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Spruch der Woche

Geschichten schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.
Johann Wolfgang von Goethe

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  • 30.01., 21.00 Uhr, HR: "Commissario Laurenti: Die Toten von Karst" (Veit Heinichen)
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Roman, Ubooks
Taschenbuch, 2010

148 Seiten, Euro 9,95
ISBN-13: 978-3-86608-128-4

Ein kurzer Einblick

Erst verlierst Du Deine Freundin – ein Kleinbus nimmt sie vor Deinen eigenen Augen mit – dann will Deine neue Freundin nicht mit Dir schlafen, weil sie vergewaltigt worden ist. Was jedoch passiert, wenn Du dem Vergewaltiger plötzlich über den Weg läufst? Wie wirst Du reagieren?

Unsere Rezension

Schwarzer Humor, überzeichnete Charaktere und eine Handlung ohne Weg und Pfad. Der Schnauze nach fabuliert Anthony über sein Leben – ohne wirklich Tiefgang zu erreichen, ohne wirklich konkret zu werden. Er läuft einfach, er läuft durch sein Leben ohne nach links und rechts zu schauen und redet sich sein verkorkstes Leben aus dem Leib. Er handelt ohne nachzudenken. Er wirft markante Ereignisse hin, verbindet diese und schafft es auf erstaunliche Weise dennoch ein ganzheitliches Bild zu erschaffen, das weniger einer klapprigen Holzbrücke, sondern mehr einer modernen, aber versifften, Stahlbrücke gleicht.
Nichts von Anthonys Gerede kann man ernst nehmen. Zumindest nicht in der vollen Tragweite, denn ein Kern Wahrheit steckt in so mancher Aussage drin. Doch Vorsicht ist geboten: Wenn Groupies nach verrichtetem Liebesdienst vor Deinen Augen in Erdbebenspalten stürzen (Klappentext) wird es vollkommen abstrus – und dennoch passt es perfekt in die Story. Überzogen und wirklichkeitsfremd breitet sich ein Roadmovie der ganz besonderen Art vor dem Leser aus. Und gerade durch die ersichtliche Übertreibung gewinnt der Stil eine plastische Wiedererkennbarkeit und der Lesern nimmt dem Protagonisten so manches Ereignis bis zu einem gewissen Punkt ab. Eine gewisse Plakativität verharmlost aber auch Ereignisse. Erwähnt sei das Erdbeben, wo ich mir zumindest einen etwas ernsthafteren Umgang gewünscht hätte; was nicht heißen soll, dass ein flappsig humoristischer Umgang unmöglich gewesen wäre.
Die überreizte Handlung provoziert, regt zum Nachdenken an und sinniert auf ihre ganz eigene Weise über das Leben. Gerade dadurch, dass nichts ernst genommen wird, kann man entspannt und locker mit dem Text umgehen, da ein ernster Ton komplett entfällt.

Eine bizarre Liebesgeschichte, die provokativ eindringlich an den Leser herangetragen wird. „Ich trag ein Massengrab im Herzen“ tanzt den für das Lesepublikum zugeschnittenen Buchbergen aus der Reihe – und genau deswegen sollte man bei diesem unkonventionellen Roman zugreifen. 

3,5 von 5 Punkten


Wir danken dem Ubooks Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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