Donnerstag, den 02. September 2010 um 19:33 Uhr

Knaur
Hardcover, 448 Seiten
ISBN: 978-3-426-66273-1
16,95 €
Ein kurzer Einblick
"Ich bin deine Mutter und ich liebe dich." Das sagt Mom immer. Das nächste Wort lautet stets: "Aber ..."
Die Familientreffen der Foxmans enden stets mit Türenschlagen und quietschenden Reifen, wenn Judd und seine Geschwister so schnell wie möglich einen Sicherheitsabstand zwischen sich und das Elternhaus bringen. Doch nun ist ihr Vater gestorben. Sein letzter Wunsch treibt allen den Angstschweiß auf die Stirn: Die Foxmans sollen Schiwa sitzen, sieben Tage die traditionelle Totenwache halten. Das bedeutet, dass sie auf unbequemen Stühlen in einem kleinen Raum gefangen sind und nicht davonlaufen können. Nicht vor dem, was zwischen ihnen passiert ist – und nicht vor dem, was die Zukunft für sie bereithält …
Unsere Bewertung
Sie sind wirklich eine verrückte Familie, die Foxmans. Allen voran Judd, der mittlere Sohn und Ich-Erzähler, dessen Leben in Schutt und Asche liegt nachdem er seine Frau in flagranti mit seinem Chef erwischt hat. Und nun ist auch noch sein Vater nach langer Krankheit gestorben und Judd muss mit seiner Mutter und den drei Geschwistern Schiwa sitzen, die traditionelle jüdische Totenwache, die ganze sieben Tage dauert – sieben verdammt lange Tage. Judd sieht sich mit seiner Vergangenheit konfrontiert, in Form alter Freunde, der treulosen Ehefrau, einer alten Jugendliebe und eben der Familie, die nicht gerade die Vorzeigefamilie ist. Ganz so streng wie der Klappentext anmutet, ist die Totenwache dann doch nicht, denn schließlich verbringen die Foxmans diese im einigermaßen luxuriösen Elternhaus und immer wieder bricht einer aus diesem Chaos aus. Hier hat jeder irgendeine Macke oder Neurose, niemand ist normal und wenn man in den Dunstkreis dieser Familie gerät, wird man bald auch so, vor allem wenn man einheiratet.
Durchdrungen ist das Buch von einem großen Thema: Sex. Entweder hat Judd keinen und wenn dann doch mal, kann er es nicht genießen, weil er an seine Ex-Frau denkt. Oder sein Bruder und dessen Frau versuchen verzweifelt, ein Kind zu zeugen oder die erschreckend junggebliebene Mutter wird von einem Nachbarn umgarnt. Nichts gegen Sex, aber etwas zu viel des Guten ist das Ganze schon, denn hätte man die meisten Eskapaden weggelassen, wäre das Buch wohl nur knapp halb so dick ... Dabei ist die Geschichte der „trauernden“ Foxmans sehr erheiternd und lässt sich gut lesen, in einem Rutsch ist man durch. Das Ende ist ein wenig enttäuschend, man hätte sich den großen Knall gewünscht statt der vielen kleinen – zu den Foxmans hätte das wesentlich besser gepasst.
„Sieben verdammt lange Tage“ ist ein unterhaltsames Buch, das leider etwas zu sehr auf „Sex sells“ setzt und schon fast damit nervt. Es hat diese Strategie nämlich überhaupt nicht nötig: Die verrückte und kaputte Familie Foxman ist auch so erheiternd.
3,5 von 5 Punkten
Wir danken Knaur für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.




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