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Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-442-74227-1
8,99 €




Ein kurzer Einblick

Eine junge Bäuerin aus der hintersten Ecke Chinas sieht ein Ufo in einem Reisfeld, woraufhin das reinste Chaos in ihrem Dorf ausbricht – und die Welt Einzug in diese Einöde erhält.


Bewertung

Das Einzige, was man an Xiaolu Guos „Ein Ufo, dachte sie“ bemängeln könnte, ist, dass die offiziellen 224 Seiten eigentlich vielleicht mal gerade 200 sind und diese auch noch furchtbar schnell gelesen.
Nachdem die Bäuerin Kwok Yun eine Metallscheibe über einem Reisfeld gesehen und einen verletzten Fremden neben dem Reisfeld gefunden hat, werden polizeiliche Untersuchungen über das „UFO“ angestellt. In Xiaolu Guos Buch liegen sozusagen die Polizeiakten vor: Die Daten über jeden Zeugen, der befragt wird, sind jedem Kapitel vorangestellt, es finden sich Anhänge und beigelegte Dokumente genauso wie die Befragungen selbst im Buch. Durch die polizeilichen Untersuchungen gelangt ein Hauch von Großstadt in das chinesische Dorf. Der Ausländer, den Kwok Yun gefunden und versorgt hat, ist sogleich wieder spurlos verschwunden – schickt jedoch einen Scheck über 2000 Dollar als Dank für die medizinische Versorgung. Mit diesem Geld beginnt das Chaos, man hat ab sofort den Anspruch, fortschrittlicher zu werden. Das nimmt teils sehr absurde Formen an, beispielsweise plant man eine Autobahn, Fabriken und ein Schwimmbad (obwohl das Dorf Silberberg in der Wüste liegt und dort niemand schwimmen kann).
Da keine Figur länger als ein Kapitel am Stück verfolgt wird, fällt es schwer, sich in die Figuren hineinzuversetzen; obwohl sie (fast) alle ein individuelles Gesicht erhalten, bleiben sie distanziert, was durch den Polizeiakten-Stil noch verstärkt wird.

Die Hauptintension des Romans wird nach wenigen Seiten deutlich: Der blinde Fortschrittsglaube, der völlig des Realitätssinns entbehrt und ohne jeglichen Bezug zu dem entsteht, was sinnvoll ist, wird kritisiert. Statt einen eigenen Weg zu gehen und sich auf die Vergangenheit zu besinnen (so wie die Ortsvorsteherin immer wieder gemahnt), will man nur eines: Die Superlative, immer höher, weiter, größer, moderner. Dass das nicht immer sinnvoll ist, darüber wird man sich nach der Lektüre dieses Romans sicherlich einig sein, ganz gleich, wie man sonst über dieses Thema denken mag.



Fazit


„Ein Ufo, dachte sie“ ist ein kritischer Roman, der jedoch nicht eines gewissen Humors entbehrt, den man auch leicht als Zynismus bezeichnen könnte. Die Kritik am blinden Fortschrittsglauben dringt durch alle Zeilen und der unkonventionelle Schreibstil macht einfach nur Spaß beim Lesen.





4 von 5 Punkten






Wir danken btb für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.