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Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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Heyne
Hardcover, 688 Seiten
ISBN 978-3-453-01181-6
21,95 €


Ein kurzer Einblick

Was geschah mit Harriet Vanger? Während eines Familientreffens spurlos verschwunden, bleibt ihr Schicksal jahrzehntelang ungeklärt. Bis der Journalist Mikael Blomkvist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zutage fördern, lässt alle Beteiligten wünschen, sie hätten sich nie mit diesem Fall beschäftigt.

Bewertung

Die Millenium-Trilogie des Autors und Journalisten Stieg Larsson, der 2004 an einem Herzinfarkt verstarb, ist schon längst eine der Trilogien geworden, die man einfach gelesen haben muss. So könnte man zumindest annehmen, wenn man die unzähligen, begeisternden Stimmen vernimmt, die die Trilogie vermutlich am liebsten heilig sprechen würden. Fakt ist jedoch zuerst einmal, dass Stieg Larsson posthum für seine Millenium-Trilogie mit dem Skandinavischen Krimipreis geehrt wurde; wodurch er international bekannt wurde.
Leicht zu lesen ist Stieg Larsson – leicht zu verarbeiten wiederum weniger. Larsson rattert Namen, Zahlen, Daten, Fakten und Ereignisse am Fließband herunter. Wenig ist das nicht. Merken sollte man sich alles. Auch wenn es schwer fallen sollte; und anfangs wird es garantiert schwer fallen. Glücklicherweise überfordert Larsson nicht; zumindest, was den Stil angeht, denn schwere Kost mit Stieg Larssons Informationsüberflutung wäre für die Allgemeinheit nicht mehr tragbar gewesen.
Der Wirtschaftsjournalist Mikael Blomkvist wird der Verleumdung Wennerstroems bezichtigt, denn seine Aussagen gegen Wennerstroem sind nicht mit Quellen zu belegen. Der angeschlagene Journalist nimmt daher den Auftrag Henrik Vangers an: Er soll die seit 1966 vermisste und für Tod erklärte Harriet Vanger finden, ihr mysteriöses Verschwinden aufklären. Als Vorwand für die Öffentlichkeit, sein eigentlicher Auftrag wird geheim gehalten, schreibt Blomqvist an einer Familienchronik der Familie Vanger. Immer tiefer taucht er in die Geheimnisse der Familie ein … natürlich gefällt das nicht allen Familienmitgliedern.
Die Familienchronik der Vangers bietet genug Lesestoff, um die nächsten Wochen kein anderes Buch aus dem Regal ziehen zu müssen. Sie intrigieren gegeneinander, hassen sich gegenseitig und beenden niemals eine eingegangene Ehe. Unter den Familienmitgliedern befinden sich Altnazis, Judenretter, egoistische Schweine und Kämpfer des Guten. Mit dieser Mischung aus schillernden Persönlichkeiten – War das etwa Sarkasmus? – ist es kein Wunder, dass der Wennerstroem Konzern dem Ende entgegen geht. Stieg Larsson entwirft ein glaubwürdiges Bild einer Familie, die ihre Geschichte viele Jahrzehnte zurückverfolgen kann. Doch (und das soll bitte nicht als Negativmeinung verstanden, allerhöchstens als Werbung aufgefasst werden) versteht es Ken Follett in „Die Pfeiler der Macht“ einen Ticken besser die Familienchronik zu gestalten.
Was aber ist nun so besonders an „Verblendung“, dass ein dreifaches Lob gerechtfertigt ist? Eigentlich gar nichts, lautet die Antwort! „Verblendung“ ist bester Durchschnitt, besitzt nichts zu meckern und weiß zu begeistern. Aber die Mischung macht es: Man nehme ein paar einfache Charaktere, ein paar seltsame Gestalten, eine komplexe Familiengeschichte, ein mysteriöses Verbrechen, einen Stil, der zugleich leicht zu lesen ist, aber Informationen zum Gedächtnistraining bietet, und bette den Cocktail in eine Rahmenhandlung ein.

Fazit

Gestatten: Mikeal Blomkvist, Journalist, und Lisbeth Salander, Hackerin. Gemeinsam haben sie sich der Familientragödie der Familie Vanger und dem Wennerstroem Konzern mit kriminell-wirtschaftlichem Hintergrund gestellt, die Rätsel gelöst, Geheimnisse vertuscht und … hier lege ich besser das Tuch des Schweigens drüber. Wer das größte Geheimnis lüften möchte, muss sich Blomkvist und Salander anschließen, genug Mut aufbringen und im Leichenkeller der Familie Vanger graben.

5 von 5 Punkten