Sonntag, den 24. April 2011 um 12:55 Uhr

Heyne Verlag
Hardcover, 432 Seiten
ISBN: 9783453266544
19,99€
Ein kurzer Einblick
Der Bestsellerautor Cubby Greenwich erhält eine vernichtende Rezension für sein neuestes Werk. Entgegen allen Warnungen sucht er eine Begegnung mit dem Kritiker, Shearman Waxx. Was er nicht weiß: Waxx ist ein sadistischer Psychopath - und er wird von nun an alles daransetzen, Cubbys Leben auszulöschen.
Unsere Wertung
Tatsächlich kann man die gesamte Handlung von Koontz' neuem Roman "Blindwütig" in diesen zwei, drei kleinen Sätzen erzählen. Wir wiederholen noch einmal: Ein Schriftsteller, der nach einer niederschmetternden Kritik mit seinem Kritiker aneinanergerät und anschließend von jenem Shearman Waxx gejagt wird. Cubby Greenwich führt an sich das typische Musterleben: Ein erfolgreicher Schriftsteller, eine schöne Frau an seiner Seite, ein hochbegabter Sohn, der an Zeitreisemaschinen und weiteren Wunderwerken bastelt, Schwiegereltern, die einen Bunker als Domizil in Anspruch nehmen, einen Hund, der magisch begabt ist ... einen Moment. Zeitreisen? Magisch begabte Hunde? Richtig gelesen. Eine einfache, kleine Familie war Koontz in diesem Sinne wohl nicht gut genug. Cubby, Ehefrau Penny und Sohn Milo wirken wie ein Superheldentrio der Neuzeit. Nichts kann sie wirklich erschüttern, stoisch wird ein vorgefertigter Handlungsweg verfolgt von A bis Z.
Spielraum für Charakterentwicklung oder überraschende Momente gibt es eigentlich gar nicht. Gut, das entschuldigen wir sogar, da dies nicht wirkliche Kernpunkte eines Thrillers sind. Es geht um Spannung und eben jenem "Thrill", den die Leser wollen. Und das gelingt in der ersten Hälfte des Buches richtig gut. Die Greenwich-Familie wird von Waxx terrorisiert, muss aus ihrem Haus fliehen, gefolgt vom Psychopathen - das alles ist selbstverständlich nichts Innovatives, aber sehr solide erzählt. Hier gibt sich Koontz wenig Blöße. Wenn man sich mal mit derm seltsamen Familie Greenwich angefreundet hat, freut man sich auf einen spannenden Klimax. Doch hier scheint irgendetwas grundlegend fehlgeschlagen zu haben.
Die Probleme bei "Blindwütig" fangen erst richtig in der zweiten Hälfte des Romans an, wenn es langsam an die "Auflösung" der ganzen Geschichte geht. Formulieren wir es mal vorsichtig: Einen Abstecher in die Phantastik zu unternehmen, ist auch im Thrillerbereich erlaubt, doch was hier vor sich geht, kann man kaum glauben. Zauberer Milo nebst Magiehund Lassie treten in Aktion, aus einem, einzelnen Psychopathen wird urplötzlich eine große Gruppe, die absurde Ziele verfolgt und absolut unglaubwürdig daherkommt und das Ende nunja, an Inhalt wollen wir nichts verraten, aber Koontz ist diesmal am Ziel meilenweit vorbeigeschossen. Besonders drastisch sind die brutalen Morde und blutigen Aktionen, die immer wieder im Roman geschildert werden, jedoch Cubby samt Familie einfach weiter in der Handlung durchmarschiert, wie eine Gruppe harter Marines, die bei Leichen nur mit den Schultern zucken. "
Blindwütig" wird vielleicht dem einen oder anderen Fan gefallen, der auch ganz abstruse Ideen nicht sonderlich beachtet, doch Leser, die den Anstand der Logik einem Wirrwarr an Absurditäten vorziehen, sollten einen Bogen um dieses Buch machen.
2 von 5 Punkten


Wir danken dem Heyne Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.



