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Kiepenheuer und Witsch
Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-462-04208-5
7,95 €




Ein kurzer Einblick

Eigentlich hatte Charlotte immer gedacht, sie würde einen Lachanfall bekommen, sollte jemals ein Mann vor ihr niederknien und um ihre Hand anhalten. Doch bei Georg war alles anders. Na ja, fast. Denn gelacht haben sie trotzdem – in dem dummen Irrglauben, das Schwerste sei mit dem Antrag schon geschafft.

Herzförmige Nippelaufkleber. Turtelnde Täubchen auf Luftballons. Einladungskarten mit Diddlmaus. Die ersten Recherchen zum Thema »Hochzeit« fallen für Charlotte, bekennende Turnschuhträgerin, niederschmetternd aus. Aber es kommt noch schlimmer. Die Freunde schielen ihr bei der Verkündung erst mal skeptisch auf den Bauch. Die beste Freundin fängt plötzlich an, über die Ehe als Symbol der weltweiten Ausbeutung der Frau zu referieren. Und dann die Verwandtschaft: Die deutsche fordert lauthals Babys, die polnische Wodka, eimerweise. Woher, bitte schön, kriegt man ein Kleid, in dem man nicht aussieht wie Schwarzwälder Kirsch mit Toupet? Und wie soll man sich darauf freuen, »ja« zu sagen, wenn man die ganze Zeit nur »neeeeiiiin« kreischen will?



Unsere Bewertung

Normalerweise mache ich einen sehr großen Bogen um Bücher, die auch nur einen Hauch Rosa oder Glitzer oder sonstigen Schischi auf dem Cover haben. Der Zusatz „Turnschuhträgerin“ hat mich hier jedoch neugierig gemacht. Leider ist Charlotte (von ihrem Liebsten liebevoll „Lotte“) genannt viel weniger überzeugte Turnschuhträgerin als man es sich aufgrund des Klappentextes vorstellen mag. Auch sie wird irgendwann ergriffen vom Hochzeitswahn, mutiert – wie ihre Freundin Kristin das so schön ausdrückt – zur Braut und will eine Torte für 800 Euro und Schleifchen für die Gäste.
Der Einblick, den man erhält, ist ganz interessant und die To Do Liste, die Charlotte sich aus dem Internet ausgedruckt hat, kann wohl eines Tages für die eigene Hochzeit verwendet werden. Für Charlotte selbst kommt sie natürlich viel zu spät – sie und ihr Georg wollen schon in gut drei Monaten heiraten. Dafür dass sie angeblich gar nicht so scharf darauf ist zu heiraten (man erinnere sich an den Klappentext), geht das ja ziemlich schnell und auch die Romantik zwischen den beiden ist vorhanden. Da kann doch auch mal eine coole Turnschuhträgerin heiraten – oder? Durchaus auch im 2000-Euro-Brautkleid. Ja, hallo?

Das Buch lässt sich in einem Rutsch runterlesen und ist an der ein oder anderen Stelle auch durchaus witzig. Zum Beispiel, wenn Charlotte mit ihren 1,50 m Körpergröße ein Kleid sucht oder ihren Zukünftigen davon überzeugen will, wie toll die Hochzeitstorte für 800 Euro ist und dass davon hundert Leute satt werden. Die polnischen Verwandten tragen auch ihren Teil dazu bei, doch bewegt sich diese Begebenheit fast an der Grenze des Erträglichen, dienen die Polen doch wieder mal nur als Klischeeträger, wenn sie dicke Sahnetorten verspeisen und nach Wodka verlangen und niemand sie so wirklich dabei haben will.

Insgesamt bleibt „Heiraten für Turnschuhträgerinnen“ allerdings belanglos und auch wenn der Stil der Autorin nett zu lesen ist, wird das Buch wohl nicht groß im Gedächtnis bleiben.



2,5 von 5 Punkten

 

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