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Diogenes
Hardcover, 736 Seiten
ISBN: 978-3-257-06747-7
26,90 €



Ein kurzer Einblick

Von der Sehnsucht und der Flüchtigkeit des Glücks. Die Odyssee eines Kochs und seines Sohns durch New Hampshire und halb Amerika, ausgelöst durch eine tragische Verwechslung. Die Geschichte einer großen Liebe und vieler kleiner.


Unsere Bewertung

In John Irvings neuestem Roman finden sich typische Elemente seiner Prosa, die man als Irving-Leser kennt: Bären, die abgetrennte Hand, skurrile Charaktere, nicht ganz „normale“ Sexpraktiken ... Und man erkennt andere Romane aus seiner Feder darin wieder.
Auf dem Buch steht, „Letzte Nacht in Twisted River“ sei so verrückt wie „Garp“ und so episch wie „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, doch es vereint noch viel mehr von Irving. Es finden sich auch Szenen, die beispielsweise an „Witwe für ein Jahr“ erinnern, wenn Bilder der Erinnerung dienen. Leser, die bisher noch nichts mit Irving zu tun hatten, soll das alles nicht abschrecken, man versteht das Buch natürlich auch so. Doch für den Einstieg sei dem Irving-Einsteiger ein anderes Buch empfohlen – beispielsweise eines der beiden auf dem Buchrücken erwähnten.

Aber genug der Vergleiche, schließlich soll „Letzte Nacht in Twisted River“ auch für sich stehen. Die Schwäche Irvings, episch auszuufern, wird hier besonders deutlich. Manches Mal gerät die Geschichte in Nebenhandlungen und verstrickt sich darin. Die Zeitwechsel sind sehr häufig und überlappen oftmals, wodurch man immer wieder aus der Story geworfen wird. Der Einstieg ist leider sehr schleppend, bis man sich in der Geschichte auch emotional einfindet, hat man die hundert Seiten bereits passiert.
Die Story an sich ist bei weitem keine von Irvings Glanzstücken und bleibt trotz dass sie unterhaltsam ist weit zurück hinter anderen Romanen des Autors. Die Charaktere hingegen sind wie immer lesenswert, besonders der etwas raue, aber herzensgute Ketchum; doch selbst Nebenfiguren gibt Irving eine Persönlichkeit. Die Konstellation von Daniels Eltern (sein Vater ist sechzehn, seine Mutter dreiundzwanzig, als die beiden sich kennenlernen, und noch dazu sind sie irgendwie entfernt verwandt) alleine ist schon skurril genug und typisch Irving. Die Mutter stirbt auf unglückliche Weise und der junge Vater bleibt mit dem Sohn zurück.
Daniel und sein Vater Dominic, der Koch ist, leben in einem Hölzflößerdorf und nachdem eine tragische Verwechslung ihr Leben aus der Bahn wirft (was diese Verwechslung ist, soll hier nicht verraten werden) sind beide ihr Leben lang auf der Flucht vor einem Ex-Cop. Man wartet förmlich nur darauf, dass die beiden doch noch gefunden werden, schließlich fliehen sie nie weit genug. Als sie schließlich gefunden werden, geschieht das, was geschehen muss und mit einem Schlag findet die Geschichte ihren Höhepunkt – um danach abzuflachen und im Sand zu verlaufen. Nur noch Ketchums Schicksal ist einigermaßen interessant, was mit Daniel geschieht, ist mehr verwirrend denn befriedigend und man bleibt auch etwas enttäuscht zurück.

„Letzte Nacht in Twisted River“ ist unterhaltsam, aber dennoch reicht es nicht an ältere Romane Irvings heran.



3 von 5 Punkten





Wir danken dem Diogenes Verlag für das bereitgestellte Leseexemplar.

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