Dienstag, den 05. Januar 2010 um 10:49 Uhr

Lübbe
Gebunden, 907 Seiten
ISBN: 978-3-431-03791-3
24,99 €
Ein kurzer Einblick
England 1147: Eingesperrt in einer verfallenen Inselfestung, fristen sie ein menschenunwürdiges Dasein, weil sie nicht zu den Kindern Gottes zählen: Simon hat die Fallsucht. Edmund hält sich für einen toten Märtyrerkönig. Regy ist ein Mörder und so gefährlich, dass er an einer Kette gehalten werden muss. Losian hat sein Gedächtnis und seine Vergangenheit verloren. Ausgerechnet Letzterem fällt die Führung dieser sonderbaren Gemeinschaft zu, als eine Laune der Natur ihnen den Weg in die Freiheit öffnet. Er bringt die kleine Schar zurück in die "wirkliche" Welt, wo Hunger, Not und Rechtlosigkeit herrschen. Auf ihrer Reise gelangt er zu erschreckenden Erkenntnissen über den Mann, der er einmal war. Und gerade als er einer Frau begegnet, mit der ein Neuanfang möglich scheint, beginnt Losian zu ahnen, dass er die Schuld an dem furchtbaren Krieg trägt, der England zugrunde zu richten droht ...
Unsere Bewertung
Seltsame Gestalten sind es, die den Mittelpunkt von Rebecca Gablés neuem Roman „Hiobs Brüder“ bilden. Der eine ein verrückter Priester, der sich für einen Heiligen hält, die anderen siamesische Zwillinge, der andere ein psychopathischer Mörder, der an Hannibal Lecter erinnert. Da ist ihr „Anführer“ Losian noch nahezu normal ...
Es ist ein Szenario, das nicht ganz so klassisch im Genre ist und das verdient dicke Extrapunkte. Man ist sehr neugierig, was mit diesen Charakteren geschehen wird, weil diese Konstellation so ungewöhnlich ist, anders als die jungen Adligen, die meist die Protagonisten historischer Romane sind oder die jungen emanzipierten Frauen, die der Welt die Stirn bieten. Hier ist ein Blick auf eine Bevölkerungsschicht möglich, den man sonst nicht so leicht zu sehen bekommt.
„Hiobs Brüder“ ist mit „Das zweite Königreich“ verbunden, aber dazu soll nicht allzu viel verraten werden – man muss das Buch jedoch nicht gelesen haben, um „Hiobs Brüder“ verstehen zu können.
Es spielt zwei Generationen nach den Ereignissen von „Das zweite Königreich“ und spielt zur Zeit des Bürgerkrieges, in dessen Zug Henry Plantagenet schließlich den Thron bestieg (vereinfacht gesagt). Wie immer bei Gablé treten sowohl fiktive als auch historische Personen auf und die einen sind so lebendig wie die anderen gezeichnet – besonderes Schmankerl ist Eleonore von Aquitanien, Henrys zweite Frau, der man so einiges an Gerüchten bis heute nachsagt und von denen wohl auch das ein oder andere stimmt ...
Spannend und unterhaltsam bis zum Schluss ist „Hiobs Brüder“ ein idealer Schmöker für die kalten Wintertage. Einen halben Punkt Abzug erhält das Buch nur, weil Losians Herkunft wieder zu „normal“ wirkt.
4,5 von 5 Punkten
Wir danken dem Lübbe Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.



