Dienstag, den 12. Juli 2011 um 08:50 Uhr

Kindler
Hardcover, 256 Seiten
ISBN: 978-3-463-40593-3
17,95 €
Ein kurzer Einblick
Ein guter Buchbinder liest nicht, hat Mathildes Großvater immer gesagt. Doch wie soll sie der Versuchung widerstehen? Da betritt dieser gutaussehende junge Mann ihre Werkstatt in dem kleinen Dorf in der Dordogne, in das sie vor kurzem gezogen ist. Und er überreicht ihr dieses geheimnisvolle alte Buch mit Brandspuren. Es enthält Zeichnungen und Aquarelle einer Tempelanlage im Wald. Beim Restaurieren entdeckt Mathilde außerdem eine im Rücken verborgene, handgeschriebene Namensliste. Als sie den Spuren dieser Namen nachgeht, stößt sie auf ein Geheimnis aus der deutschen Besatzungszeit, das bis heute nachwirkt.
Bewertung
Der Beruf der Buchbinderin ist Mathildes Art, auszusteigen. Aus der Karriereleiter, die sie vorher erklommen hat und aus der Tretmühle, die am Ende eher einen Burn-Out als Glück nach sich gezogen hätte. Sie zieht in das kleine Dorf, in dem ihr verstorbener Großvater seinen Laden hatte, und tritt sein Erbe an. Das kleine Dörfchen ist fast schon romantisch, aber mindestens verschlafen, die Bewohner etwas eigenwillig und voller Charakter. Besonders Mathildes bester Freund, der Bäcker André, ist ein solch liebenswerter Typ. Ohnehin glänzt der Roman vor allem mit seinen Charakteren, die überzeugend die Weltabgekehrtheit des Dorfes widerspiegeln. Diese Idylle wird durch das Auftauchen eines Fremden gestört, der Mathilde ein altes Buch bringt. Sie soll es restaurieren. Doch bevor sie fertig ist, verschwindet der Mann und sie macht sich auf die Suche nach ihm und fahndet nach dem Geheimnis des Buches, in dem sie mehr findet als nur Zeichnungen.
Die Liebe zu den Büchern ist zwar durchaus spürbar, war für mich persönlich jedoch nicht so intensiv wie ich mir das durch den Titel erhofft hatte. Der heimliche Protagonist des Romans ist das geheimnisvolle Buch, das Mathilde für den Fremden restaurieren soll und das sie seitdem umtreibt. Darüber hinaus erfährt man einiges über die Buchbindekunst, aber bis auf Mathildes Liebe zu „Cyrano de Bergerac“ scheint sich die Buchliebe doch in Grenzen zu halten.
Mathildes Fahndung nach dem geheimnisvollen Fremden und nach dem, was hinter dem alten Buch steckt, ist spannend, im Mittelteil jedoch auch etwas zäh. Man möchte schneller zur Aufkläung kommen als die Geschichte es möglich macht und wird dadurch etwas ungeduldig mit dem Roman. Der Schreibstil macht diese Makel jedoch fast wieder wett, denn eines kann man ganz sicher sagen: Der Roman ist sehr französisch und das französisch-kunstvolle kommt hier besonders zum Tragen.
Fazit
„Mathilde und der Duft der Bücher“ ist gute kurzweilige Unterhaltung, die jedoch auch nicht mehr ist. Manchmal braucht es zwar auch nicht mehr, aber um sich in das Gedächtnis des Lesers zu brennen, muss ein Buch dies eben doch haben – das gewisse Etwas mehr ...
3 von 5 Punkten



Wir danken Kindler für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.



