Sonntag, den 04. Oktober 2009 um 16:16 Uhr

Droemer
Hardcover, 768 Seiten
ISBN: 3-426-19751-0
22,95 €
Ein kurzer Einblick
Lissabon 1528: Die zwangsgetaufte Jüdin Gracia verachtet ihren Mann, denn in ihren Augen verleugnet er seinen Glauben. Trotzdem versündigt sie sich, um ihn vor der Inquisition zu retten. Doch zu spät: Mit ihrer Tochter flieht die junge Frau durch ganz Europa. Ihr Ziel ist ein Ort, an dem sie ihren Glauben frei ausüben kann. Dafür riskiert sie ihr Leben und das Glück der Menschen, die sie liebt. Doch darf man für die Liebe zu Gott die Liebe zu den Menschen opfern?
Unsere Bewertung
In seinem Nachwort schreibt Peter Prange davon, wie schwierig es war, die Protagonistin Gracia „lesertauglich“ zu machen, da die historische Gracia eine erfolgreiche, unabhängige und mächtige Frau gewesen war, die vielleicht weniger sympathisch ist. Ein wenig ist von dieser Antipathie geblieben, denn besonders gegen Ende hin bewegt sich Gracia immer mehr zum religiösen Fanatismus hin. Mit ihrer Familie, vor allem ihrer Schwester, gegenüber zeigt sie sich nicht immer von ihrer guten Seite, doch trotzdem ist sie eine interessante Persönlichkeit, von der man mehr erfahren möchte – und was kann einem Romanschreiber besseres passieren?
Die Verstrickungen, in denen sich die Handlung bewegt, sind oftmals etwas verwirrend und die historische Chonologie hilft etwas, den Überblick zu behalten. Die Nebenhandlungen bringen die eigentliche Haupthandlung ab und an vom Kurs ab – deswegen die Schwierigkeit, den Überblick zu behalten – aber konzentriert man sich auf Gracia, macht es Spaß, ihr Leben mit ihr zu erleben.
Prange hat es außerdem geschafft, trotz der unsympathischen Seiten Gracias, einen Charakter zu schaffen, mit dem man gerne die über 700 Seiten verbringt. Nicht auszudenken, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre ... Leider bleibt die Geschichte stellenweise etwas stehen und man muss Geduld mitbringen, bis es wieder flüssig weitergeht.
Das Thema an sich wird noch interessanter, weil es nicht ausgelutscht und tausendmal behandelt ist und man Neues erfährt im Bereich der historischen Romane.
Aufgrund der stellenweisen Längen und des ab und zu verlorengegangenen Überblicks nur
3,5 von 5 Punkten
Wir danken Droemer Knaur für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.



