Mittwoch, den 09. Februar 2011 um 14:08 Uhr

Blanvalet Verlag
gebunden mit Schutzumschlag
416 Seiten
ISBN: 978-3-7645-0289-8
19,99 €
Ein kurzer Einblick
Schottland, 11. Jahrhundert: Zwei Frauen kämpfen um ihr Glück – und um die Liebe... Durch schicksalhafte Umstände verschlägt es die Schwestern Margaret und Christina an den Hof des schottischen Königs Malcolm. Während die schöne Margaret sogleich das Interesse des Königs auf sich zieht, fühlt sich die jüngere Christina allein gelassen und zieht sich immer mehr in sich selbst zurück. Doch als die vergötterte große Schwester einem Fluch zum Opfer fällt, der auf einem geheimnisvollen Stundenbuch liegt, kommt wieder Leben in Christina. Um der Schwester zu helfen, nimmt sie das Buch an sich und verlässt die Burg. Gemeinsam mit dem jungen Mönch Nial begibt sie sich auf eine abenteuerliche Reise bis zum Ursprung des Fluches. Doch um das Leben Margarets retten zu können, muss Christina eine schwere Entscheidung treffen und ein großes Opfer bringen. Farbenprächtig, fesselnd, dramatisch – eine abenteuerliche Reise zweier ungleicher Schwestern!
(Verlagstext)
Unsere Bewertung
Eigentlich fängt die Geschichte gut an: Zwei Schwestern, die es durch historisch authentische Begebenheiten an den schottischen Hof verschlägt, müssen nun mit einem komplett anderen Leben zurechkommen, als sie es gewohnt sind. Die Beziehung der Schwestern nimmt grade im ersten Teil des Romans viel Raum ein. Leider gelingt es Dagmar Trodler jedoch nicht, die Gefühle der jungen Frauen - und gerade der Hauptprotagonistin Christina - nachvollziehbar zu schildern. Es wird zwar von Gefühlen und Gedanken berichtet, aber sich in die Figuren reinzufühlen, ist nicht möglich. Es fehlt hier eindeutig an Intensität.
Das scheint leider das Hauptproblem der Geschichte zu sein. Christina begibt sich auf eine abenteuerliche Reise, doch scheint sie nur von Episode zu Episode zu reiten. Die Ereignisse bleiben teilweise zusammenhangslos, vor allem gewinnt man aber den Eindruck, dass die Autorin versucht hat, möglichst viele Ereignisse und Personen unter zu bringen. Darunter leidet dann der Lesegenuss.
Was man beim Lesen dieses Buchs vor allem braucht, ist Geduld und Toleranz für das Christentum. Jedes Kapitel beginnt mit einem Bibelzitat und auf fast jeder Seite finden sich endlos anmutende auf Latein rezitierte Gebete. Man muss sich darauf einstellen, dass die Protagonistin es nicht nur mit einm verfluchten Buch zu tun hat, aus dem die apokalyptischen Reiter entspringen und sie verfolgen. Es kommt auf vor, dass Kämpfer plötzlich auf die Knie sinken und beten, statt weiter anzugreifen. Christinas "Reinheit" ermöglicht ihr hier oftmals den Weg des geringsten Widerstandes, obwohl die Spannung grade auf dem Siedepunkt sein könnte. Die Auflösung des Fluchs ist dann wieder von Gebeten und einem Ritual gekrönt, dass einem Exorzismus gleicht.
An vielen Stellen wird von Christinas Heilkundigkeit und dem ungarischen Glauben vom táltos gesprochen, aber auch hier fehlt es an Tiefgründigkeit. Gerade dieser Einblick in eine völlig andere Glaubenswelt, wäre ein interessanter Punkt gewesen, den man weiter hätte verfolgen können. Leider beschränkt sich Dagmar Trodler hier weitgehend auf die Schilderung von Christinas Beziehung zu Pferden. Auf diesem Gebiet wird die Sachkundigkeit der Autorin sehr deutlich, aber manchmal erscheint die ausführliche Schilderung des Pferdeverhaltens an einigen Stellen übertrieben. Viel lieber würde man sich Einblicke in Christinas Seele wünschen, um sich mit ihr identifizieren und mit ihr hoffen zu können.
Ebenso ist die Liebe zwischen Nial und Christina für die Leserin oder den Leser überhaupt nicht nachvollziehbar. Eine Liebe auf den ersten Blick kann ein romantischer Einstieg sein, doch scheint die Anziehung zwischen beiden nicht auf festem Boden zu stehen. Den ganzen Roman über lernen sie sich nicht wirklich kennen. Sie wissen fast nichts übereinander, lieben sich aber bedingungslos. Das scheint nun doch etwas unrealistisch und auch langweilig, da substanzlos.
Eigentlich ist es bedauerlich, dass diese Geschichte nicht wirklich fesseln kann, denn Trodlers Schreibstil ist und bleibt lesenwert und angenehm. Auch die Ansätze und Ideen sind vielversprechend, aber leider etwas seicht umgesetzt.
2 von 5 Punkten


Wir danken Blanvalet für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.
Unsere Rezension zu "Die Rose von Salerno".



