Freitag, den 18. Dezember 2009 um 09:15 Uhr

Dtv
Taschenbuch, 464 Seiten
ISBN: 978-3-423-78035-3
9,95 €
Ein kurzer Einblick
Lena ist gerade zehn Jahre alt, als sich am 12. März 1938 ihr ganzes Leben ändert: Mit dem Anschluß Österreichs an Deutschland sind nun auch in ihrem Dorf die Nationalsozialisten an der Macht. Lena schwankt - wie viele - zunächst zwischen Begeisterung und Mißtrauen. Sie ahnt noch nicht, daß ihnen allen nicht nur ein Krieg bevorsteht ...
Unsere Bewertung
Lena war in meiner Schule Pflichtlektüre, als die Zeit des Nationalsozialismus und des zweiten Weltkrieges im Unterricht durchgenommen wurde. Obwohl der Markt quasi überschwemmt wird von Büchern, die sich mit dem Dritten Reich beschäftigen, könnte man sich kein besseres Buch als Einstieg in die Materie wünschen.
Käthe Recheis, die Autorin, wurde 1928 geboren und wuchs in Hörsching, nahe der von Bombenangriffen besonders betroffenen Industriestadt Linz, auf. Lena, die Protagonistin, ist zum Zeitpunkt des „Anschluss“ zehn Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in einem kleinen oberösterreichischen Dorf.
Das Buch beschreibt authentisch den Alltag des Mädchens Lena, die als Tochter des Dorfarztes hatten ein wohlbehütetes Leben geführt hatte, bis die Nazis einmarschierten. Ihre Familie steht der neuen Ordnung im Land sehr kritisch gegenüber, doch Lena lernt schnell, dass es manchmal besser ist, ruhig zu sein. Einzig der Großvater kommt nie in Schwierigkeiten, wenn er im Wirtshaus lauthals verkündet, daß „der Hiadler scho immer a Lump“ gewesen sei.
Gerade in der dörflichen Gemeinschaft lassen sich die Etiketten „gut“ und „böse“ nicht so einfach verteilen. Doch als die Krieg ausbricht und Lena älter wird, werden ihr die Zusammenhänge immer klarer und sie beginnt, sich ihre eigene Meinung zu den Geschehnissen zu bilden.
Eine detaillierte Chronologie der weltpolitischen Ereignisse zwischen 1938 und 1945 darf man sich von „Lena. Unser Dorf und der Krieg.“ natürlich nicht erwarten. Dennoch werden viele Ereignisse, die sich im Geschichtsbuch trocken und unwirklich anhören, sehr einfühlsam und für junge Leute verständlich beschrieben: die mangelnde Wahlfreiheit bei der Volksabstimmung, als der Bürgermeister dem Großvater die Hand zum „Ja“ führte, „da er ja so schlechte Augen hätte“. Denunzierungen von jungen Leuten, welche gegen die „Rassengesetze“ verstoßen hatten, da sie mit polnischen Zwangsarbeitern verkehrten und die Vertreibung des Grafen und der Gräfin, eines jüdischen Ehepaares, aus dem Dorf. Die Einberufung von Lenas älterem Bruder und vielen ihrer Freunde, die alle an die Front müssen um „für Deutschland“ zu kämpfen und das Bangen, ob sie je wieder zurückkehren werden. Die Angst bei den dauernden Luftangriffen, bei denen auch Lenas geliebter Hund getötet wird.
Zeitweise liest sich das Buch sehr langatmig, da auch die Beschreibung von etlichen nicht mit dem Krieg zusammenhängenden Alltäglichkeiten in die Geschichte einfließen. Dennoch ist es ein sehr empfehlenswertes Buch, welches den erhobenen pädagogischen Zeigefinger durch die Naivität eines ganz normalen Mädchens ersetzt.
4 von 5 Punkten



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