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Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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Carlsen
Klappenbroschur, 224 Seiten
ISBN: 978-3-551-78976-1
14,90 €

 

Ein kurzer Einblick

In acht Kurzgeschichten erzählen Ryuichiro Utsumi und Jiro Taniguchi alltägliche Episoden, die das menschliche Miteinander zum Hauptthema haben: Sei es ein Baum, der die Menschen erfreut, ein Wiedersehen nach langer Zeit oder eine Versöhnung zwischen den Nationalitäten.

Bewertung

Mit dem Begriff „Manga“ assoziiert man meistens Figuren mit riesigen Augen und tausend Fragezeichen über dem Kopf – oder sogar statt der Augen. Sailor Moon, Dragonball oder Pokémon, alles sehr „kawaii“ (niedlich) und pop-lastig. Dass es auch anders geht, beweisen Ryuichiro Utsumi und Jiro Taniguchi mit ihrem Manga „Von der Natur des Menschen“. Wenn auch vom Verlag als „Graphic Novel“ angepriesen, kann man das Werk durchaus als Manga einordnen, da bis auf ein paar erste Seiten alles in Schwarz/Weiß gedruckt ist und die großen, epischen Bilder fehlen, die eine Graphic Novel sonst ausmachen.

In acht kleinen Geschichten stehen alltägliche Begebenheiten im Vordergrund, alles realistische Ereignisse, in die man sich leicht einfühlen kann und die gleichzeitig auch die japanische Kultur und Denkweise etwas näher bringen. Der Zeichenstil Jiro Taniguchis ist sehr schön und man erkennt den individuellen Charakter einer Figur in ihren Gesichtszügen (was bei Mangas ja manchmal gar nicht so leicht sein kann!). Die Handlungen sind sehr pointiert und werden jedes Mal aufgelöst, manchmal kann man schon erahnen, worauf es hinauslaufen wird, oftmals jedoch wartet die Geschichte mit einer kleinen Überraschung auf. Besonders die letzte Geschichte, „Seine Heimat“, die von einer Französin erzählt, die einen Japaner geheiratet hat, ist ein solcher Fall. An ihrem Ende kommt es nicht nur zu einer Versöhnung zwischen zwei Menschen, sondern sogar zu einer zwischen zwei Nationalitäten, zwei Kulturen. Oder die Geschichte einer Schwester und eines Bruders, die sich nach vielen Jahren wieder sehen und in der sich die Schwester an eine frühere Begegnung erinnert, die sie schließlich zur Versöhnung mit ihrem Bruder bewegt.
Da die Geschichten realistisch gestaltet sind und von Gefühlen erzählen, wie sie jeder vielleicht schon einmal empfunden hat (Stolz, Liebe, Vergebung, Versöhnung, Traurigkeit), kann man sich umso mehr in die Charaktere einfühlen und sogar zu Tränen gerührt werden.

 

Fazit

„Von der Natur des Menschen“ vereint große Gefühle und Alltäglichkeit mit schönen Bildern. Ein Manga fernab von den niedlichen Klischees und mit viel Herz.

 

 

5 von 5 Punkten