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rororo
Taschenbuch, 288 Seiten
ISBN: 978-3-499-22576-5
8,95 €




Ein kurzer Einblick

Imre Kertész ist etwas Skandalöses gelungen: die Entmystifizierung von Auschwitz. Es gibt kein literarisches Werk, das in dieser Konsequenz, ohne zu deuten, ohne zu werten, der Perspektive eines staunenden Kindes treu geblieben ist. Wohl nie zuvor hat ein Autor seine Figur Schritt für Schritt bis an jene Grenze hinab begleitet, wo das nackte Leben zur hemmungslosen, glücksüchtigen, obszönen Angelegenheit wird.



Unsere Bewertung

Erinnerungsliteratur zum Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg gibt es auf dem Markt genügend. Seltener jedoch werden Erinnerungen in Romanform gepackt, so dass man sich nie ganz sicher ist bei „Roman eines Schicksallosen“, was Fiktion und was Erinnerung ist.
Mit einer gewissen kindlichen Naivität lässt Kertész seinen Ich-Erzähler die Schrecken des Holocaust erleben. In berichtartigem Stil schildert der Erzähler, ein Junge von sechszehn Jahren, wie er sich zunächst mit den Nationalsozialisten arrangiert, „kriegswichtiger“ Arbeiter wird und einen lebensrettenden „Ausweis“ erhält. Doch selbst das hilft ihm nichts, eines Tages wird er ins Konzentrationslager verschleppt, zunächst nach Auschwitz, dann nach Buchenwald. Geschildert werden hier jedoch nicht die üblichen Schreckensbilder – Erschießungen, Quälereien oder Tod, auch wenn der historisch Kundige an den kleinen Andeutungen einiges mitnimmt. Beispielsweise die Selektion, bei der manche der Häftlinge für die grausamen Experimente des Arztes Josef  Mengele augewählt wurden. Mit dem Blick eines Kindes registriert der Erzähler das Verschwinden einer Familie – erst der Vater, dann der jüngere Bruder, bald der ältere. Ohne Mutmaßungen anzustellen wird nur ein Bericht abgeliefert, mit wenig Emotionen der Alltag in der Hölle beschrieben. A propos Hölle – als der Ich-Erzähler nach der Befreiung in seine Heimatstadt zurückkehrt, spricht ihn ein Journalist auf das Erlebte an, darauf, wie er diese „Hölle“ erlebt habe. So ganz kann der Erzähler diesen Begriff nicht nachvollziehen, erzählt im Gegenteil von der Langeweile, denn auch in Auschwitz könne man sich langweilen.

„Roman eines Schicksallosen“ ist ein Roman, der nicht durch detallierte Beschreibungen der Grausamkeiten in den Konzentrationslagern schockiert, sondern gerade weil er damit mehr als sparsam umgeht. Die Leere, die der Ich-Erzähler empfinden mag, ist spürbar aufgrund der Emotionslosigkeit und Eintönigkeit. Kertész verarbeitet hier seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald, verschmilzt ein Stück weit mit dem Ich-Erzähler und spielt mit der Erwartungshaltung des Lesers. Mal etwas anderes zum Thema, jedoch nichts, mit dem man wirklich mitfühlen kann und das daher schwer nachvollziehbar ist.



3 von 5 Punkten


 

Wir danken Rowohlt für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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