Donnerstag, den 08. April 2010 um 07:15 Uhr

Knaur Tb
Taschenbuch, 304 Seiten
ISBN: 3-426-50508-8
7,95 €
Ein kurzer Einblick
Die Inderin Lina ist eine talentierte Heiratsvermittlerin, denn sie verfügt über die magische Gabe, Seelenverwandte zu erkennen. Was jedoch ihr eigenes Liebesleben betrifft, so will sie seit dem Tod ihres Verlobten nicht mehr auf ihren sechsten Sinn hören. Das ändert sich aber, als ihre Eltern sie mit einem Mann verheiraten wollen, der ihr auf Anhieb zuwider ist.
Unsere Bewertung
Wie ein Bollywood-Film mutet Anjali Banerjees Roman an – nur ohne das ständige Gesinge eben. Lina braucht einen Mann und zwar schnell, denn die gesamte Familie denkt, sie sei verlobt und bei Indern ist das noch von größerer Bedeutung als in westlichen Kulturen. Die Geschehnisse, die im Klappentext geschildert werden, spielen sich auf den ersten zehn Seiten ab – eine angenehme Ausnahme im sonstigen Klappentext-Dschungel, denn sonst stehen dort oft schon viel zu viele Details ...
Linas Geschichte ist durchgehend im Präsens verfasst, man ist direkt mittendrin dabei und Lina ist vom ersten Moment an sympathisch. Die fremde Kultur lernt man leider nur so kennen, wie man sie als Europäer vielleicht schon zuvor kennengelernt hat, nämlich durch Bollywood-Filme. Alles dreht sich um die Partnersuche und ums Heiraten. Als Frau ist man nur etwas wert, wenn man einen Mann an seiner Seite hat – so scheint es jedenfalls und das ist das, was man größtenteils über die indische Kultur vermittelt bekommt. Da hilft dann auch nicht die große "Auflösung" am Ende, bei der die Eltern nichts davon wissen wollen, dass sie von ihrer Tochter jemals eine Heirat erwartet haben. Trotz allem lässt sich das Buch leicht runterlesen und man hat es an einem Tag durch – der große Druck tut hier sein übriges. Linas Gabe, Menschen zusammenzubringen kommt ein wenig zu kurz, schließlich „sieht“ sie förmlich die Anziehungskraft zwischen zwei Menschen. Diesen Aspekt hätte man durchaus noch mehr herausarbeiten können. Die Charaktere sind auch etwas zu klischeehaft geraten, denn Linas Angebeteter wirkt mehr wie ein Mr. Darcy und wie fast nicht anders zu erwarten hat sie natürlich auch noch einen schwulen besten Freund.
In die Geschichte eingestreut sind diverse indische Begriffe, die zwar in einem Glossar erklärt, aber trotzdem verwirrend komplex wirken und irgendwann gibt man es auf, die Begriffe nachzuschlagen. Interessanter hingegen sind die Leseprobe zu Banerjees erstem Roman „Der Hochzeitssari“ und das „persönliche Gespräch“ mit der Autorin, in dem die Autorin ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert.
Eine nette Unterhaltung für zwischendurch, aber leider nicht mehr, ist „Die Herzleserin“.
2 von 5 Punkten


Wir danken Droemer/Knaur für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.




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