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Weisheiten

Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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  • 15.05., 00.50 Uhr, 3 SAT: „Die Bartholomäusnacht“ (Alexandre Dumas d.Ä.)
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  • 16.05., 22.25 Uhr, Kabel eins: „Rob Roy“ (Walter Scott)
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Rowohlt
Hardcover, 320 Seiten
ISBN:
9783498000813
19,95 €

Ein kurzer Einblick

Frühling 1967 in New York. Der zwanzigjährige Student Adam Walker trifft auf den enigmatischen Franzosen Rudolf Born und dessen stille, aber verführerische Freundin Margot. Schon bald sieht er sich verstrickt in eine eigentümliche Dreiecksgeschichte, die in einem traumatisierenden Akt der Gewalt gipfelt und sein Leben für immer verändern wird. Aus der Sicht dreier Erzähler, über einen Zeitraum von 40 Jahren, berichtet dieses kraftvolle Werk über den Zorn der Jugend, ungezügelte Lust und die gnadenlose Jagd nach Gerechtigkeit.

Unsere Wertung

Einmal mehr nimmt Paul Auster seine Leserschaft in die Vergangenheit mit. In die späten 60er Jahre und einmal mehr in ein chaotisches Studentenleben, das (zum dritten Mal einmal mehr) vor allem aus Sex und Intrigen zu bestehen scheint. Den Protagonisten Adam Walker kann man ruhigen Herzens als naiven Jüngling bezeichnen, was nicht abwertend klingen soll - schließlich steht ein Mensch mit zwanzig Jahren am Anfang seines Lebens. Auf einer Party trifft der junge Mann, der einmal Dichter werden will, den archaisch wirkenden Rudolf Born und seine reizende Frau Margot, ein Paar, das mit allen Wassern gewaschen zu sein scheint. Diese Szene ist deswegen so erwähnenswert, weil der gesamte erste Part des Romans darauf aufbaut. Was dann passiert, ist wenig überraschend: Adam verliebt sich in Margot und die beiden haben eine Affäre, die der düstere und mehr und mehr gefährlich wirkende Born sogar in einer gewissen Weise vorhersagt.

So weit, so normal - könnte man behaupten. Austers Stil fesselt allerdings einmal mehr, der Schriftsteller schafft es, wie in vielen seiner Werke, durch eine pragmatische aber sehr dichte Sprache und einen ausgezeichneten Stil den Leser ans Buch zu binden. Die verschiedenen "Epochen" des Romans (insgesamt vier!) sind zudem in verschiedene Perspektiven gebettet, Ich-Erzähler, ein Du-Erzähler (!), dann ein Er-Erzähler - stilistisch gesehen hat Auster wirklich ausgesprochen gute Arbeit geleistet. Das lässt sich nicht anders formulieren. Doch wer nun eine Story a la Affäre mit Rache erwartet, wird nur bedingt glücklich werden. Denn die nächsten Parts sind (Austertypisch!) alle etwas anders, als das, was man vielleicht als Leser erwartet. So erleben wir beispielsweise eine potentielle Rückblende, was zwischen Adam und seiner Schwester Gwyn in der Jugend geschehen ist. Potentiell deshalb, weil im Roman nie so genau klar wird, was davon nun stimmt und was nicht. Und je mehr man zum Ende des Romans kommt, desto abstruser wird die ganze Handlung. Fast hat man das Gefühl der letzte Part würde einem James-Bond-Drehbuch entspringen auf einer einsamen Insel.

Fazit

Stilvoll und avantgardistisch präsentiert Auster sein Werk "Unsichtbar", eingebettet in eine Handlung, die keinem klassischen Rahmen folgt, sondern einen ganz eigenen Weg geht. Das dürfte vielen Auster-Lesern gefallen, einige dürfte es eher abschrecken, denn teils ist die Geschichte wirklich verwirrend und man muss es schon sagen - einfach nur übertrieben. Dafür gibt es Bücher vom Schlag eines "Unsichtbar" wiederum nicht häufig und wir entscheiden uns für eine Empfehlung mit ein paar Ecken und Kanten.

4 von 5 Punkten

Wir danken Rowohlt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.