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Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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Script5
Gebunden, 424 Seiten
ISBN: 978-3-8390-0108-0
18,90 €





Ein kurzer Einblick

Jeden Winter wartet Grace darauf, dass die Wölfe in die Wälder von Mercy Falls zurückkehren – und mit ihnen der Wolf mit den goldenen Augen. Ihr Wolf.
Ganz in der Nähe und doch unerreichbar für sie, lebt Sam ein zerrissenes Leben: In der Geborgenheit seines Wolfsrudels trotzt er Eis, Kälte und Schnee, bis die Wärme des Sommers ihn von seiner Wolfsgestalt befreit. In den wenigen kostbaren Monaten als Mensch beobachtet er Grace von fern, ohne sie jemals anzusprechen – bevor die Kälte ihn wieder in seine andere Gestalt zwingt.
Doch in diesem Jahr ist alles anders: Sam weiß, dass es sein letzter Sommer als Mensch sein wird. Es ist September, als Grace den Jungen mit dem bernsteinfarbenen Blick erkennt und sich verliebt. Doch jeder Tag, der vergeht, bringt den Winter näher – und mit ihm den endgültigen Abschied.


Unsere Bewertung

Der Auftakt zu Maggie Stiefvaters neuer Trilogie wird gerne mit Stephenie Meyers „Twilight“ verglichen. Solche Vergleiche sind ja immer recht schwierig, da man so einem Buch selten gerecht wird. Doch auch wenn man „Nach dem Sommer“ ohne jegliche Vergleiche im Hinterkopf liest, schneidet das Buch schlechter ab als „Twilight“, dessen erster Band ja doch durchaus lesenswert war.
Ein wunderschönes romantisches Cover springt den Leser direkt an und er weiß auch sofort, was ihn zwischen den Buchdeckeln erwarten wird: Eine Liebesgeschichte. Nur leider fehlt es dieser Liebesgeschichte an Emotionen und bricht viel zu schnell über einen ein. Es fällt schwer, sich voll und ganz mit den Charakteren zu identifizieren, da Grace und Sam praktisch sofort zum Paar mutieren, als Grace ihren Wolf in menschlicher Gestalt ins Krankenhaus bringt, nachdem dieser in Wolfsgestalt angeschossen worden ist. Danach lebt Sam bei Grace – und da ist es praktisch, dass ihre Eltern sich wenig um sie kümmern und sie vor allem durch Abwesenheit glänzen, denn es ist doch schon sehr unrealistisch, dass tage- und wochenlang ein Fremder im eigenen Haus lebt ohne dass man auch nur das Geringste davon bemerkt ...
Das vorsichtige Annähern, das den Anfang einer Liebe ausmacht, entfällt bei Grace und Sam fast komplett. Sicher, sie haben sich auch schon „geliebt“, als Grace Sam nur als Wolf kannte, aber da diese Liebe unausgesprochen und unerklärt ist, ist es eine große Herausforderung an den Leser, sich hier hineinzuversetzen. Erst die letzten fünf Seiten lassen durchblicken, was das Cover versprochen hat und was sich hoffentlich in den beiden Folgebänden weiterentwickeln wird. Hier wirken die Worte viel zärtlicher und tiefgehender als zuvor. Durch die beiden verschiedenen Perspektiven (Grace und Sam erzählen die Geschichte im Wechsel) eröffnet sich die Möglichkeit, mehr von der Handlung zu erzählen als wenn nur ein Charakter zu Wort gekommen wäre. Dabei wird deutlich, dass Sam wesentlich reifer ist als Grace, die jedoch gegen Ende hin erwachsener erscheint.
Mit Sam und seinem Rudel hat Stiefvater einen neuen Typus Werwolf geschaffen, der jedoch etwas gezwungen und konstruiert wirkt. Statt sich zu Vollmond zu verwandeln, weckt Kälte den Wolf in Sam. Das heißt, dass er nur den Sommer mit Grace verbringen kann und im Winter als Wolf lebt. Konstruiert wirkt das deswegen, weil eine monatliche Verwandlung wohl nicht "endgültig" und dramatisch genug gewesen wäre, Grace' und Sams Liebe wäre nicht so stark bedroht gewesen, sondern hätte vielleicht sogar einen alltäglichen Rhythmus finden können.
Ein weiterer Minuspunkt ist, dass relativ wenig geschieht in „Nach dem Sommer“ und kaum Spannung aufkommt, erst im letzten Drittel geschieht das, was schon viel früher hätte beginnen müssen. Natürlich wird Grace' und Sams Liebe auch von außen bedroht – sonst wäre alles ja zu leicht.

„Nach dem Sommer“ hält leider nicht ganz, was es verspricht. Die Liebesgeschichte zwischen Grace und Sam ist mehr ein Zustand als eine Geschichte; da entwickelt sich wenig, viel mehr ist sofort alles da – und so fällt es schwer, sich damit zu identifizieren. Der Schluss versöhnt jedoch ein wenig und macht neugierig, wie es in den beiden Folgebänden weitergehen wird. Zugleich hätte das Buch auch gut für sich selbst stehen können, ohne eine Fortsetzung.



3 von 5 Punkten





Wir danken script5 für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.