Dienstag, den 08. November 2011 um 12:49 Uhr

Droemer
Paperback, 464 Seiten
ISBN: 9783426226001
16,99 €
Ein kurzer Einblick
In einem Labor experimentieren Wissenschaftler mit einer überlegenen künstlichen Intelligenz – bis sie beginnt, sich zu wehren: ARCHOS bringt sämtliche Maschinen der Welt unter seine Kontrolle, vom kleinsten Computer bis zum tödlichen Waffensystem. Die Robocalypse bringt die Menschheit an den Rand der Auslöschung – doch die Maschinen haben nicht mit dem Mut der Menschen gerechnet… (Verlagstext)
Bewertung
Künstliche Intelligenzen, die von Menschenhand erschaffen oder "gerufen" wurden und nun die Hand gegen ihren Schöpfer erheben? Maschinen gegen Menschen? Wer nun bereits abwinkt und "alter Hut" ruft, sollte die Vorurteile ein wenig zurückhalten. Sicherlich ist die Grundidee alles andere als neu. Die Problematik, die zwischen Menschen und Maschinen (wenn diese eine gewisse Reife erreichen) entstehen kann, zeigten bereits unzählige Schriftsteller wie auch Filmemacher auf und nicht immer muss es in einem Hau Drauf-Actionspektakel wie "Terminator" enden. Doch obgleich die Inhaltsangabe wenig Neues vermuten lässt, kommen wir doch von den "Robo-Stories" nicht wirklich los und Utopie oder Dystopie, - der Neugier, einem der stärksten Elemente im Menschen, können wir nicht entfliehen.
Dass Daniel H. Wilson bekannte Literaturschienen verlässt, fällt bereits relativ früh auf. Der gesamte Roman und somit der Plot ist nämlich in einzelne Kapitel gepackt, die auf den ersten Blick unabhängig voneinander sind, letztendlich (nicht nur chronologisch) aber aufeinander aufbauen. Man bekommt also keine Gruppe von Rebellen oder Protagonisten serviert, die in einer Handlung von A bis Z Probleme meistern müssen, sondern durchlebt Berichte, Tagebucheinträge und Sequenzen, die während der "Roboterrevolution" überall auf der Welt geschehen sind. Dabei verlieren wir allerdings nicht den Draht zu den Charakteren, denn die kehren in insgesamt 34 Kapiteln immer wieder. Eine gute Entscheidung, denn letztendlich ist dies immer die Gretchenfrage bei weltumspannenden Romanen: Wie kann ich etwas so Gewaltiges aufzeigen, die Welt mit einbeziehen, ohne dass der Leser die Identität zu den Figuren und Handlungsabläufen verliert? Wilson spinnt geschickt die Fäden, die letztendlich ein kleines Kunstwerk ergeben, ein Netz voller Kapitel, durch die sich der Leser schlängelt und so mehr und mehr über ARCHOS, die Erhebung der Maschinen und den Widerstand der Menschen erfährt. lobenswert ist zu erwähnen, dass Wilson nicht den Roman nicht (nur) auf Action und Spannung getrimmt hat, sondern auch aktuelle "Probleme" einfließen lässt.
So beispielsweise mit dem Protagonisten Takeo Nomura, der sich nicht nur in einen Roboter names Mikiko verliebt, sondern auch ein alltägliches Leben mit ihm bzw ihr führt. Und auch in der Wirklichkeit hat ein japanischen Bürger mithilfe einer Petition bereits versucht eine zweidimensionale Anime-Figur zu heiraten. Die Nachricht ging um die Welt und auch wenn sie sich etwas von der Roman-Handlung unterscheidet, sind deutliche parallelen zu erkennen. Schließlich stellt Wilson die interessante Frage, was geschieht, wenn wir mehr und mehr Empathie zu Robotern entwickeln - bishin zur Liebe. Doch Leser, die eher Spannung bevorzugen, müssen nicht zurückstecken. Auch daran hat der Autor gedacht und viele Situationen geschildert, wo Menschen in Kämpfe verwickelt sind. Die Balance zu halten zwischen Action und letztendlich nachdenklich machenden Szenen, ist wahrlich nicht einfach und Daniel H. Wilson hat dies geschafft.
Fazit
Man muss sich als Leser trotz der gewissen, geschilderten Aktualität damit anfreunden, dass wir uns in diesem Roman doch in nicht allzunaher Zukunft befinden. Denn noch laufen keine Haushaltsroboter durch die Gegend, die sich gegen die Menschen erheben könnten, noch lassen sich nicht die Autos fernsteuern und noch benutzt selbst das Militär keine Maschinen auf zwei Beinen, die in Krisengebieten Aufträge ausführen. Wohlgemerkt: Noch. Ansonsten erlebt man als Leser einen stimmungsvollen Roman, der eine interessante Handlungsstruktur besitzt, dadurch auch keine Längen aufweist und sowohl einen gewissen Grad zu aktuellen Problemen aufweist, als auch die erwartete Spannung eines guten SciFi-Romans (oder doch Fantasy?) aufzeigt. Wollen wir hoffen, dass "Robocalpyse" wirklich in einer nicht zu nahen Zukunft spielt ...
4,5 von 5 Punkten
Wir danken Droemer für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.



