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Weisheiten

Eine Kindheit ohne Bücher wäre keine Kindheit. Es wäre, als ob man aus dem verzauberten Land ausgesperrt wäre, aus dem man sich die seltsamste aller Freuden holen könnte.
Astrid Lindgren

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  • 19.05., 23.15 Uhr, RBB: „Jakob der Lügner“ (Jurek Becker)
  • 22.05., 20.15 Uhr, Tele 5: „Gefangene der Zeit“ (1+2) (Madeleine L'Engle)
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Goldmann
Taschenbuch, 607 Seiten
ISBN:
9783442458523
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Yayoi Yamamoto arbeitet Nacht für Nacht in einer Lunchpaket-Fabrik am Rande Tokios, um endlich das Geld für eine eigene kleine Wohnung aufbringen zu können. Doch als sie herausfindet, dass ihr Mann Kenji ihre gesamten Ersparnisse verspielt hat, verliert sie die Nerven und bringt ihn im Affekt um. Verzweifelt versucht Yayoi zusammen mit drei Kolleginnen die Tat zu vertuschen, doch mit jedem Schritt geraten die Frauen tiefer in einen unentrinnbaren Sog des Verderbens...

 

Bewertung

Ein Krimi/Thriller der etwas anderen Art, möchte man bereits beim Lesen der Inhaltsangabe sagen. Kein fröhliches Mörderraten mit dem "Kommissar" bzw. der Kommissarin, viel mehr erlebt der Leser die Sichtweisen des Mörders und der Mittäter und somit einen Einblick der umgekehrten Art und was für einen Einblick! Die japanische Schriftstellerin Natsuo Kirino (Künstlername) taucht tief hinab in die Abgründe der sozialen Strukturen. Speziell selbstverständlich in Japan, aber teilweise kann man die Lebensumstände der Protagonistinnen ohne Probleme auf die westliche Welt übertragen. Berufliche Perspektivlosigkeit, Spielsucht, soziale Zwänge, Schulden - nur ein kleiner Einblick, doch auch in der westlichen Welt sind dies keine Fremdbegriffe, sondern oftmals die graue Realität des Alltags. Natürlich treibt es Kirino auf die Spitze und zeigt absolute Extremzustände auf.

Besonders beeindruckend ist dabei, dass die nach "außen" hin die Frauen ein recht geregeltes Leben haben mit Familien oder Partnern, doch innerlich sehen die Zustände ganz anders aus. Mehr und mehr lernt der Leser die innerlichen Abgründe der Charaktere kennen und beginnt sich zu fragen, ob es in diesem Werk das Wort "Moral" überhaupt gibt und wann die schreckliche Spirale des Leidens zu Ende gehen mag. Knapp 600 Seiten an Inhalt ohne wirkliche Hoffnung, dafür mit Hoffnungslosigkeit, düstererer Entschlossenheit und Grausamkeit. Für westliche Leser kann es zudem eine ganz neue Erfahrung des Krimi/Thriller-Genres, da hier vollständig auf (die meist aufgesetzten und unnötigen) Liebeshandlungen verzichtet wird oder es das alberne Ermittlerduo gibt, das sich anfangs nicht leiden kann und dennoch zusammenarbeiten muss. Keine Klischees wird man in der "Umarmung des Todes" vorfinden, dafür eine harte Darstellung von Gewalt und sicherlich teils sehr übertriebene Zustände, die allerdings zu diesem Gesamtpaket passen.

 

Fazit

"Die Umarmung des Todes" ist ein sehr eindringlicher Thriller, der soziale Grenzen und daraus resultierende, wenn auch manchmal wirklich übertriebene, Folgen aufzeigt. Man sollte diesen Roman ruhig einmal näher anschauen, denn die Andersartigkeit vermag zu überzeugen - besonders gegen die ewig gleichen Strukturen der amerikanischen oder auch schwedischen Thriller.

 

5 von 5 Punkten