen, dass man sich stets darüber Gedanken macht, wieviel davon und welche Teile jetzt tatsächlich autobiographisch sind, und was der Spannung zuliebe jetzt „dazugedichtet“ wurde.

Niavarani schreibt so authentisch und erfrischend, wie er auch spricht. Anfangs kommt man zwar mit den schrecklich ähnlich klingenden persischen Namen der etlichen Onkel und Tanten durcheinander, doch das legt sich schnell.

Wenn Schauspieler des komischen Faches Bücher schreiben, fürchte ich oft, dass sich ein „Schenkelklopfer-Witz“ an den nächsten reiht, bloß, um dem Ruf gerecht zu werden, oder dass zu viele Zitate und Pointen aus den Bühnenprogrammen in die Geschichte aufgenommen werden und sie so zum durchgängigen "running gag" für eingefleischte Fans wird. Ich wurde angenehm überrascht, dass das in „Vater Morgana“ nicht der Fall ist – zum Lachen kommt man auf grund der Absurdität der Handlung, aber auch durch die Selbstironie, die Niavarani an den Tag legt. Die Traurigkeit der Handlung, der Tod des Vaters an Heiligabend, wird durch Humor übertroffen.

Wer sich von diesem Buch einen tiefgreifenden Einblick in den Iran wünscht, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Zwar werden viele kulinarisch-kulturelle Elemente wie die Bräuche des Nowrouz-Festes beschrieben, aber schließlich und endlich wird doch die Geschichte einer Exilfamilie erzählt, wo die zweite Generation „ihr Heimatland“ noch nicht einmal betreten hat. Mit ironischer Distanz schildert der Autor seinen volltrunkenen Playboy-Onkel aus Amerika, der aufgrund seines Aussehens doch zuweilen für einen islamischen Extremisten gehalten wird, und die Ansichten des Vaters, Teppichverkäufer wie so viele Exiliraner, für den „Persien“ das Land mit der 7000-jährigen Hochkultur und „Iran“ das Land mit den Terroristen ist. Niavarani versteht es, seine multikulturelle Familie so auf die Schaufel zu nehmen, und so viele Klischees durch Lachen zu entkräften.

Ein heiteres Buch, das man auf einen Satz zuende lesen kann, und es gerne tut.


4 von 5 Punkten

 

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