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Rowohlt
Hardcover, 256 Seiten
ISBN: 978-3-498-06389-4
19,90 €
(Das Buch ist auch als Taschenbuch bei Rowohlt erhältlich)




Ein kurzer Einblick

Es ist der 1. Januar in einem nicht näher bezeichneten Land. Etwas, wofür es kein Beispiel in der Geschichte gibt, geschieht: An diesem Tag stirbt niemand. Und auch am folgenden Tag nicht, und am darauffolgenden. Selbst die Königinmutter, bei der es aussah, als würde sie den Jahreswechsel nicht mehr erleben, verharrt im Sterben. Der Tod streikt, so eine Reporterin. Die Regierung scheint entschlossen, den sich anbahnenden demographischen Problemen die Stirn zu bieten; die katholische Kirche ist in ihren Grundfesten erschüttert, denn ohne Tod keine Auferstehung. Die Gesellschaft spaltet sich: einerseits die Hoffnung, ewig zu leben, andererseits der Schrecken, nie zu sterben. Eines Tages findet der Direktor des nationalen Fernsehens einen Brief auf dem Tisch (der Umschlag ist violett, offenbar von einer Frau beschriftet), von dessen Inhalt er umgehend den Ministerpräsidenten in Kenntnis setzt …



Unsere Bewertung


Das Szenario, das Saramago in seinem Roman „Eine Zeit ohne Tod“ zeichnet ist innovativ und interessant – wieder einmal ein „Was wäre wenn“, ein Grübeln über Möglichkeiten und über das „Was würde ich tun?“. Niemand stirbt mehr – ein scheinbar paradiesischer Zustand, der aber Schrecken birgt. Die Menschen sind maßlos überfordert, es bricht Chaos aus, niemand weiß so recht weiter. Das, was man zunächst als positiven Winkelzug des Schicksals gesehen hat, entpuppt sich als Falle. Natürlich sind vor allem Krankenhäuser, Altersheime und Bestattungsunternehmen von diesem Chaos betroffen, aber auch die Familien, die mit ihren Alten belastet werden, die nicht tot, aber auch nicht lebendig sind, die knapp an einer Klippe stehen ohne zu fallen.

Dieses Szenario bricht allerdings in sich zusammen, als man erfährt, was dahinter steckt. Der im Klappentext erwähnte Brief bringt Licht ins Dunkel und wirft gleichzeitig noch mehr Fragen auf. Hat man seinen Terry Pratchett gelesen, fragt man sich beispielsweise, ob Saramago diesen auch gelesen und sich davon inspirieren ließ. Dann fragt man sich, wieso es notwendig ist, ein abstraktes Wesen wie den Tod so dermaßen zu vermenschlichen und zu personalisieren wie Saramago es im zweiten Teil von „Eine Zeit ohne Tod“ macht. Das Buch macht einen riesigen Sprung, ein regelrechter Riss vollzieht sich und auch stilistisch verliert es einiges. Schade, denn das Ausgangsszenario ist wirklich (mal wieder und wie immer) ausgezeichnet überlegt und verspricht so viel – leider hält es nicht ganz, was es verspricht ...




3 von 5 Punkten





Wir danken dem Rowohlt Verlag für das uns zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Comments

avatar Jasna
0
 
 
Ich stecke immer noch im zweiten Teil fest und habe mir vorgenommen, das Buch zu Ende zu lesen.
Aber es ist wie du beschreibst: Toller Anfang und dann nix mehr.
Und ein Tod ohne Binky ist nix... ;)
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