Montag, den 19. Januar 2009 um 19:44 Uhr

Droemer/Knaur
702 Seiten
ISBN-13: 9783426662496
Euro 16,90
Ein kurzer Einblick
Reichsstadt Tremmlingen im 14.Jahrhundert: Hier führt die junge und schöne Tilla als Tochter eines wohlhabenden Kaufherrn ein behütetes Leben. Da stirbt ihr Vater – und verfügt in seinem Testament, dass sein Herz in Santiago de Compostela in der Nähe des Apostels Jakob begraben werden soll ...
Tillas Bruder schert sich jedoch nicht um den letzten Willen seines Vaters und um dessen Wunsch, seine Tochter mit Damian, dem Sohn des Bürgermeisters, zu verheiraten. Stattdessen zwingt er seine Schwester zur Ehe mit seinem besten Freund, dem ärgsten Feind des Stadtoberhaupts. Doch noch in der Hochzeitsnacht stirbt Tillas ungeliebter Ehemann, und seine Verwandten wollen die junge Witwe in den Wahnsinn treiben. Tilla hat nur eine Chance: Sie muss fliehen! Als Mann verkleidet verlässt sie ihre Heimatstadt – im Gepäck das Herz ihres Vaters. Ihr Ziel heißt Santiago de Compostela ...
Unsere Bewertung
Iny Lorentz schreibt bevorzugt über die untypische Frau des Mittelalters wie sie im Buche steht: selbstbewusst, vorlaut und wissensdurstig. Sie lässt sich nichts oder zumindest wenig von Männern sagen und will nicht abhängig von ihnen sein. Dieser Heldinnentyp durchzieht das Genre der historischen Romane schon seit Jahren. Geschichten von selbstbewussten Frauen werden sowieso gerne gelesen und wenn diese es sogar schon im Mittelalter wagen, ihren eigenen Weg zu gehen, umso mehr. Leider nutzt sich dies dann aber auch irgendwann ab und Tilla nervt oftmals mit ihrer etwas forschen Art.
Etwas nervig bei “Die Pilgerin” sind auch die dauernden sprachlichen Wiederholungen. Dauernd bleckt irgendjemand die Zähne und dauernd verschwinden irgendwelche Leute miteinander in den Büschen. Ab und an ist so etwas auch in Ordnung, aber bitte nicht den ganzen Roman durch! Dadurch rutscht die Geschichte stellenweise auch ins Lächerliche ab und das ist eigentlich ziemlich schade, weil die Geschichte trotz “zäher” Stellen vor allem glaubwürdig und auch unterhaltsam ist. Der Lesespaß verliert also nur aufgrund dieser Floskeln einen Punkt.
Auch wenn die sprachliche Originalität auf der Strecke zu bleiben scheint, haben wir die Geschichte von Tilla bei der Bewertung nicht in den unteren Bereich gesteckt.
Iny Lorentz liefert einen soliden Roman ab, der unterhält, es aber alles in allem nicht in die Oberliga schafft; dafür leidet der Lesespaß einfach zu sehr an den Floskeln und einigen zähen Stellen wie dem Zwischenstopp im Tal und die Geschichte ist zu einfach gestrickt.
2 von 5 Punkten


Wir danken Droemer Knaur für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.




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