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Taschenbuch, 176 Seiten
ISBN: 978-3-442-74298-1
8,99 €





Ein kurzer Einblick

Auschwitz 1944: Der jüdische Geigenbauer Daniel erhält vom Lagerkommandanten den Auftrag, eine Geige nach den Maßen einer Stradivari zu bauen. Eine Aufgabe, die ihn inmitten des Grauens zumindest für kurze Zeit die schreckliche Realität vergessen lässt. Doch bald muss er erfahren, dass der Auftrag Gegenstand einer infamen Wette zwischen dem Lagerkommandanten und dem Lagerarzt ist – und so wird die rechtzeitige Fertigstellung des Instruments nicht nur zu einer handwerklichen, sondern auch zu einer menschlichen Bewährungsprobe. (Verlagstext)



Bewertung

„Und ich komme an einen Ort, wo alles Licht erloschen ist.“
Dante Alighieri, Die göttliche Komödie: Die Hölle


Es gibt zahlreiche sowohl fiktive als auch reale Erzählungen von Holocaustopfern, doch selten wurde ein Einzelschicksal so literarisch wertvoll beschrieben wie das von Daniel in „Die Violine von Auschwitz“. Die Nationalsozialisten haben ihm alles genommen: Seinen Beruf, seine Verlobte, sein bisheriges Leben. Er ist inhaftiert in einem Konzentrationslager und muss dort als Tischler arbeiten – eine Notlüge, die ihn am Leben gehalten hat, denn eigentlich ist er Geigenbauer, ein Beruf, der nicht gerade nützlich ist. Doch als der Lagerkommandant davon erfährt, will er von Daniel, dass dieser eine Geige nach den Maßen einer Stradivari baut. Diese Aufgabe rettet Daniel für eine kostbare Zeit das Leben, weil er dem Kommandanten von Nutzen ist und weil er nun endlich wieder seinen geliebten Beruf ausüben kann, der ihm so viel bedeutet. In langen Passagen erfährt man vom uralten Wissen der Geigenbauer und von der tiefen Liebe Daniels zu diesen Instrumenten. Die Beschreibungen seiner Arbeit sind sehr detailliert und wirken dadurch auch genauso authentisch. Das Perfide an Daniels Auftrag stellt sich jedoch erst später heraus, denn der Lagerkommandant und der Lagerarzt haben um eine Kiste Burgunder gewettet, ob Daniel es schafft, die Geige fertig zu stellen. Ein Menschenleben gegen eine Kiste Wein ...

Mit „Auschwitz“ ist hier übrigens nicht das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau gemeint: Daniel ist in Auschwitz III Monowitz gefangen, das auf dem Gelände der – auch im Buch erwähnten – IG Farben AG lag. Die Häftlinge mussten hier schwerste körperliche Arbeit verrichten.
Die Dimension dieser organisierten Unmenschlichkeit wird zu einem kleinen Teil in den Originaldokumenten deutlich, die jedem Kapitel vorangestellt worden sind. Dort finden sich Akten ebenso wie Schreiben, beispielsweise über die Verwendung von Zahngold der Häftlinge oder eine Auflistung der Dinge, die den Häftlingen weggenommen wurden (einschließlich mehrerer Tonnen Frauenhaar …). Es ist erschreckend, wie organisiert und fabrikmäßig dieses Demütigen, Misshandeln und Töten vonstatten ging. Wir als Nachgeborene wissen inzwischen um diese Grausamkeiten, sie jedoch an einem Einzelschicksal zu erfahren, ist jedes Mal wieder besonders bedrückend. Maria Àngels Anglada gelingt es außerdem mit ihrem sehr reduzierten, fast kaltem Stil, eine Atmosphäre zu schaffen, die beim Lesen das Leben Daniels erleben lässt.

Die Rahmenerzählung gibt der Geschichte Daniels den Anschein von Realität und macht deutlich, dass vor allem in den Familien der Opfer das Andenken an diese bis heute erhalten ist.


Fazit

„Die Violine von Auschwitz“ ist kein Roman der offensichtlichen brutalen Grausamkeiten, der mit Gewaltszenen schockiert. Er berührt umso mehr wegen der unterschwelligen Perfidie der Nationalsozialisten, denen eine Kiste Wein mehr wert ist als ein Menschenleben, und mit einem Protagonisten, den seine Liebe zu seinem Beruf rettet.



4,5 von 5 Punkten





Wir danken btb für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.