Mittwoch, den 07. Juli 2010 um 09:42 Uhr

Ullstein
Taschenbuch, 368 Seiten
ISBN: 9783548281421
8,95 €
Ein kurzer Einblick
Mit Frau und Baby nach Bullerbü - als Gunnar Herrmann das Angebot erhält, für die Süddeutsche Zeitung nach Stockholm zu gehen, klingt das für die junge Familie paradiesisch: Schweden mit seiner unberührten Natur und den roten Holzhäuschen. Ein einziger großer Kinderspielplatz! Doch im Land der Elche und Billy-Regale ist nicht alles »Bullerbü«. Die Winter sind endlos lang und dunkel, die Menschen höflich, aber verschlossen, und das staatliche Rundum-Sorglos-Paket gibt es nur für den, der in den Warteschlangen der Bürokratie standhaft bleibt. Immerhin: Wenn die Herrmanns das Heimweh packt, können sie ins nahegelegene Möbelhaus flüchten. Dort schmecken die Fleischbällchen genau wie daheim. Mit viel Witz, Sympathie und Augenzwinkern erzählt Gunnar Herrmann vom Familienleben im hohen Norden.
Rezension
Nachdem ich von meinem letzten Auswanderer-Ausflug mit einem Buch recht enttäuscht war (siehe Rezension „Das kommt mir spanisch vor“) habe ich mich doch nocheinmal an einen Roman derselben Serie gewagt, mich wieder in ein Land entführen lassen, das ich gut kenne und mag, und war positiv überrascht.
Gunnar Herrmann, den es erst aufgrund seines Berufes nach Stockholm verschlagen hat, kann eines: schreiben. Das Buch liest sich locker und leicht, wird nicht langweilig oder langatmig und – was mir besonders wichtig ist – es wird an überzeichnet komischen Stellen doch nie zum affektierten Bruhaha-Witz verunstaltet.
Als Halbschwede hat er natürlich einen entscheidenden Vorteil, er kann über beide Länder mit einem gewissen „Insider-Wissen“, aber auch mit (selbst-)ironischer Distanz schreiben, sowohl subjektiv als auch objektiv berichten.
Liebevoll beschreibt Herrmann das Leben einer jungen Familie in der Fremde, die zahlreichen Behördengänge auf der Suche nach dem skandinavischen Äquivalent des „Passierschein A38“ und die beiderseitigen Klischees, mit denen sie im Zusammentreffen mit Nachbarn und neuen Freunden konfrontiert werden. Highlight des Buches sind jedoch die Treffen mit Werner, dem bullerbü-romantisierenden Survivalabenteurer, Archetyp des unguten, naiven deutschen Touristen mit Sandalen und Socken, und der Familienurlaub der Herrmanns im „echten“ Bullerbü, mit einem ausufernden Exkurs in Leben und Welt Astrid Lindgrens.
Fazit, ein nettes und schnell gelesenes Buch, das allerdings auch rasch wieder verblasst. Genau richtig für eine längere Zugfahrt oder einen verregneten Sonntagnachmittag.
3 von 5 Punkten
Wir danken Ullstein für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.




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