Montag, den 25. Mai 2009 um 19:09 Uhr

Piper
Pappband, 320 Seiten
ISBN: 9783492249935
10,00 €
Ein kurzer Einblick
Paul West, ein junger Engländer, kommt für seinen Job in die französische Hauptstadt und findet heraus, wie die Franzosen wirklich sind: Sie essen Unmengen Schimmelkäse, misstrauen allen, die nicht französisch sprechen, und – oui, sie küssen sich den ganzen Tag! Dieser Bestseller ist ein genial komischer Bericht über die Freuden und Qualen eines verliebten Engländers in Paris.
Unsere Bewertung
Dass Franzosen ein sehr eigenwilliges Volk sind, ist nichts neues und dass es viele viele Frankreichklischees gibt, auch nicht. Der Franzose im schwarz-weiß-gestreiften Pullover mit Baskenmütze auf dem Kopf, im Arm ein Baguette, eine Flasche Wein und einen Camembert – wer nicht direkt an ihn denkt, will wohl vor allem politisch korrekt wirken.
Stephen Clarke bestätigt viele dieser Klischees, ganz besonders in Abgrenzung zur Lebensweise seines Ich-Erzählers Paul West als Engländer. Mal wird er als verklemmt bezeichnet, mal als unzivilisiert, weil er lieber Bier als Wein trinkt. Ganz zu schweigen von der fehlenden Esskultur ... Die einzelnen Kapitel in „Ein Engländer in Paris“ sind zwar chronologisch aufeinander aufgebaut, behandeln aber jedes für sich ein typisches Thema: Die „amour“, das „maison“ auf dem Land. Besonders herrlich ist es, wenn Clarke die französischen Kollegen Englisch reden lässt, in dem für Franzosen typischen Akzent (der in der Übersetzung mehr an das Deutsche angepasst ist – logischerweise), in dem „Canterburry“ mal eben „Kanterbörri“ oder „Frankreich“ zu „Fronkreisch“ wird. Ist das Buch anfangs jedoch noch eine schöne Erzählung typischer Erlebnisse eines Ausländers im Gastland, mutiert es gegen Ende leider immer mehr zu einer Beziehungskiste. Frau reiht sich an Frau, Paul West ist ständig auf der Suche nach der Liebe – das ist wirklich zu viel des Guten und nimmt dem Buch viel zu viel von seiner Unterhaltsamkeit.
Trotzdem ist „Ein Engländer in Paris“ ein sehr unterhaltsames Buch, das besonders für Frankreichfans lesenswert ist. Die französischen Ausdrücke zwischendrin werden meist sofort übersetzt oder erklären sich durch den Kontext (z.B. das „maison“ auf dem Land), Französischkenntnisse sind also nicht zwingend notwendig, machen das Lesen wohl aber noch amüsanter.
3 von 5 Punkten



Wir danken dem Piper Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.



