Dienstag, den 10. August 2010 um 12:06 Uhr

Rowohlt
Taschenbuch, 495 Seiten
ISBN: 9783499252426
€ 9,95
Ein kurzer Einblick
Der Luxusliner «Trident» befährt den Südpazifik, an Bord eine Film-Crew und Naturwissenschaftler. Man ist dabei, die Reality-Show «Sea Life» zu filmen. Plötzlich erreicht ein Hilferuf das Schiff. Er kommt von einem kleinen Felseneiland.
Doch die Insel ist mitnichten harmlos. Flora und Fauna haben sich über Jahrtausende hinweg evolutionstechnisch optimiert. Sie wissen sich gegen die Eindringlinge zu wehren. Nicht auszudenken, was geschieht, wenn eines der Lebewesen die Insel verlässt ...
Unsere Wertung
Der Schriftsteller Warren Fahy stammt aus Hollywood, schrieb in seinem Leben sehr viele Filmrezensionen und engagiert sich auch als Werbetexter. Mit einem kleinen Zwinkern könnte man meinen, dass jene Faktoren dazu geführt haben, dass der Roman "Biosphere" deswegen zu dem wurde, was er wurde. Einem Wissenschaftsthriller, bei dem der Autor vielleicht selbst eher Filmszenen im Kopf hatte, denn Buchszenen. Bei der Inhaltsbeschreibung schon (Evolutionsnische auf einer Insel, die von für Menschen neuartigen Tieren und Pflanzen bevölkert ist), werden die ersten Leser schon mit den Augen rollen: Eine Art "Jurassic Park" schon wieder? Survival-Horror auf einer Insel? Tatsächlich könnte man diese Annahmen leicht bejahen, denn Fahy bedient sich bekannter Elemente aus anderen Romanen/Filmen und mixt sie aber dann zu einer eigenen Interpretation zusammen. Denn man kann dem Schriftsteller nicht absprechen, dass er sich einige Gedanken um seine Theorie der Evolution gemacht hat und diese dem Leser in wissenschaftlichen Dialogen nahe bringen will. Die Dialoge wirken manchmal allerdings wie kleine Stolpersteine in der Handlung, denn sie ziehen sie wie Gummi in die Länge. Die Idee der Reality-Show "Sea Life" ist hingegen sehr nett ausgedacht und eingestrickt in die Ebene, doch leider verliert dieser Handlungsstrang relativ schnell seine Bedeutung und wird vor allem von der Protagonistin Cynthea etwas aufrecht erhalten. Da der Roman mit rund 450 Seiten auch nicht wirklich "episch" in Hinsicht auf die Länge genannt werden kann, ist jede Seite letztendlich kostbar und für eine gute oder in diesem Fall eher schlechte Balance verantwortlich.
Mit den Charakteren kann man sich nicht zu sehr anfreunden, da sie eher für die wissenschaftlichen Aspekte zuständig sind und somit einen Forscherstatus inne haben, der am Ende des Romans schließlich noch etwas mehr in die menschliche Gefühlsebene hineinreicht. Tiefgründig sind sie allerdings alle nicht. Doch "Biosphere" hat auch seine spannenden und "actionreichen" Momente. Die Expedition ins Innere der Insel, wo man auf eine Welt trifft, die (um nicht zu viel zu verraten) absolut aggressiv ist, liest sich mitunter durchaus spannend. Beigefügt sind auch nette Illustrationen der verschiedenen Lebewesen auf der Insel - eine gute Idee. Leser bekommen also mehr als ausgelutschte "B-Monster". Das Ende von "Biosphere" ist wiederum absolute Geschmackssache. Hier wird es eine Fraktion geben, die es interessant findet, wenn der Autor plötzlich ein in hohem Maße intelligentes Leben auf die Insel zaubert. Die anderen werden eher den Kopf schütteln und sagen, dass die Fantasie des Schriftstellers doch etwas zu sehr mit ihm durchgegangen ist und er es ein wenig zu positiv meint. Und tatsächlich muss man sagen, dass das Ende ein wenig zu sehr einen Kontrast zur harten Welt der Insel bietet und einfach nicht wirklich glaubwürdig ist. Hier und da hapert es im Roman eben an einigen Stellen.
"Biosphere" bietet insgesamt gute Ansätze und für einen Wissenschaftsthriller auch nette Gedanken rund um Evolutionsnischen und ihre Auswirkungen. Handlungsschwächen, die eher platten Charaktere und das etwas zu fantasievolle Ende bremsen den Roman in der Wertung allerdings.
3 von 5 Punkten



Wir danken Rowohlt für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.




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