Mittwoch, den 25. Mai 2011 um 21:43 Uhr

Argon Verlag
6 CDs, Laufzeit: 414 Minuten, ungekürzte Lesung
Sprecherin: Eva Mattes
ISBN: 978-3-8398-1094-1
24,95 €
Ein kurzer Einblick
Als Mias Mann Boris eine „Pause“ von der Beziehung braucht, bricht die Dichterin zusammen und erleidet einen Nervenzusammenbruch. Sie flüchtet in ihre Geburtsstadt, wo sie in der Nähe ihrer verwitweten Mutter lebt, und verbringt dort den Sommer mit Grübeln, dem Unterrichten von Teenagern und der Suche nach sich selbst.
Bewertung
Verlassen werden ist nicht leicht, doch bei Mia ist es doppelt schlimm: Ihr Mann will nur eine „Pause“ von der Ehe und diese Pause ist wesentlich jünger als seine Frau und seine Assistentin im Labor. Mia erleidet einen Nervenzusammenbruch, wird sogar psychiatrisch behandelt, nennt sich selbst „verrückt“, und flüchtet nach erfolgreicher Behandlung zu ihrer Mutter. In ihrer Geburtsstadt nimm sie die Stelle als Lehrerin für einen Sommerkurs an, bei dem sie einer Horde Mädchen im Teenageralter Gedichte nahe bringen will.
Die ständige Grübelei über ihren Mann ist zwar verständlich, wirkt dennoch etwas lächerlich, da sie Mia schwach erscheinen lassen, schwach wo sie es gar nicht sein müsste. Denn immer wieder hat man den Verdacht, dass Mia eine tolle Frau ist, die ein tolles Leben führen könnte – wenn sie sich nicht an ihren untreuen Gatten klammern würde. Ihre Versuche, ihre sexuelle Biographie zu rekonstruieren verlaufen genauso im Sand wie ihr Bemühen um die Mädchen, die sie unterrichtet. Alles scheint sinnlos zu sein und bleibt ohne Ergebnisse.
Immer wieder wirft Mia (oder Hustvedt?) mit Namen um sich, an manchen Stellen liest sich das Buch wie ein Lexikon von Literatur und Philosophie. Unkundige wird das verschrecken, Kundige höchstens langweilen, aber ganz sicher nicht beeindrucken. Solche Aneinanderreihungen bloßer Namen sind immer wieder anstrengend und bremsen den Erzählfluss.
Mia mag einen Sommer ohne die physische Anwesenheit von Männern verbringen, allerdings hat man oftmals das Gefühl, dass sie sich nur über ihren Mann definiert. Dauernd grübelt sie über ihn und seine Beweggründe, seine Gefühle und Gedanken nach, so dass ihre eigenen nichtig erscheinen, sogar geradezu lächerlich. Dies ist nicht das Portrait einer starken, unabhängigen, sondern von einer verlassenen, verzweifelten Frau, der mit dem Mann auch der Lebensinhalt gestohlen wurde. Immer wieder kommt der Verdacht der autobiographischen Parallelen zwischen Hustvedt und ihrer Protagonistin Mia auf, die immerhin im gleichen Alter sind und beide eine Tochter haben – könnte man aus dem Roman gar eine Art Krisenbewältigung herauslesen?
Fazit
„Der Sommer ohne Männer“ ist leider ein blasser Roman, der kaum einen großen Eindruck hinterlässt. Mia ist kein Charakter, mit dem man gerne ein Stück Lebensweg geht und den man mehr bedauert als dass man sich in ihn einfühlen könnte.
Pluspunkte gibt es – wie immer – für Eva Mattes, die das Buch in der ungekürzten Fassung (!) souverän liest.
2 von 5 Punkten


Wir danken dem Argon Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.



