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btb
Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN: 978-3-442-74079-6
9,95 €




Ein kurzer Einblick

Die junge Chinesin Zhuang reist zum ersten Mal in den Westen und taucht in eine fremde Welt ein. Sprache und Umgangsformen, Essen und Trinken, Liebe und Sex – alles ist befremdlich, verwirrend und manchmal unbegreiflich. Ebenso amüsante wie erhellende Missverständnisse verbinden sich zu einem rasanten Verwirrspiel zwischen Ost und West und Mann und Frau.


Unsere Bewertung

Der Titel von „Kleines Wörterbuch für Liebende“ verspricht mehr Kitsch und Lovestory als es am Ende tatsächlich ist – zum Glück! Das am augenscheinlichsten Besondere an der Geschichte von Zhuang, die sich den Westlern nur als „Z“ vorstellt, ist die Sprache. Anfangs in kurzen Sätzen voller grammatikalischer Fehler, entwickelt sich Zhuangs Englisch (im Falle der Übersetzung natürlich Deutsch) immer mehr, bis es recht passabel ist. Diese Entwicklung ist gekonnt umgesetzt, man spürt keinen plötzlichen Bruch, sondern eine stückweise Veränderung. Außerdem ist die Sprache Ausdruck ihrer Gefühle, wirkt sie verunsichert, verfällt sie auch mehr in alte Muster und Fehler. Es macht Spaß, ihre Fortschritte zu beobachten.
Zhuang macht jedoch nicht nur sprachlich Fortschritte, sondern auch menschlich. Sie lernt einen Mann kennen, dessen Namen wir nie erfahren, und lebt mit ihm zusammen, macht mit ihm ihre ersten sexuellen Erfahrungen. So wie er sie behandelt, fällt es allerdings immer wieder schwer, nachzuvollziehen, weshalb Zhuang solch tiefe Gefühle für ihn entwickelt. Seine Beweggründe, wieso er sie so behandelt, werden kein einziges Mal klar und man kann zusammen mit Zhuang nur spekulieren. Ihr Liebster bleibt auch sonst recht undurchsichtig, wir erleben ihn nur durch Zhuangs Augen und durch die Eingeschränktheit dieser Sicht fällt es schwer, diesen Charakter sympathisch zu finden – trotz Zhuangs Zuneigung für ihn. Erotisch geht es zwischen den beiden auch hoch her, was aber nicht durch detaillierte Beschreibungen übertrieben dargestellt wird. Ein Höhepunkt ist jedoch das Kapitel mit der Überschrift „Kolonie“, in dem sich Zhuang als Kolonie ihres Geliebten bezeichnet. Hier wird in einer sehr ausdrucksvollen Sprache der Liebesakt beschrieben und trotz Zhuangs grammatikalischer Fehler ist diese Episode eine der sprachlich besten.
Zhuangs Europareise hingegen ist sicherlich einer der Schwachpunkte. Hier macht sie Erfahrungen, die oberflächlicher Natur bleiben und von den Städten selbst erfährt man nicht viel. Besonders ihre Emotionen angesichts dieser unbekannten Kulturen wären interessant gewesen, aber leider bleiben diese etwas blass.

Jedes Kapitel in „Kleines Wörterbuch für Liebende“ ist überschrieben mit einem Begriff und dem dazugehörigen Wörterbucheintrag. Auf den Begriff wird Bezug genommen ohne jedoch allzu sehr das Kapitel zu beherrschen. Zhuang, die als Sprachschülerin von ihren Eltern nach London geschickt wurde, verfasst ihre Geschichte in einer Art langem Brief, immer an den Liebsten gerichtet. Gegen Ende jedoch verläuft ihre  gemeinsame Geschichte nicht gerade wie ein „Happy End“ und Zhuang muss ihren Weg selbst gehen.

„Kleines Wörterbuch für Liebende“ ist ein Buch, das den Leser fordert ohne ihn zu überfordern. Über Zhuangs Fehler liest man bald hinweg und versteht sie nicht nur rein sprachlich, sondern auch zwischenmenschlich. Noch dazu ist das Taschenbuch schön gestaltet, es fühlt sich ein wenig an wie der Stoff, der darauf abgebildet ist. Abzug gibt es jedoch für die emotionsschwache Europareise und die Undurchsichtigkeit der Beziehung der beiden Liebenden.



4 von 5 Punkten




Wir danken btb für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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