Samstag, den 03. Juli 2010 um 07:10 Uhr

Argon Verlag
8 CDs in Klappdeckelbox
Autorisierte Lesefassung, 511 Minuten
ISBN: 978-3-8398-1028-6
24,95 €
Ein kurzer Einblick
Fünfundzwanzig Jahre sind vergangen, seit die Vampirjäger um Professor Van Helsing den gefürchteten Dracula zur Strecke brachten. Doch der Friede ist trügerisch. In London geschehen grausame Morde. Irgendjemand scheint es auf diejenigen abgesehen zu haben, die damals an der Vernichtung des dunklen Grafen mitwirkten. Könnte es sein, dass der legendäre Dracula noch unter den Lebenden weilt?
Die offizielle Fortsetzung des unsterblichen Klassikers vom Urgroßneffen von Bram Stoker!
Unsere Bewertung
Hat man „Dracula – Die Wiederkehr“ gehört, bleibt man zweigespalten zurück. Einerseits ist die Geschichte ganz unterhaltsam, vorausgesetzt man schaltet den Kopf etwas aus und lehnt sich wie bei einem Hollywood-Action-Blockbuster im Sessel zurück. Denn so wirkt das Buch oftmals – wie eine Zusammensetzung aus mehreren Horrorklischees. Durch die vielen und oftmals starken Perspektivwechsel bleibt die Geschichte in Bewegung
Andererseits jedoch schreit es in einem ständig „Nicht das auch noch!“, denn das (Hör-)Buch ist vor allem eines: Zu viel es Guten. Da kommt einiges zusammen und der Kampf gegen Dracula entpuppt sich als Kampf gegen weitere klassische Horrorgestalten. Da tritt Gräfin Bathory, die Jungfrauenschlächterin, auf und der Name „Jack the Ripper“ (bzw. hier „Jack, der Schlitzer“!) fällt. Man wartet praktisch nur noch darauf, dass bald auch Frankensteins Monster oder Werwölfe auftreten ...
Interessant ist die Darstellung der Freunde, die einst gegen Dracula auszogen. Jonathan Haker ist zum Alkoholiker geworden, seine Frau Mina hat sich ihm entfremdet und trauert ihrem „dunklen Prinzen“ nach, Seward ist morphiumsüchtig, Arthur Holmwood hat sich abgekapselt und trauert um Lucy. Und alle haben sich entzweit. Die Ereignisse vor fünfundzwanzig Jahren haben natürlich ihre Spuren hinterlassen. Doch hier endet auch schon die interessante Figurendarstellung, denn bei van Helsing, Gräfin Bathory und Dracula hat das Autorenteam Stoker/Holt sich einiges in den Kopf gesetzt. Van Helsing wird zum Bösen degradiert, Dracula hingegen wird zum Gotteskrieger, der sich nur im Notfall von Menschenblut ernährt. Gräfin Bathory wird nur „die Bathory“ genannt, eine Adelung, die sie wohl kaum verdient hat, ist im deutschen Sprachgebrauch der Zusatz „die“ bei Frauen doch großen Gestalten wie Hildegard Knef oder Marlene Dietrich vorbehalten und nicht solchen Monstern ... Außerdem ist sie eine lesbische Sadistin – ganz zu schweigen davon, dass sie natürlich äußerst mächtig ist.
Minas und Jonathans Sohn Quincey, den man durchaus als Protagonisten bezeichnen könnte, wirkt dagegen blass und kann nicht wirklich überzeugen.
Die große Liebesgeschichte von Dracula und Mina gibt der Geschichte den Rest. War Dracula im Original ein mörderisches Monster, das Mina bedroht hat, wird er hier zum „dunklen Prinzen“ Minas, nach dem sie sich verzehrt. Da haben die beiden Autoren wohl schlecht recherchiert oder wollten der Originalgeschichte ein wenig Hollywoodflair einverleiben.
Sprecher Simon Jäger rettet hier einiges, seine Stimme passt sehr gut zur Story und es macht Spaß, ihm zuzuhören.
„Dracula – Die Wiederkehr“ ist als Vampirroman durchaus lesenswert, lässt man sich auf all die konfusen Ideen ein und erwartet keinen Glitzervampir. Als „offizielle“ Fortsetzung des Klassikers ist die Geschichte jedoch unwürdig und wirft zu viel durcheinander.
2,5 von 5 Punkten
Wir danken dem Argon Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.




Comments