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Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-423-13845-1
9,90 €




Ein kurzer Einblick

Ein Mann schreibt einen Roman. Der Mann heißt Thomas Glavinic, und der Mann will das, was alle wollen: Erfolg. Er will einen Verlag, einen Preis, Geld. Was er hat, ist ein Manuskript, Kopfschmerzen und leider zumeist unerträgliche Mitmenschen. Und er hat auch einen netten Freund, der selbst einen Roman geschrieben hat, ›Die Vermessung der Welt‹, dessen Verkaufszahlen enorm sind. Mit aberwitziger Komik spielt Thomas Glavinic ein Spiel mit der Wirklichkeit - ein seltenes, ungewöhnliches Lesevergnügen.



Unsere Bewertung

Um direkt mit der Tür ins Haus zu fallen: Thomas Glavinic' Roman ist zum Schreien komisch. Natürlich, manch einer wird wohl nicht darüber lachen können, Humor ist schließlich eine ganz private und intime Angelegenheit, aber ich habe es getan – mehrmals, beinahe auf jeder Seite. Glavinic nimmt sich selbst nicht sonderlich ernst, er ist Hypochonder, neurotisch und Gewohnheitstier (was seine beinahe täglichen Gänge zum Inder am Naschmarkt beweisen). Außerdem schaut er allzu oft zu tief ins Glas und hat öfters mit Kater, Kopfschmerz und nächtlichen, vom Alkohol gelenkten Email-Schreib-Anfällen zu kämpfen. Aber nicht nur um ihn selbst kreist der Roman, sondern auch um den Literaturbetrieb, auf den Glavinic auch schon einmal einen solchen Hass verspürt, dass er sämtliche Telefonnummern von seinem Handy löscht, die seiner Meinung nach damit zu tun haben. Da tauchen Namen auf, die man mal mehr, mal weniger kennt, allen voran Daniel Kehlmann, sein Kumpel, der gerade unverschämten Erfolg mit „Die Vermessung der Welt“ hat und immer mal wieder in Form von Telefonaten und SMSen (meist mit den aktuellen Verkaufszahlen seines Romans) auftaucht. Und der Leser hat vermehrt den Eindruck, dass da jeder jeden kennt, in der Welt der Literaten.
Der Roman spielt in der Zeit, bevor Glavinic's Roman „Die Arbeit der Nacht“ erscheint, gerade eine Zeit, in der ein Schriftsteller nicht viel zu tun hat, viel mehr die Agentin Karin Graf, die den Roman an den Mann bringen muss.
Glavinic inszeniert sich in „Das bin doch ich“ natürlich selbst, man sollte nicht alles auf die Goldwaage legen und das Buch als eine Art Tagebuch lesen. Man weiß ja, dass Schriftsteller nicht immer die Wahrheit sagen müssen ... Man sollte den Roman mehr als eine Erzählung im Spannungsfeld zwischen Fiktion und Realität lesen, ein Buch, das den Leser an der Nase herumführen soll. Da bleibt am Ende nur zu hoffen, dass der Ich-Erzähler und Glavinic selbst nicht deckungsgleich sind – das wäre dann doch ein armer Mensch ...

Wen der Literaturbetrieb mit seinen Horden von Kritikern, Verlagsmenschen und allem Pipapo kalt lässt, sollte von diesem Roman die Finger lassen. Darüber hilft auch der äußerst sympathische, wenn auch manchmal etwas schwierig wirkende, Ich-Erzähler nicht hinweg. Wer jedoch seine Freude an literarischem Konkurrenzkampf und Kritikerschreibe hat und hinter die Kulissen blicken will, wird auch Glavinic's Buch mögen.



4,5 von 5 Punkten




Wir danken Dtv für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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