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Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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Gebunden, 216 Seiten
Mit s/w Illustrationen
ISBN: 978-3-570-15374-1
16,99 €




Ein kurzer Einblick

Das Monster erscheint sieben Minuten nach Mitternacht. Aber es ist nicht das Monster, das Conor fürchtet. Was er eigentlich fürchtet, ist jener monströse Albtraum, der ihn jede Nacht quält, seit seine Mutter ihre Behandlung begann. Dieser Traum, in dessen Herzen tiefstes Dunkel herrscht und wo im Abgrund ein Albtraumwesen lauert, bis dann ein Schrei die Nacht zerreißt … (Verlagstext)



Bewertung

Conor führt ein Leben, das in vielerlei Hinsicht zu groß und zu viel für einen Dreizehnjährigen ist. Seine Mutter ist schwer krank und Conor ist oftmals auf sich allein gestellt, weil sie nicht die Kraft hat, für ihn zu sorgen. Außerdem plagt ihn jede Nacht der gleiche Albtraum, von dem man ahnt, dass er etwas Dunkles in Conor aufdeckt, eine Seite, für die er sich schämt, denn dem Monster, das eines Tages erscheint, will er nichts davon erzählen. Das Monster kommt immer sieben Minuten nach Mitternacht und erzählt Conor drei Geschichten, die nur auf den ersten Blick eindeutig und ohne besonderen Sinn zu sein scheinen. Auf den zweiten Blick finden sich Paralellen zu Conors Leben oder eine „Moral“, die er daraus ziehen kann. Und die größte Moral ist vielleicht die, dass Menschen vielschichtige Wesen sind, die Liebe und Hass gleichzeitig fühlen können, bei denen sich ambivalente Gefühle zur gleichen Zeit finden. Conor lernt, dem Monster zu vertrauen und wird auch enttäuscht, doch am Ende ist das Monster bei ihm und hilft ihm in einer schweren Zeit.

Du schreibst die Geschichte deines Lebens nicht mit Worten, sagte das Monster. Du schreibst sie mit Taten. Es ist nicht wichtig, was du denkst. 
Wichtig ist
nur, was du tust.“ (Seite 202)

Die Angst, die Conor jede Nacht heimsucht, wird erst am Ende des Buches aufgedeckt. Man kann seine Angst jedoch bereits vorher erahnen, so dass sie dann doch nicht mehr die große Überraschung ist, die sie hätte sein können. Das macht sie aber nicht weniger erschreckend, gleichzeitig aber auch genauso nachvollziehbar. Man möchte Conor in seiner Not am liebsten beistehen und ihm sagen, was das Monster ihm sagt: Deine Gefühle sind ganz normal, es ist nicht schlimm, dass du so fühlst.
Das Ende der Geschichte ist dann so wie man es erahnt hat, dennoch rührt sie zu Tränen. In dieser Situation rücken selbst Conor und seine ungeliebte Großmutter enger zusammen. Weil die Erkrankung von Conors Mutter jeden treffen könnte, den wir lieben, kann man sich beim Lesen auch so in Conor hineinversetzen. Man fragt sich das berühmte „Was wäre, wenn?“ und man weiß, dass man nicht anders als Conor reagieren, handeln, denken und fühlen würde. Conor ist letzten Endes nicht nur eine Figur in einem Roman, sondern jeder einzelne von uns.

Es ist ein Glück, dass Patrick Ness die Geschichte der früh verstorbenen Siobhan Dowd vollendet hat. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist eine Geschichte, die fantastische Elemente mit Realismus verbindet und dennoch ist dieser Realismus nicht von Banalität und Alltäglichkeit geprägt, sondern behandelt die großen Themen des Lebens, Liebe und Tod.
Die Illustrationen von Jim Kay sind sehr stimmungsvoll und jagen ab und an auch einen leichten Schauer über die Haut, aber dennoch ist das Buch viel weniger düster als man es beim Lesen des Klappentextes vermuten könnte. Hier stehen nicht die fantastischen Elemente im Vordergrund, sie sind vielmehr Mittel zum Zweck. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist keine Gruselgeschichte, sondern eine Geschichte von Verlust und Verzweiflung – eben eine Geschichte des Lebens.



Fazit

„Sieben Minuten nach Mitternacht“ ist ein bewegendes und einfühlsames Buch. Während man es liest, durchlebt man mehrere Gefühlsfacetten und es lässt einen auch auch nach dem Lesen nicht mehr so schnell los. Zusammen mit den Illustrationen bildet es ein Gesamtkunstwerk, das stimmungsvoll eine eigene Welt zeichnet, die jedoch so realistisch ist wie das Leben selbst. Ein Jugendbuch wie es fast nicht besser sein könnte!



4,5 von 5 Punkten






Wir danken cbj für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.