Freitag, den 16. Dezember 2011 um 12:43 Uhr

Ehapa Manga & Anime
Taschenbuch, 176 Seiten
Altersempfehlung: ab 16
ISBN: 978-3-7704-7084-6
6,50 €
Ein kurzer Einblick
Kicho und Kagero sind wie Hund und Katz und dennoch können sie irgendwie nicht ohne einander. Die beiden jungen Männer sind Geishas im Rotlichtviertel Hanafuriro, wo die Gefühle niemanden interessieren ...
Bewertung
Das prinzipielle Problem bei der Definition des Berufes der „Geisha“ war eigentlich immer eines unseres Kulturkreises, in dem man oft denkt, dass diese Frauen Prostituierte sind. Doch Geishas sind Unterhaltungskünstlerinnen, die höchstens in Ausnahmefällen auch zur persönlicheren Unterhaltung eines Mannes da sind. Dass dieses Denken aber auch in einem japanischen Manga umgesetzt wird, ist etwas seltsam. Die Männer im Rotlichtviertel Hanafuriro sind mehr Prostituierte als Geisha, auch wenn sie einen Kimono tragen und als Geisha bezeichnet werden. Männliche Geishas gab es tatsächlich, das passt durchaus ins Bild dieser Zeit – aber die Jeans des jungen Kicho weniger, ebenso die Hochhäuser in der Skyline der Stadt. Entweder ist hier der Verlag einem Irrtum aufgesessen, wenn er schreibt, dass der Manga im 18. Jahrhundert spielt oder die Mangaka hat im Geschichtsunterricht geschlafen (oder liebt es einfach nur, ihre Leser zu verwirren). Verwirrend sind auch die beiden Protagonisten, Kicho und Kagero. Ist ersterer noch ziemlich deutlich als Mann auszumachen, wird Kagero in die Rolle eines Mädchens gedrängt. Kicho bezeichnet ihn als „Prinzessin“, flechtet ihm Zöpfe und auch Kageros Gesicht erinnert eher an das einer Frau, weswegen der junge Kicho bei ihrem Kennenlernen auch direkt mal unter den Kimono des anderesn Jungen schaut, um sicher zu gehen. Kichos und Kageros "Beziehung" zueinander ist tabu, weil die Geishas untereinander nicht miteinander verkehren dürfen. Bis auf eine Ausnahme hält sich Kicho dann auch daran, was Kagero in seiner Verliebtheit nicht verstehen kann, weil er von Kicho nur Ablehnung erfährt.
Zwar ist der Manga noch nicht dem Hentai (pornographische Manga) zuzuordnen – immerhin hat er noch um die Sexszenen eine Story herum, aber Shonen Ai ist er schon lange nicht mehr, denn von romantischer Beziehung kann hier kaum die Rede sein. Die Story scheint nur ein Vorwand zu sein, um überhaupt etwas zu erzählen und ist dementsprechend sehr schwach und wenig packend. A propos Sexszenen: Die sind eher ordinär und grenzen fast an Vergewaltigungsszenen, weil Kagero trotz seiner Verliebtheit zu Kicho nie ganz freiwillig daran teil hat. Er ist eine Geisha wider Willen und zeigt das auch seinen Freiern mehr als deutlich.
Übrigens: Die Kategorie „adult“ (für den Verlag bedeutet das „ab 16 Jahren“) haben sich die „Kimono Boys“ wirklich verdient. Zu diesem Manga sollten nur Erwachsene (nicht schon Teenies von 16 Jahren!) greifen, denn inzwischen sollte ja bekannt sein, dass die japanischen Comics ganz und gar nicht nur den Kindern vorbehalten sind, so wie das meist in unserem Kulturkreis der Fall ist.
Fazit
„Kimono Boys“ ist zwar ganz nett gezeichnet, entbehrt aber einer tiefer gehenden Story und wirkt oftmals ordinär. Hier geht es um Unterwerfung und nicht um Liebe. Die angebliche historische Story wird durch Anachronismen aufgebrochen, so dass man nicht mehr weiß, in welcher Zeit man sich hier noch bewegt.
1,5 von 5 Punkten
Wir danken Ehapa Manga & Anime für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.



