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Taschenbuch, 240 Seiten
ISBN: 978-3-423-13903-8
8,90 €



Ein kurzer Einblick

Karl »Charlie« Kolostrum ist jung und stellt sich die entscheidende Frage, wie man eigentlich leben soll. Als Teil einer völlig überspannten Familie und Sohn einer Mutter, deren Neigung zu Alkohol und Promiskuität den Vater beizeiten verjagte, war er früh sich selbst überlassen und beschäftigte sich hauptsächlich mit der eigenen Person und ihrer Wirkung auf andere. Jetzt scheint es ihm an der Zeit, ein paar Lebensregeln aufzustellen ...


Unsere Bewertung

Wenn man einen Roman von Thomas Glavinic in die Hand nimmt, kann man sich einer Sache gewiss sein: Dass gar nichts gewiss ist. Mit Glavinic wird es aus einem Grund nie langweilig, nämlich weil er sich nicht wiederholt, weder thematisch noch sprachlich. Es gelingt ihm, sein Thema mit einem eigenen sprachlichen Stil zu verbinden, was bei „Wie man leben soll“ ganz besonders auffällt.
Karl „Charlie“ Kolostrum gehört einer Generation an, über die alle vorangegangenen Generationen wohl den Kopf geschüttelt hätten. Als „siebenundachtzigprozentiger Sitzer“ gehört er zu denjenigen, die sich bestimmen lassen statt selbst zu bestimmen. Hat er mal eine Freundin, will er auch schon wieder eine andere Frau haben. Er singt zu viel und zu falsch in der Öffentlichkeit und malt sich in Tagträumen aus, was wohl niemals nie eintreffen könnte. Noch dazu wird er dicker und dicker, sein Nachname „Kolostrum“ ist hier sehr sprechend. Doch was das schlimmste an Charlie ist: Man weiß nie genau, ob er nun sympathisch ist oder nicht. Man fühlt sich zugleich von ihm abgestoßen und zugleich kann man ihn verstehen; es ist ganz so, als bekäme man den Spiegel vorgehalten, in Charlie erkennt man seine eigenen Fehler.
Da er sich höchstens in wörtlicher Rede als „ich“ bezeichnet und sonst in der allgemeinen Form „man“ bleibt, wird er zum Repräsentant einer ganzen Generation, die genauso wie er lebt: Ziellos, in den Tag hinein, ohne Verantwortungsbewusstein und auf Kosten der Elterngeneration.

Nimmt man „Wie man leben soll“ in die Hand, wird man sofort in Charlies Geschichte hineingezogen, wir begleiten ihn vom Teenageralter bis in die 30er. Dennoch wird die Geschichte gegen Ende hin etwas zäh, besonders durch Charlies Passivität herbeigeführt. Diese Passivität durchbricht er nicht einmal, als überraschend der Erfolg eintritt und Glavinic den Traum von Charlies Generation zynisch kommentiert: Berühmtwerden ohne etwas dafür zu tun oder etwas zu können.

„Wie man leben soll“ ist sicherlich nicht Glavinic' Meisterstück, aber trotzdem ist ihm wieder einmal eine Geschichte gelungen, die den Leser von der ersten Seite an mit sich mitreißt und die von einer thematischen wie auch sprachlichen Eigenständigkeit innerhalb des Gesamtwerks geprägt ist.



3,5 von 5 Punkten




Wir danken dem Deutschen Taschenbuch Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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