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Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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Bastei Lübbe
Taschenbuch, 445 Seiten
ISBN 978-3-404-15913-0
8,95 €

Ein kurzer Einblick

Stockholm, 13. August 2002: Nach einer extremen Hitzewelle legt sich ein elektrisches Feld über die Stadt. Lampen können nicht mehr gelöscht, Maschinen nicht mehr ausgeschaltet werden. Die Menschen leiden unter mörderischen Kopfschmerzen, ein Chaos droht. Doch plötzlich ist alles wieder vorüber. Oder doch nicht? Irgendetwas ist verändert.
Als der pensionierte Journalist Gustav Mahler einen Anruf aus dem nahegelegenen Krankenhaus bekommt, will er nicht glauben, was ihm berichtet wird: Die Toten seien erwacht ...

Bewertung

Der Tod ist eines der heikelsten und  auch eines der wichtigsten Themen, die es für den Menschen gibt. Selbst wenn man noch keinen seiner Verwandten hat beerdigen müssen, das Thema wandert immer wieder an einem vorüber. Mit Blick auf die Kultur verschiedener Völker, wird deutlich, dass niemand daran vorüber gehen kann, ohne zumindest zu bemerken: Der Tod ist ein zerreißendes Ereignis, ein Ereignis, das Menschen trennt. Der Abschied von den Toten ist daher immens wichtig.
Aber wie reagiert man auf die Wiederkehr der Toten? Wie reagiert man darauf, wenn es eines Abends plötzlich an der Tür klopft, und der tote Opa vor der Tür steht? Unglaublich überraschend ist das definitiv. Und viele reagieren bestimmt mit Abwehr, rufen den Krankenwagen oder die Polizei. Es ist alles andere als einfach, tote Verwandte erneut in der Familie herzlich willkommen zu heißen. Doch stellen Sie sich dies vor. Stellen Sie sich dies vor und Sie bekommen einen kleinen Eindruck von „So ruhet  in Frieden“.
Bäche von Blut und fliegende Fleischfetzen bietet John Ajvide Lindqvist nicht. Nicht umsonst wird der Begriff Zombie umgangen und die Wiederauferstandenen als die Wiedergekehrten bzw. als die Wiederkehrenden betitelt. Es sind tote Verwandte, die zu ihren Familien heimkehren. Sie sind nicht aggressiv, sie fügen sich in ihre alten Gewohnheiten ein. Ist die Überraschung erst einmal überwunden, wird versucht, den Toten die Illusion einer Menschlichkeit wiederzugeben. Der Mensch kann nur schwer mit dem Tod umgehen.
Wie gehen Familien mit ihren toten Verwandten um? Es ist nur eine Frage, die jedoch in den Hintergrund tritt, sobald die Regierung aktiv wird. Wie soll man mit den Wiedergekehrten umgehen? Faktisch sind sie für tot erklärt worden. Kann man ihnen ihre alten Rechte als Mensch wiedergeben? Sind sie vielleicht ein Seuchenherd im Hinblick auf ihre Verwesung? Erst einmal weg sperren und untersuchen heißt die Devise.
Den 0815-Zombieroman mit viel Gekröse erwartet man vergeblich. John Ajvide Lindqvist bietet keinen Horror im klassischen Sinne, sondern nimmt die gesellschaftskritische Schiene. Ein wenig Ekel wird natürlich geboten – das ist nun einmal die Folge von verwesenden Körpern –, ansonsten bleibt er relativ zahm. „So ruhet Frieden“ bietet mit seinem ganz anderen Ansatz eine spannend ruhige Atmosphäre, in der man herrlich versinken kann. Feinfühlig geht Lindqvist an die Story und an die Charaktere heran. Für Kinder ist das Phänomen der Wiederauferstandenen unbegreiflich. Sie verkraften es aber auch sehr viel schneller. Die Ältere Generation hingegen schielt zur Bibel und versucht weitere Menschen von der Apokalypse zu überzeugen. Das wirkt nicht amerikanisch aufgesetzt, weil der Punkt Religion zwanghaft mit aufgenommen werden muss, sondern überzeugend liebenswürdig, da es alles andere als pathetisch wirkt. Es ist einfach ein wichtiger Aspekt für die Story.
John Ajvide Lindqvist gönnt sich einen nahezu genialen Kniff. Er fügt Zeitungsausschnitte, Radioberichte und Interviews von lokaler Ebene bis zur Regierungsebene ein, sodass der Vorfall der erwachten Toten zu einer authentischen Realität wird, der man sich kaum entziehen kann.

Fazit

„So ruhet in Frieden“ ist anders. Wohltuend anders. Die Toten sind langsam, reagieren kaum auf das um sie herum Geschehene – und vor allem: Sie sind nicht fleischhungrig! Mit einer dichten Atmosphäre versinkt der Leser in einem gesellschaftskritischen Roman, der allerdings erst nach und nach als solcher zu erkennen ist. Lasst die Seelen der Toten gehen. Verabschiedet euch von den Seelen der Toten, auf dass diese gehen können.

3,5 von 5 Punkten