Samstag, den 15. August 2009 um 14:13 Uhr

Cbj
Hardcover, 592 Seiten
ISBN: 978-3-570-13274-6
19,95 €
(Das Buch erscheint im Oktober als Taschenbuch!)
Ein kurzer Einblick
1939, Nazideutschland. Der Tod hat viel zu tun und eine Schwäche für Liesel Meminger.
Am Grab ihres kleinen Bruders stiehlt Liesel ihr erstes Buch. Mit dem „Handbuch für Totengräber“ lernt sie lesen und stiehlt fortan Bücher, überall, wo sie zu finden sind: aus dem Schnee, den Flammen der Nazis und der Bibliothek des Bürgermeisters. Eine tiefe Liebe zu Büchern und Worten ist geweckt, die sie auch nicht verlässt, als die Welt um sie herum in Schutt und Asche versinkt. Liesel sieht die Juden nach Dachau ziehen, sie erlebt die Bombennächte über München – und sie überlebt, weil der Tod sie in sein Herz geschlossen hat.
Tragisch und witzig, wütend und zutiefst lebensbejahend – vom dunkelsten und doch brillantesten aller Erzähler: dem Tod.
Unsere Bewertung
Es gibt zahlreiche Bücher, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland beschäftigen, auch Romane, doch keines ist wohl so wie „Die Bücherdiebin“. Hier erzählt der Tod die Geschichte eines kleinen Mädchens, die Geschichte Liesels, und der Tod erscheint dabei sehr menschlich: Er hat Gefühle, kennt Entsetzen und dreht sich angesichts des Grauens weg und nebenbei kann er sehr schön erzählen, beinahe wunderschön. Oftmals hat man das Gefühl, dass man in Prosa gegossene Lyrik liest, solch schöne Metaphern finden sich in „Die Bücherdiebin“; selbst für noch so schreckliche Begebenheiten wie das Schlachtfeld bei Stalingrad sind die Worte so beeindruckend gewählt, dass man sogar dem Krieg und dem Tod (gerade dem Tod!) etwas abgewinnen kann. Viele Szenen gehen zu Herzen, besonders wenn der Tod von Auschwitz berichtet, wo zwar die Heldin Liesel nie gewesen ist, aber natürlich er hin musste.
Das Buch mag nicht für jeden geschaffen sein, man muss wohl eine kleine Ader für Lyrisches haben, um die Metapherndichte schätzen zu können und auch ist es manchmal etwas zäh – doch niemals langweilig oder so zäh, dass man nicht weiterlesen möchte.
Wir lernen eine Handvoll Charaktere kennen und lieben, sie wachsen einem so ans Herz, dass dem ein oder anderen Leser wohl eine Träne entwischen wird, wenn er das Ende liest, denn „Die Bücherdiebin“ endet sehr realistisch, so wie es eben im Krieg war, nichts wird geschönt und doch bleibt ein Funken Hoffnung, so wie das vielleicht auch eben im Krieg manchmal ist ...
Natürlich ist das Thema ein Thema, das manche Leute besonders in Deutschland wohl „nicht mehr hören können“, aber Markus Zusak schafft es, auch diesem Thema eine Schönheit zu verleihen, dem tristen Alltag während des Weltkrieges einen gewissen Glanz zu geben. Diese Schönheit ist nicht im eigentlichen Sinne zu verstehen, denn ein Krieg ist nicht schön. Aber Liesels Geschichte wird so ergreifend erzählt, dass man diesem totgeschrieben Thema eine erneute Chance geben möchte, fernab von großen Namen und großen Zahlen. Der Tod ist dabei ein Helfer, er zeigt, dass Unmenschlichkeit immer noch von Menschlichkeit kommt und dass auch an ihm, dem Tod, solche Ereignisse nicht spurlos vorübergehen.
5 von 5 Punkten





Wir danken dem cbt Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.




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