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Taschenbuch, 784 Seiten
ISBN: 978-3-423-11821-7
12,90




Ein kurzer Einblick

Anfang der 50er Jahre trommelt und schreibt in einer Heil- und Pflegeanstalt ein Buckliger des Jahrgangs 1924 die Geschichte seines Lebens und seiner Familie vom Begin des Jahrhunderts bis in das Deutschland Adenauers. Oskar Matzerath hat alles gesehen und gehört, nichts ist ihm entgangen, denn er war ein hellhöriger Säugling, dessen geistige Entwicklung bereits bei der Geburt abgeschlossen war. Der Außenseiter, der Wirklichkeit ertrommeln und Glas zersingen kann, erweist sich dabei als der einzige Gesunde in einer Welt des Scheins, der Lüge und des Verbrechens.



Unsere Bewertung

„Die Blechtrommel“ feiert dieses Jahr fünfzigjähriges Jubiläum. 1959 erschienen, avancierte es schnell zu einem modernen Klassiker und machte Günter Grass berühmt.
Was man dem Roman sogleich bescheinigen kann, ist, dass er wohl nicht jedermanns Sache ist und vielleicht sogar den wenigsten gefällt. Grass hat hier einen Ich-Erzähler geschaffen, der sehr schwierig ist und über den man kein endgültiges Urteil fällen kann. Die Sekundärliteratur bezeichnet Oskar Matzerath als dämonisch, teuflisch – aber ganz sicher ist er ein Sonderling. Ein Kind, das beschließt, nicht weiter zu wachsen und das dann auch tatsächlich nicht tut. Ein Kind, das seine vermeintlichen Väter umbringt oder zumindest galant nachhilft, dass sie „den Löffel abgeben“. Da Oskar selbst jedoch erzählt, kann man mehr Sympathie aufbauen als das vielleicht durch eine andere Erzählperspektive der Fall gewesen wäre. Auch die übrigen Charaktere sind seltsame Typen, mal mehr, mal weniger. Die Großeltern, insbesondere der Großvater, sowieso, aber auch die Eltern. Keinem kann man so wirklich etwas abgewinnen, bei jedem findet sich etwas, das man nicht sympathisch findet. Das macht die Identifikation und den Umgang mit der Geschichte nicht gerade einfach.
Die Verfilmung aus dem Jahr 1979 übrigens zeichnet einen Oskar, der mehr als unsympathisch ist, dem Zuschauer teilweise sogar Angst machen mag.  In der Vorlage kommt dies nicht ganz so schauerlich durch, auch wenn man erkennt, dass dieses Kind "nicht ganz normal" sein kann.

Der Hintergrund des Nationalsozialismus ist zwar spürbar, jedoch sticht er nicht so heraus, dass er omnipräsent ist. Es geht in der „Blechtrommel“ um anderes als um geschichtliche Ereignisse, sie bilden nur eine Grundlage. Die Geschichte selbst spinnt sich durch die Jahre, Oskar leitet den Leser von der Zeugung seiner Mutter bis zu seinem Aufenthalt in der Heil- und Pflegeanstalt, aber mehr in Episoden, sehr lose aneinander gereiht - eben ganz so wie wenn jemand seine Erinnerungen aufschreibt. Die Ereignisse sind teils schockierend (der "Selbstmord" des vermeintlichen Vaters), verstörend (ein Kind, das Glas zersingen kann!) und sehr ungewöhnlich und an der Realität vorbei (ein Kind, das bewusst beschließt, nicht mehr zu wachsen) und man muss sich stark bemühen, zwischen den Zeilen zu lesen.

„Die Blechtrommel“ zu bewerten ist nicht einfach und man bleibt am Ende zweigeteilt zurück. Sicherlich ist der Roman ein wichtiges Werk des 20. Jahrhunderts. Es setzt sich mit Themen auseinander, die zu seiner Zeit bedeutend waren. Gleichzeitig ist es aber auch ein schwer zu lesendes Werk, zu dem man nicht so leicht Zugang findet und das viele Fragen aufwirft ohne Antworten zu liefern. Alleine traut man sich da nur schwer oder gar nicht ran. Generationen von Schülern mussten sich inzwischen damit „rumschlagen“ und das wird sich vielleicht nicht so schnell ändern - „Die Blechtrommel“ ist auf seine Art und Weise ein Klassiker, der kontroverse Meinungen hervorruft.




2,5 von 5 Punkten

 

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