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Dressler
Gebunden, 176 Seiten
ISBN-13: 978-3-7915-3011-6
12,00 €




Ein kurzer Einblick

Es ist schon merkwürdig, wenn sich zwei kleine Mädchen, die nichts voneinander wussten, plötzlich in einem Ferienheim gegenüberstehen und feststellen müssen, dass sie sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Luise Palfy aus Wien hat zwar lange Locken und Lotte Körner aus München zwei streng geflochtene Zöpfe - das ist aber auch wirklich der einzige Unterschied. Luise und Lotte beschließen, dem Geheimnis ihrer Ähnlichkeit auf den Grund zu gehen: Luise fährt als Lotte nach München zurück und Lotte als Luise nach Wien...



Unsere Bewertung

Erich Kästners Kinderbücher sind Klassiker, die auch heute nicht aus den Kinderzimmern wegzudenken sind. Die meisten wissen nicht einmal, dass Kästner auch etwas anderes konnte als den Kindern Bücher schreiben ...
„Das doppelte Lottchen“ mag auf den ersten Blick mit den Jahren etwas an Glanz verloren haben, denn viele Kinder interessieren sich vielleicht nicht mehr so für solch „unspannende“ Geschichten. Dennoch ist es ein liebevoll gestaltetes Buch, in dem sich vieles findet, das Kindern auf indirekte Art und Weise erklärt wird. Die Altersempfehlung des Verlages von „ab 10 Jahren“ kann man wohl auch getrost herabsetzen auf acht Jahre – die Kinder müssen ja nicht so alt sein wie Luise und Lotte.

Für seine Zeit – das Buch erschien 1949 – war die Scheidung der Eltern des doppelten Lottchens sicherlich ein Novum, wenn nicht gar ein Skandal. Doch gerade heute hat es in diesem Punkt nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Die Zwillinge haben mit ernsten Problemen des Lebens zu kämpfen – und sei es, wie man eine Suppe kocht. Lotte ist hierbei die ernstere und erwachsenere, wohl auch, weil sie mit der allein erziehenden Mutter aufgewachsen ist. Luise ist mehr die verwöhnte Prinzessin, die den Erwachsenen gerne mal auf der Nase herumtanzt und trotzdem alle um den Finger wickelt – alle bis auf die neue Frau an Vaters Seite. Die wird natürlich sofort als Konkurrenz angesehen, als Gefahr im Versuch, die Eltern wieder zusammenzubringen.

Die Eltern sind jedoch auch keine Unschuldsengel, der Vater wird ein wenig als schuldig dargestellt. Auch dass er eine neue Frau hat, nimmt nichts von seiner Schuld. Die Mutter kommt besser weg, sie schlägt sich durch, ernährt ihre kleine Familie und steht sozusagen ihren Mann, auch ganz ohne Mann.

Kästner verpackt existenzielle Probleme nicht und schönt sie auch nicht. Statt dem kleinen Leser zu verschweigen, woran die Ehe der Eltern gescheitert ist oder einen anderen Grund vorzuschieben, nennt er das Kind beim Namen und bleibt damit glaubhaft. Kindern kann ab einem gewissen Alter auch solch ein Thema zugetraut werden und man sollte so etwas auch nach der Lektüre besprechen.
Für die Erwachsenen ist „Das doppelte Lottchen“ aber auch etwas, und sei es ein Schwelgen in Erinnerungen.

Wer sich eine Verfilmung anschauen möchte, dem sei das „Original“ von 1950 ans Herz gelegt. Diese hält sich nämlich recht genau an die Vorlage und Kästner selbst ist darin als Erzähler zu hören (und am Anfang auch zu sehen).



4,5 von 5 Punkten

 

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