Montag, den 28. Juni 2010 um 20:03 Uhr

Penhaligon
Hardcover, 448 Seiten
ISBN-10: 3764530111
18,95 €
Der Inhalt
Es ist eine grausame Welt, in der der Junge Stolperzunge heranwächst. Und der mörderische tägliche Überlebenskampf lässt sich auf eine schlichte Formel reduzieren: essen — oder gegessen werden. Es ist eine Welt, in der sich alles um die Jagd auf andere vernunftbegabte Kreaturen oder den schrecklichen »Fleischhandel« dreht — ein Dasein, in dem schon der geringste Fehler den sicheren Tod bedeutet. Und für Stolperzunge, der zu Unrecht als einfältig und daher als Gefahr für seinen Stamm gilt, sieht die Zukunft besonders düster aus. Doch ausgerechnet an dem Tag, an dem der junge Jäger von seinem eigenen Bruder heimtückisch verraten wird, fällt eine seltsame und unerhört schöne Frau vom Himmel. Ein Ereignis, das nicht nur Stolperzunges Schicksal für immer verändern wird, sondern auch das seines gesamten Stammes ...
Unsere Wertung
"Die Kuppel" ist kein Werk, das auf der 0815-Schiene der zeitgenössischen Fantasy seine Runden dreht. Sprich, man kann sich bereits von lieben Elfen, mutigen Zwergen und dummen Orks verabschieden und auch die Vampir-Liebes-Beziehungen haben (endlich) mal Sendepause. Stattdessen heisst es ran an die Arbeit! Welche Arbeit? Man muss sich zunächst einmal in diesem geschaffenen Universum zurechtfinden, denn obwohl O Guilin das Rad nicht neu erfindet und viele Aspekte dieses Romans bekannt sind (dazu später mehr), wirken die fremdartigen Kreaturen und Bewohner der Kuppel wie die sprichwörtlichen Marsmännchen, die zum ersten Mal auf Mutter Erde landen und etwas komisch, wenn auch neugierig, beäugt werden. Das Gleiche gilt für die Welt, die von der Struktur her etwas einem Schachbrett ähnelt - sie ist zwar nicht in "Quadrate" aufgeteilt, allerdings gibt immer klare Grenzen, wo sich andere Kreaturen ansiedeln und den berühmtberüchtigten Fleischhandel treiben oder den Nachbar"staaten" nicht so wohlgesonnen sind und lieber Kriege führen. Diese soziologischen Aspekte gepaart mit Emotionen (Angst, Hass, Liebe) und dem Überlebensinstinkt einer solchen Gesellschaftsform kennt man hingegen als Leser natürlich nicht nur aus Romanen, sondern auch von unseren realen Begebenheiten.
Die Charaktere sind keine "Kuschelprotagonisten", mit denen man sich schnell identifiziert und sie allesamt lieb gewinnt. Dazu ist das Buch einfach von der Struktur her zu anders aufgebaut - hier geht es um den Überlebenskampf, der vor allem im ersten Teil des Romans mit den Jagden, dem Fleischhandel und der Lebensweise von Stolperzunges Volk aufgezeigt wird. Im Laufe der Zeit erleben wir mit der Ankunft Indranis (die "schöne Frau vom Himmel" aus der Inhaltsangabe) einen neuen Part, der eine Charakterentwicklung beinhaltet, eine Art "Queste" mit langem Weg und gen Ende einer Erklärung, was es mit dieser Kuppel eigentlich auf sich hat. Kenner werden sich jene Erklärung bereits nach der Hälfte des Romans einigermaßen zusammen gereimt haben. Letztendlich erschafft der Autor einen Roman, der nicht in der typischen Massenware der Fantasy zu finden ist. Es ist keine leichte Lesekost, die auf den Leser zukommt. Man muss sich zunächst einmal mit jenen Ideen und vor allem der Welt anfreunden, die uns vorgelegt wird. Wer diesen Schritt hinter sich gebracht hat und interessiert weiterliest, wird einen ansehnlichen Roman erhalten, der mal ohen Dämonenfürsten oder "dunklen Bedrohungen" auskommt.
3,5 von 5 Punkten
Wir danken Penhaligon für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.




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