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Diogenes
Taschenbuch, 206 Seiten
ISBN-10: 3257229534

8,90€



Ein kurzer Einblick

Sie ist reizbar, rätselhaft und viel älter als er ... und sie wird seine erste Leidenschaft. Sie hütet verzweifelt ein Geheimnis. Eines Tages ist sie spurlos verschwunden. Erst Jahre später sieht er sie wieder. Die fast kriminalistische Erforschung einer sonderbaren Liebe und bedrängenden Vergangenheit.


Unsere Bewertung

Schlink klärt nicht endgültig, ob er Hanna für schuldig oder unmündig aufgrund der Tatsache hält, da sie nicht lesen und schreiben kann. Auch ist sie nicht als typische Täterin dargestellt, sondern anfangs als leidenschaftliche Liebhaberin und in ihrer Rolle als KZ-Aufseherin erscheint sie immer als unschuldig Hineingerutschte, die die Ideologie des Nationalsozialismus nicht als Antrieb für ihre Tätigkeit im KZ sieht.
Stellenweise ist die Protagonistin dadurch ein wenig zu harmlos dargestellt, denn eine solche Darstellung lädt zur Verallgemeinerung ein. Sie kann nicht als typische KZ-Aufseherin gesehen werden, denn es ist davon auszugehen, dass die meisten wirklich aus Überzeugung diesen Beruf gewählt haben.
Dem Leser hätte durch das Auftauchen eines überzeugten Nationalsozialisten ein vollständigeres Bild von der Realität gezeigt werden können und das Werk würde sich nicht so einseitig auf die Verharmlosung Hannas konzentrieren.
Der Leser kann davon ausgehen, dass Schlink auf die so genannte „Banalität des Bösen“ und die Problematik abzielte, dass auch die Nationalsozialisten mit ihren schrecklichen Taten zu hause friedliche und liebevolle Zeitgenossen waren, doch dem Autor gelingt es nicht, beide Aspekte ausreichend gegenüber zu stellen und den Konflikt deutlich zu machen. Das Werk ist zu einseitig.
Einzig Hannas Charakter als ewig Flüchtende wird durch die Vielzahl der Umzüge und in gewisser Weise auch durch ihren Freitod gut herausgestellt.
Weder Michael noch Hanna übernehmen jemals Verantwortung für ihr Handeln, Michael ist vielmehr durch eine große Portion Selbstmitleid geprägt und sogar Hannas Grab besucht er nur einmal.

Der Schreibstil Schlinks wirkt unheimlich banal, besondere rhetorische Figuren verwendet er nicht und lässt dem Leser so wenig Raum für Fantasie und Vorstellungsvermögen. Es fehlen auch überraschende Wendungen in der Handlung, die vorhersehbar und wenig spannend ist.
Die Beschreibung der Liebesaffäre zwischen Michael und Hanna lässt keine echte Liebe erkennen. Im Wesentlichen handelt es sich um eine sexuelle Abhängigkeit. Michael lässt sich von Hanna durch die Androhung von Liebesentzug erpressen und gefügig machen.
Die detailreiche Beschreibung des Sexuallebens der beiden ist absolut unnötig, da nicht nur schlecht geschildert und wenig erotisch, sondern absolut pervers. An keiner Stelle ist nachzuvollziehen, warum Michael sich in Hanna verliebt hat, die absolut unsympathisch auftritt, ihn sogar schlägt.

Historisch gesehen bleibt der Roman sehr grob und undetailliert. Dass das Buch nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, wird natürlich deutlich und auch die Nachkriegsprozesse werden beschrieben. Doch das Buch gibt keine historischen Antworten auf die Beweggründe der Nationalsozialisten und auch ihr Vorgehen wird auf den Holocaust beschränkt.
Die Historie wird an vielen Stellen durch das Thema Analphabetismus verdrängt, doch beide Motive kommen zu wenig zum Ausdruck, weder das eine, noch das andere werden ausreichend ausgeführt und unterschlagen große Teile ihrer Problematik.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es zum Thema Nationalsozialismus mit Sicherheit bessere Bücher gibt, die nicht nur die Thematik eindeutiger und historisch präziser beschreiben, sondern auch angenehmer geschrieben sind und den Leser mehr fesseln.
Schlink hat sich auf zu viele Konflikte gleichzeitig gestürzt, dabei aber keinen ausreichend beschrieben und dem Leser nahe gebracht.



1 von 5 Punkten

 

Diese Rezension hat unsere Gastrezensentin Jasna Strick geschrieben. Alle Rechte vorbehalten.

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Comments

avatar Marie
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Ohja, das Buch ist so doof, musste ich auch in der Schule lesen, es war so langweilig!!!
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avatar MRKariOS
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Beim ersten Mal lesen, habe ich eine ähnliche Meinung wie Marie gehabt. Nachdem wir das Buch in der Schule behandelt hatten, habe ich meine Meinung geändert. Schlinks Roman kann man ganz ausfühlich behandeln und kommt doch auf keine eindeutiges Ergebnis. Am Ende bleibt die Fantasie und Erfahrung des Lesers und es bleibt allein ihm überlassen was er daraus macht. Genau das mag ich an einem guten Buch.
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avatar TriSh D
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Ich leses gerade und muss sagen, dass es viele Frage offen lässt. Mir scheint als würde keine der Fragen beantwortet. Warum verliebt sich Michael in Hanna? Warum geht Hanna diese Lebe ein? Warum lässt sie sich nicht auf einen älteren Mann ein? Warum lernt sie erst so spät lesen? Warum schreibt Michael ihr nie Briefe ins Gefängnis, sondern schickt ihr nur diese Kassetten.
Fragen, die dem Leser bis zum Schluss unbeantwortet bleiben.
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