Samstag, den 29. Oktober 2011 um 17:57 Uhr

Knaus Verlag
Gebunden, 432 Seiten
über 100 Illustrationen
ISBN: 978-3-8135-0393-7
24,99 €
Ein kurzer Einblick
Über zweihundert Jahre ist es her, seit Buchhaim, die Stadt der Träumenden Bücher, von einem verheerenden Feuersturm zerstört worden ist. Der Augenzeuge dieser Katastrophe, Hildegunst von Mythenmetz, ist inzwischen zum größten Schriftsteller Zamoniens avanciert und erholt sich auf der Lindwurmfeste von seinem monumentalen Erfolg. Er gefällt sich im täglichen Belobhudeltwerden, als ihn eine verstörende Botschaft erreicht, die seinem Dasein endlich wieder einen Sinn gibt.
Bewertung
Asche auf mein Haupt, denn bisher hatte ich noch nichts von Walter Moers gelesen. Doch – den „Blaubär“ habe ich angefangen und nicht lustig gefunden und wieder weggelegt. „Die Stadt der träumenden Bücher“ ist so dermaßen ein Kultbuch, dass man sich irgendwann fast nicht mehr ran traut – alle mögen ist, was ist, wenn man selbst es nicht mag? Deswegen bin ich recht jungfräulich an „Das Labyrinth der träumenden Bücher“ herangegangen, was man ebenso als einen Vor- als auch einen Nachteil ansehen kann.
Hat man den Klappentext gelesen, hat man eigentlich auch schon gleich das gesamte Buch gelesen, denn viel mehr passiert darin leider nicht. Hildegunst kehrt, nachdem er eine Botschaft erhalten hat, nach Buchhaim zurück und danach verliert die Handlung sich in einer Handlungsarmut, die beinahe schon an Betrug am Leser grenzt. Die Illustrationen sind toll, auch die Aufmachung des Buches ist sehr gelungen, die verschiedenen Schriftbilder, dass das Buch so lebendig ist – doch all das scheint beinahe Augenwischerei zu sein. Statt dass Hildegunst wirklich in Ereignisse verstrickt wird, lässt er das Geschehen mehr an sich vorbei ziehen und sitzt beispielsweise über achtzig Seiten lang im Puppentheater, um daraufhin den sogenannten „Puppetismus“ zu studieren und sich in Theorien zu ergehen, die die Handlung aber leider überhaupt nicht vorantreiben. Die Zusammenfassung der Handlung des Vorgängers „Die Stadt der träumenden Bücher“ ist mehr verwirrend als dass sie Klarheit stiftet und für Leser, die das Buch schon gelesen haben, wahrscheinlich sehr ermüdend.
Zu den Charakteren kann man außerdem schwer eine Verbindung aufbauen. Ob es daran liegt, dass ich den Vorgänger nicht gelesen habe, kann ich natürlich (noch) nicht beurteilen, aber es mag sein, dass selbst Fans hier ihre Schwierigkeiten haben werden. Irgendwann freut man sich nicht mehr über neue bzw. altbekannte Charaktere (deren Auftauchen sich sowieso in Grenzen hält), weil man eines begriffen hat: Eine überraschende Wende bringen sie ohnehin nicht ... Auch die Anspielungen auf Personen und Geschehnisse in Kunst und Kultur machen kaum etwas gut, sie gehen oftmals unter, weil man von der Fülle von Namen erschlagen wird. Nur an einer Stelle musste ich schmunzeln: Als Hildegunst verzweifelt versucht, einen normalen schwarzen Kaffee in einem Café zu bestellen, das stark an Starbucks erinnerte.
So hart es auch klingt: Bei diesem Buch genügt es, wenn man von den insgesamt 432 Seiten nur hundert liest, am Anfang ein bisschen, ein bisschen vom Mittelteil und den Schluss. Und den Epilog vom „Übersetzer“ Walter Moers, der das bisher geschriebene als bloße „Ouvertüre“ bezeichnet – den Lesern gegenüber ist so etwas aber nicht zu rechtfertigen. Dafür ist das Buch zu teuer und Lesezeit zu kostbar, um sich mit solch einer Handlungslosigkeit rumschlagen zu müssen.
Fazit
„Das Labyrinth der träumenden Bücher“ enttäuscht auf ganzer Linie. Hätte Moers Mut zur Kürzung gezeigt, hätte er durchaus ein einziges Buch aus den beiden Nachfolgern der „Stadt der träumenden Bücher“ machen können. Der dritte Band, der noch in Planung ist, muss da einiges wieder gut machen! Weil das Buch aber so liebevoll aufgemacht und wirklich ein Genuss fürs Auge ist, gibt es noch
2 von 5 Punkten


Wir danken dem Knaus Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.



